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Wie hier in Großbritannien können möglicherweise auch bald die Menschen in Frankfurt gegen Corona geimpft werden.

Corona

4000 Menschen sollen täglich geimpft werden

  • Julia Lorenz
    vonJulia Lorenz
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Das Impfzentrum in der Frankfurter Festhalle ist bald startklar. Ab Dienstag soll es einsatzfähig sein. Doch wann der Impfstoff kommt, weiß aber noch niemand.

Noch fünf Tage, dann soll das Impfzentrum in der Frankfurter Festhalle fertig sein. Darauf hatten sich Bund und Länder geeinigt. "Das wahrscheinlich schönste Impfzentrum ist am Dienstag einsatzfähig", bestätigte dann auch Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) am Donnerstag den Stadtverordneten. Los geht es dann aber natürlich noch nicht. Noch ist in Deutschland kein Impfstoff zugelassen, noch weiß man auch nicht, wann das Serum in Frankfurt ankommt. "Es ist davon auszugehen, dass es Ende Dezember losgehen kann", sagte Majer.

Der Betrieb des Frankfurter Impfzentrums wird von einer Hilfsorganisation sichergestellt. Einen Namen nannte Majer nicht. Das Personal soll sich aus Kräften der Hilfsorganisation, freiwilligen Ärzten und Medizinstudenten zusammensetzen. Einige Freiwillige hätten sich schon beim Gesundheitsamt gemeldet. Eine Zahl konnte der Stadtrat aber nicht nennen.

Geduld ist gefragt

Fest steht hingegen: Es wird in der Festhalle, wo in normalen Zeiten Konzerte und große Events stattfinden, 36 sogenannte Impfstraßen geben, in denen über Risiken und Nebenwirkungen des Serums aufgeklärt, gespritzt und sich kurz ausgeruht wird. In der Spitze könnten dort täglich 4000 Menschen geimpft werden.

"Unser Ziel ist es, dass mindestens 60 Prozent der Frankfurter geimpft werden", sagte Majer. Bei den mehr als 750 000 Einwohnern bedeutet das: mehr als 450 000 Frankfurter müssen eine Spritze bekommen, 900 000 Impfdosen sind dafür nötig, denn jeder muss zwei mal gespritzt werden. "Die Zahlen zeigen: Es wird einige Zeit dauern, bis unser Ziel erreicht ist", sagte Majer. Wer wann geimpft wird, das legt nicht die Stadt, sondern der Bund fest. Die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts empfiehlt, dass zuerst Menschen, die älter als 80 Jahre sind, Rettungssanitäter, Mediziner, Pfleger und Krankenschwestern geimpft werden.

Die Zahl der Menschen, die sich mit Covid-19 anstecken, ist nach wie vor hoch. Von Mittwoch auf Donnerstag gab es in Frankfurt 160 Neuinfektionen. Insgesamt haben sich seit Ausbruch der Pandemie 17 423 Frankfurt mit Sars-CoV-2 infiziert. 253 Menschen sind an den Folgen der Lungenerkrankung gestorben. Immerhin: Die wichtige Sieben-Tage-Inzidenz, die Auskunft darüber gibt, wie viele Menschen je 100 000 Einwohner binnen einer Woche positiv getestet wurden, ist gesunken. Gestern lag der Wert bei 147, noch vor vier Wochen lag er bei 273.

"Hoffnung auf den Wendepunkt"

"Ein Etappensieg im Kampf gegen die Pandemie", nannte das Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). "Es ist aber klar, dass das noch lange nicht reicht." Noch bestimme das Virus unseren Alltag. "In 14 Tagen ist Weihnachten, auch da müssen wir verzichten, im kleinen Kreis feiern." Geliebte Menschen könnten nicht dabei sein, Großeltern müssen ihren Enkeln über den Laptop zu winken. "Die nächsten Monate werden uns viel abverlangen, aber die Impfungen geben uns Hoffnung auf den Wendepunkt", sagte das Stadtoberhaupt.

Die Stadtverordneten Ursula Busch (SPD) und Birgit Ross (Grüne) wiesen darauf hin, dass mit dem Thema Impfen transparent umgegangen werden muss. "Je mehr Transparenz, desto mehr Toleranz", sagte Busch.

Der Stadtverordnete Markus Fuchs (AfD) warnte vor einer "Impf-Euphorie". "Noch ist der Impfstoff nicht zugelassen und niemand kennt die Langzeitwirkung", sagte er.

Gesundheitsdezernent Majer hingegen appellierte an die Stadtverordneten, dass sie daran mitwirken sollen, die Akzeptanz von Impfungen in der Bevölkerung hoch zu halten. "Es wird jetzt noch nicht alles gut sein", sagte Majer. "Es kommt noch mal eine unglaublich schwere Zeit." Der Stadtrat riet, das kommende Jahr so zu planen, als wäre man gegen Covid-19 nicht geimpft und nicht immun. Soll heißen: Maske tragen, Abstand halten, Hände waschen und lüften haben auch 2021 noch Priorität.

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