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Bei Großeinsätzen wie hier an der Hauptwache bekommen die Beamten des ersten Reviers Unterstützung zusätzlicher Kräfte.

NSU 2.0

Chat-Skandal bei der Polizei Frankfurt: Betroffenes Revier gilt als stressige Dienststelle

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Die fünf Polizisten, gegen die wegen rechtsradikaler Botschaften ermittelt wird, waren im Streifendienst des 1. Frankfurter Reviers eingesetzt. Dessen Gebiet ist die Innenstadt – ein raues Pflaster für Polizeibeamten.

Das freundliche Gesicht der Chefin darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich beim ersten Frankfurter Polizeirevier um eine der härtesten Dienststellen in Hessen handelt. Susanne Rohlfing hat die Revierleitung Anfang 2017 übernommen – als erste Frau auf diesem Posten. Nun muss sie mit einem Nazi-Skandal in den eigenen Reihen klarkommen. Fünf ihrer Beamten sollen sich in einer Chatgruppe fremdenfeindliche Nachrichten geschickt haben, garniert mit Hitlerbildern und Hakenkreuzen. Womöglich stecken sie auch hinter einem Drohschreiben an eine Frankfurter Anwältin. Im Dienst sind sie nicht mehr, zumindest bis die Ermittlungen abgeschlossen sind. Nun soll auch ein sechster Beamter vom Dienst suspendiert worden sein.

Hauptgeschäft in der Frankfurter Innenstadt sind für die Polizei Frankfurt Taschendiebe


Insgesamt 130 Beamte sind der Revierleiterin unterstellt. Sie sind bei großen und kleinen Kundgebungen im Einsatz, jagen Rauschgifthändler und Taschendiebe. Ihr Gebiet, die gesamte Innenstadt innerhalb des Anlagenrings, ist ein hartes Pflaster für Polizisten. Das Bahnhofsviertel gehört zwar nicht mehr dazu, dafür aber andere Brennpunkte wie das Allerheiligenviertel und die Konstablerwache. Im Kampf gegen Gewalt- und Drogenkriminalität setzt die Polizei dort auch auf Videoüberwachung.

Rechtsextremismusverdacht bei der Frankfurter Polizei

Ein öffentlichkeitswirksamer Einsatzschwerpunkt des ersten Reviers ist derzeit die Hauptwache. Der unterirdische S- und U-Bahnhof ist zum Anziehungspunkt aggressiv auftretender junge Männer aus Frankfurt und Umgebung geworden. Sie treffen sich dort, besonders am Wochenende, betrinken sich und pöbeln Passanten an. Mit groß angelegten Kontrollen versucht das erste Revier nun, diesem Problem Herr zu werden. Unterstützung erhält es dabei durch zusätzliche, robust auftretende Einsatzkräfte. Im Internet kursieren Handyvideos dieser Großkontrollen, verbunden mit Rassismusvorwürfen gegen die Beamten.

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Polizei Frankfurt muss immer mit Angriffen rechnen

Ein einschneidender Tag war für die Beamten des ersten Reviers der 18. März 2015. Linksradikale Gewalttäter nahmen die Eröffnung der Europäischen Zentralbank zum Anlass, halb Frankfurt zu verwüsten. Am frühen Morgen griffen sie das Gebäude des ersten Reviers an. Es liegt an der Zeil mitten im Stadtzentrum. Die vermummten Gestalten zertrümmerten die Glasfassade und fackelten drei vor dem Revier parkende Streifenwagen ab.

Mit Widerstand oder sogar Angriffen müssen die Polizisten auch im Alltag rechnen. Die Hemmschwelle ist gesunken. Das erste Revier hat sich deshalb schon früh am Probebetrieb der „Body-Cams“ beteiligt. Die kleinen auf der Schulter befestigten Kameras können in gefährlichen Situationen eingeschaltet werden. Sie wirken vor allem auch abschreckend.

Zivilbeamte sind Taschendieben auf der Frankfurter Zeil auf der Spur

Im Alltag der Innenstadt-Polizisten spielt neben Demonstrationen und dem allgegenwärtigen Rauschgifthandel auch der Taschendiebstahl eine wichtige Rolle. Denn die Zeil lockt nicht nur Einkäufer und Schaufensterbummler, sondern auch Kriminelle an. Das erste Revier hat daher Spezialisten im Einsatz, die in zivil unterwegs sind und die Tricks der Diebe genau kennen. Ihnen gelingt es immer wieder, sie auf frischer Tat zu ertappen.

Für Frustration sorgt unter den Polizisten eine in ihren Augen oft zu lasche Justiz: „Wir nehmen einen Dealer fest, wissen aber, dass er wahrscheinlich bald wieder hier ist“, sagen erfahrene Beamten. Eine Entschuldigung für rechtsradikales Gedankengut sei dies jedoch nicht, fügen sie hinzu.

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