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Tausende Ukrainer demonstrieren in Frankfurt für den Frieden

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In Frankfurt demonstrieren 2500 Ukrainer gegen den Krieg Russlands gegen die Ukraine. Genau ein Jahr nach dem Beginn des Krieges ist die Trauer groß.

Frankfurt – Vanja (7) hat ein Bild gemalt, das sie an einem Stäbchen hält. Darauf sind eine wehende ukrainische Flagge und eine durchgestrichene russische Flagge mit einem Panzer zu sehen. Darunter ein Stiefel in Tarnfarben, der auf einen Kopf im Profil tritt. Aus Nase und Mund läuft Blut. „Run, Vanja, run“ steht darunter. „Lauf, Vanja, lauf“. Im Mai letzten Jahres ist das Mädchen mit ihrer Oma vor dem Krieg geflohen. Sie sind gerannt. Ihr Onkel (17) konnte im November fliehen. „Nach 100 Tagen im Keller. Voller Angst vor russischen Soldaten. Er spricht nicht mehr, er schläft immer noch nicht gut“, erzählt Vanjas Oma mit Tränen in den Augen. Wie bei so Vielen, die sich an der Alten Oper in Frankfurt treffen. „Ein Jahr unsinniger Krieg gegen Männer, Frauen, Kinder, Familien. Gegen Demokratie und Menschlichkeit“, klagt die Rednerin auf der Demo, zu der Perspektive Ukraine aufgerufen hat.

Eine als blau-gelber Friedensengel gekleidete Frau breitet vor der Alten Oper ihre Schwingen aus.
Eine als blau-gelber Friedensengel gekleidete Frau breitet vor der Alten Oper ihre Schwingen aus. © Rolf Oeser

Protest in Frankfurt gegen den Ukraine-Krieg: Hakenkreuze werden nicht geduldet

Auf Plakaten steht „Freiheit für die Ukraine“, „Stop Putin“, „Stop War!“, „Solidarität mit der Ukraine“. Ein Mann wird samt Plakat von der Polizei vom Platz geführt. Die Organisatoren haben es nicht geschafft, ihn dazu zu bringen, das Plakat wegzunehmen. „Nazi Scheißhaufen Putin. Vater unser, wenn du bist im Himmel, dann rotte diese Satansbestie aus!“ steht darauf, Hakenkreuze sind neben dem Konterfei von Putin zu sehen. „Wir wollen hier keine verfassungsfeindlichen Symbole“, hatten ihm die Demo-Teilnehmer gesagt. Michael Gahler (CDU) aus Hattersheim ist politischer Berichterstatter im Europaparlament und verspricht, dass „wir die Ukraine unterstützen. Mit allem, was wir haben und so lange es dauert“. „Danke, danke, danke Deutschland“, rufen die meist weiblichen Teilnehmer, die Blumenkränze im Haar und Kajal um die Augen in blau-gelb tragen, oder Sterne und Herzchen in Ukraine-Farben. Michael Rubin (FDP) vom Bündnis „Frankfurt for Ukraine“ ist selbst Belarusse. Er versichert, dass „alles gemacht wird, dass von Belarus aus kein Krieg gegen die Ukraine geführt wird“. Auch er erntet Applaus, bevor die 2 500 Menschen Richtung Römerberg loslaufen. Mit Plakaten und einem breiten Stoffband in Ukraine-Farben unter dem Kinder und Erwachsene durch die Straßen ziehen. „Russland killt Kinder“, rufen sie. „Stoppt den Genozid“, „Die Ukraine ist Europa“, „Waffen für die Ukraine“ und immer wieder „Slava Ukraini“, „Danke Frankfurt“, „Danke Deutschland“.

Manche Augen sind stumpf und leer, in anderen stehen Tränen, in manchen ist Hoffnung zu sehen, wenn die ukrainische Hymne oder das Lied „Chervona Kalina“, ein Song über die Beeren des roten Schneeballbaumes gesungen werden. Trotz Trauer, schlimmer Erfahrungen und vieler persönlicher Verluste sind die Leute freundlich. Lautstark, um ihre Stimme gegen den Irrsinn dieses Angriffskrieg aufmerksam zu machen, sanft im Umgang untereinander. Hände werden gehalten, wer weint, wird umarmt und getröstet. Jumas Medoff von der Kommunalen Ausländervertretung ist mit einer Ukrainerin verheiratet. „Es war ein schwieriges Jahr für uns alle. Dieser Krieg geht auch gegen die Demokratie und alle unsere Werte“, sagt er. „Wir müssen alle weiter fest zusammenhalten und uns gegenseitig unterstützen. Wir dürfen nicht das größte Land Europas sterben lassen“. Auf dem Römerberg knien die 2500 Menschen nieder. Zur Schweigeminute für die Opfer des Krieges. Das lange blau-gelbe Band umringt die Teilnehmer, bevor ein Flashmob beginnt. Die Menschen halten Papier in Blau, Gelb und Rot. „Deutschland und Ukraine zusammen“, rufen sie. Vanja hält weiter ihr Bild hoch. „Hier ist es schön, aber zu Hause sind meine Freunde. Ich wünsche mir, dass es wieder so wird, wie es war“, sagt sie leise. „Slava Ukraini!“ (Sabine Schramek)

Polizisten aus Frankfurt bringen Hilfe in die Ukraine: Sie wollen einen kleinen Beitrag für eine bessere Welt leisten – sechs Polizisten aus Frankfurt gehen dafür auf eine gefährliche Tour.

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