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50 Jahre Finnische Gemeinde in Frankfurt: Die Sprache ist ein Teil ihrer Seele

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Von: Brigitte Degelmann

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Markus Miettinen (46), Vorsitzender des Gemeindevorstands, lebte bereits als Kind für einige Jahre in Frankfurt. 2012 kehrte er mit seiner Familie zurück an den Main. FOTO: leonhard hamerski
Markus Miettinen (46), Vorsitzender des Gemeindevorstands, lebte bereits als Kind für einige Jahre in Frankfurt. 2012 kehrte er mit seiner Familie zurück an den Main. FOTO: leonhard hamerski © Leonhard Hamerski

Zur Feier des halben Jahrhunderts gibt es in der evangelischen Dornbuschgemeinde ein finnisches Johannisfest.

Frankfurt -Mit dem Begriff "Juhannus" können vermutlich nicht allzu viele Deutsche etwas anfangen. Es sei denn, sie haben Verbindungen nach Finnland. Juhannus ist nämlich das finnische Mittsommerfest, das mit reichlich Essen und Trinken, Musik sowie Feuern zelebriert wird. Um das gebührend zu feiern, müssen sich Finnland-Enthusiasten nicht unbedingt in das Land zwischen Helsinki und dem Inarisee aufmachen. Sondern sie können einfach die evangelische Dornbuschgemeinde in Frankfurt ansteuern. Dort steht am Samstag, 25. Juni, ab 16 Uhr ein Juhannusjuhla, also ein finnisches Johannisfest, auf dem Programm. Und nicht nur das: Die Finnische Gemeinde Frankfurt feiert damit auch ihr 50-jähriges Bestehen.

Gründungsurkunde ist verschollen

Offiziell gegründet wurde sie vermutlich am 1. Mai 1972, sagt Markus Miettinen (46), Vorsitzender des Gemeindevorstands. So genau weiß man das jedoch nicht, denn eine Gründungsurkunde hat man bisher nicht gefunden. Den meisten Mitgliedern der Gemeinde dürfte das ohnehin egal sein. Viel wichtiger ist ihnen die Gemeinschaft untereinander - die Treffen, die gemeinsamen Unternehmungen, die Gespräche. Auf Finnisch, versteht sich. Denn, sagt der Gemeindevorstand, "die Sprache ist ein Teil der finnischen Seele".

Rund 1300 Mitglieder in Frankfurt

Das dürfte auch ein Grund dafür gewesen sein, dass sich mehrere in Frankfurt lebende Finnen Anfang der 1970er-Jahren zur Finnischen Gemeinde zusammenfanden. Ihr Wunsch: Gottesdienste in ihrer Muttersprache. Ähnliche Gemeinden hatten sich bereits in Köln und in Berlin gegründet. Sie setzten sich mit der lutherischen Kirche in Finnland in Verbindung, die schließlich einen Vertrag mit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) schloss. Demnach entsendet die finnische Kirchenverwaltung regelmäßig Pfarrerinnen und Pfarrer nach Deutschland, die von den jeweiligen evangelischen Landeskirchen eingestellt werden.

Inzwischen sei Frankfurt die drittälteste der 16 Finnischen Gemeinden in Deutschland - und mit gut 1300 Mitgliedern die größte, sagt Miettinen. Was auch damit zusammenhängen dürfte, dass sich ihr Gebiet über ganz Hessen sowie Teile von Rheinland-Pfalz erstreckt. Und damit, dass im Rhein-Main-Gebiet viele Finnen leben, die beispielsweise am Flughafen oder in der Europäischen Zentralbank arbeiten oder die hier studieren.

Telefonate und Flugtickets von Frankfurt in die Heimat waren teuer

Vor allem in den 1970er- und 1980er-Jahren sei die Gemeinde für sie von großer Bedeutung gewesen, berichtet der 46-Jährige. Schließlich seien die Verbindungen zur Heimat mit dem Verlassen des Landes damals oft drastisch abgebrochen. Denn Telefonate und Flugtickets waren teuer, Internet gab es ebenso wenig wie Skype. Markus Miettinen kennt das aus eigener Erfahrung. Von 1984 bis 1988 lebte er mit seinen Eltern im Rhein-Main-Gebiet: "Mein Vater war Pfarrer und hatte eine halbe Stelle als Pfarrer der finnischen Gemeinde in Frankfurt." Als die Familie nach Finnland zurückkehrte, besuchte Miettinen die deutsche Schule in Helsinki und studierte danach Informatik. Seit 2012 lebe er mit seiner Frau und den beiden Söhnen wieder in der Region - und engagiert sich in der Finnischen Gemeinde.

Angebote für alle Generationen

Bis heute bietet die Gemeinschaft in ihren Räumen bei der Dornbuschgemeinde Gottesdienste in finnischer Sprache an. Aber auch einige Gruppen sind im Laufe der Jahre entstanden. Etwa die 50+Gruppe, in der die Senioren zusammenkommen. Oder eine für Kinder im Vorschulalter. Familien kommen regelmäßig zusammen, um miteinander zu frühstücken. Zweimal im Monat hat außerdem die Gemeindebücherei geöffnet, in der hauptsächlich Bücher in finnischer Sprache zu finden sind. Nicht zu vergessen der finnische Weihnachtsmarkt am ersten Adventswochenende am Dornbusch, bei dem beispielsweise Flammlachs, Rentiersuppe und der finnische Glühwein Glögi angeboten werden. "Einmal im Monat machen wir auch einen Filmabend, bei dem wir finnische Filme schauen", sagt Markus Miettinen. "Und wir überlegen, vielleicht einen Mittagstisch für ältere Leute einzurichten, bei dem es einfache finnische Gerichte gibt, die sonst nicht zu bekommen sind." Lohikeitto zum Beispiel, eine Suppe mit Lachs, Kartoffeln, Karotten und Lauch. Oder Makaronilaatikko, ein Auflauf mit Makkaroni und Hackfleisch.

Finnisches Essen, das die Seele wärmt. Wie ein Gottesdienst in der Muttersprache.

Das Jubiläum

Ihr 50. Jubiläum feiert die Finnische Gemeinde Frankfurt mit einem Mittsommerfest am Samstag, 25. Juni, ab 16 Uhr im Garten der Dornbuschgemeinde, Carl-Goerdeler-Straße 1, bei dem jeder willkommen ist. Es wird gegrillt, es gibt Kuchen und finnische Sommergetränke. Neben einem Bücherflohmarkt wird auch ein Programm für Kinder angeboten. Die Band "Uusikuu" spielt finnische Tangos, Humppa, Walzer und Schlager. Schließlich soll noch ein kleines Johannisfeuer entzündet werden. An der Organisation wirken auch der Finnische Schulverein, die Finnisch-Deutsche Handelsgilde, die Deutsch-Finnische Gesellschaft in Hessen, Sisu-Radio sowie der finnische Honorarkonsul mit. Darüber hinaus ist am 3. Dezember ein Festgottesdienst mit Empfang geplant.

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