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250 Buchen fürs Klima gepflanzt

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Von: Stefanie Wehr

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Und jetzt ganz vorsichtig genügend Erde drauf: Liv (15) und Alina (15, r.) setzen eines der Bäumchen. FOTO: enrico sauda
Und jetzt ganz vorsichtig genügend Erde drauf: Liv (15) und Alina (15, r.) setzen eines der Bäumchen. © sauda

Carl-Schurz-Schüler setzten junge Bäumchen im ausgedünnten Stadtwald

Gar nicht so leicht, mit dem Spaten tief in den Waldboden zu stechen: Die beiden Neuntklässlerinnen Liv und Alina stellen sich kurzerhand zu zweit auf den Spatenrand. Das Loch ist ausgehoben, jetzt kann das Bäumchen hinein. "Die Wurzeln nicht knicken oder verdrehen", mahnt Forstwirtschaftsmeister Matthias Appelt. Den Schülerinnen macht's Spaß: "Es ist ein schöner erster Schultag", findet Liv.

Die Klasse 9d der Sachsenhäuser Carl-Schurz-Schule hat sich nach den Osterferien gleich morgens im Wald an der Flughafenstraße getroffen. Dort wurden die Schüler von Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) begrüßt, die sich bedankte, dass die Schüler am Tag des Baumes helfen, "den Stadtwald über den Klimawandel hinwegzuretten". Gut 250 Rotbuchen, die zum Baum des Jahres 2022 auserkoren wurden, sollten gestern gepflanzt werden, und ein ganze Reihe Stieleichen wurden auch an anderen Stellen im Stadtwald neu gesetzt.

Das Dürrejahr 2018 wirkt noch nach

Das neue Bäume dringend gebraucht werden, berichtet Förster Andreas Knöffel eindrucksvoll. "2018 erlitten wir Förster einen Schock. Wir mussten mit ansehen, wie schnell der Wald, den wir jahrzehntelang haben wachsen sehen, wegen der Trockenheit einfach abstarb. Innerhalb von sechs Monaten waren mächtige Eichen einfach tot", erinnert sich der fürs Revier Niederrad zuständige Förster. 2018, das war der Sommer, in dem zwischen April und November kein einziger Regentropfen fiel. Aber auch 2019 und 2020 waren vergleichsweise trockene Jahre, und dieses Frühjahr habe es zwar schon geregnet, aber nicht genug.

Von der Nachwirkungen der Dürre zeugen die kahlen Baumgerippe, die auf dem Waldstück hinter der Flughafenstraße in den Himmel ragen. Dort finden sich aber auch die Zeugen eines Waldbrands: umgefallene Bäume mit schwarzer Rinde liegen dort. Während eines Eintrachtspiels hatte es hier gebrannt, wegen des Verkehrs kam die Feuerwehr nicht schnell genug durch. Auch deshalb ist dieses Waldstück kahler als andere und eignet sich gut für Neupflanzungen.

Die Wurzeln der neuen Bäumchen, die von der Frankfurter Baumschule Lüdemann großgezogen und für die Pflanzaktion gespendet wurden, wurden deshalb in ein Granulat getunkt, das Regenwasser speichert und die Wurzeln über lange Zeit feucht hält. "Be-Grow" heißt das Produkt, das den kleinen Bäumen hilft, trockene Perioden leichter zu überstehen.

Der Natur unter die Arme greifen

Die Natur unterstützen ist das eine, ihr aber auch den natürlichen Lauf lassen das andere, was die Förster in dieser Zeit des Klimawandels anstreben. "Wir lernen momentan ganz viel über den Wald", erklärt Andreas Knöffel. "Was wächst wo, was siedelt sich an, ist die Frage. Aber für uns Menschen ist allein der natürliche Regenerationsprozess des Waldes zu langsam. Deshalb helfen wir nach." Der Mischwald habe sich als nachhaltige Pflanzstruktur bewährt und solle weiterhin beibehalten werden. Gerade im Klimawandel mindert es das Risiko des Baumsterbens, wenn verschiedene Arten gepflanzt werden.

Allerdings weiterhin mit heimischen Arten, erläutert Forstwirtschaftsmeister Appelt. "Wenn sich das als nicht tauglich erweisen sollte, müssten wir auf mediterranere Arten gehen." Steineichen etwa, die mit Trockenheit besser zurechtkommen. Doch mit diesen hat man im Frankfurter Stadtwald noch wenig Erfahrung.

"Wichtig ist zu wissen, das jeder gegen den Klimawandel angehen kann und Bäume pflanzen kann", sagt Knöffel. Er findet, dass dies noch bewusster gehandhabt werden soll. Der Förster, der auch Erster Vorsitzender des Frankfurter Kreisverbands der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald ist, findet, dass Bauprojekten etwa von der Bahn noch viel zu viel Wald vernichtet wird. "Das können wir uns heutzutage nicht mehr leisten."

Bei den 250 Rotbuchen wird es in diesem Jahr deshalb nicht bleiben. Weitere Pflanzungen sind geplant, um den Stadtwald robuster zu machen. Stefanie Wehr

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