1. Startseite
  2. Frankfurt

Corona-Demo in Frankfurt: 5000 Querdenker ziehen durch die Straßen

Erstellt:

Von: Sabine Schramek

Kommentare

Einige wenige Gegendemonstranten zeigen auf ihrem Plakat, was sie von den vorbeiziehenden Querdenkern halten.
Einige wenige Gegendemonstranten zeigen auf ihrem Plakat, was sie von den vorbeiziehenden Querdenkern halten. © Renate Hoyer

Am Wochenende ziehen Tausende durch Frankfurt und demonstrieren gegen die Corona-Maßnahmen. Eine kleine Gegen-Demo formiert sich in der Innenstadt.

Frankfurt – Es läuft quer bei den Querdenkern: Aus Lautsprechern tönt wie stets Stunde um Stunde das Lied "Freiheit" von Marius Müller-Westernhagen. Mit keinem Wort wird am Samstag auf der Demo im Frankfurt erwähnt, dass der Sänger am Freitag auf Instagram ein Foto veröffentlicht hat, das ihn dabei zeigt, wie er geimpft wird. Mit dem Wort "Freiheit" daneben. Ein klares Statement des Musikers dazu, dass sein Hit auf Querdenker-Demos missbraucht wird. Die Hasstiraden gegen ihn laufen im Netz.

Dass bereits im Holzhausenpark vor Beginn der Demo an diverse Flaggen von der Polizei einkassiert werden, weil sie an verbotenen Metallstangen befestigt sind, wird ebenfalls still zur Kenntnis genommen. Etliche sogenannte Gadsden Flags, die von Rechten und Verschwörungsgläubigen in den USA als Symbol benutzt werden und beim Sturm aufs Kapitol vielfach wehten, sind zu sehen. Eine sich aufrichtende Klapperschlange zeigen sie, darunter die Worte "Liberty or Death" (Freiheit oder Tod) und "Don't tread on me" (Tritt nicht auf mich). 5000 Teilnehmer zählt die Polizei wieder in der Spitze. Die Veranstalter hatten auf 15 000 gesetzt. An dem Tag, an dem Frankfurt laut RKI eine 7-Tage-Inzidenz von 2326,6 hat, in der Woche, in der Querdenker keinen Tag Demo-Pause eingelegt haben.

Corona-Demo in Frankfurt: "Staat verschwinde - auch aus meiner Blutbahn"

Einmal mehr ist die Demo auch eine Art geistige Nabelschau: Auf einer Indien-Flagge ist das Konterfei von Mahatma Gandhi zu sehen. Über einer Palästina-Fahne prangt das Konterfei des Holocaust-Überlebenden, Investors und Philanthropen George Soros mit dem Kommentar: "Dieselben Leute, die glauben, dass die Erde überbevölkert ist, sagen, sie können dein Leben retten, mit einem Impfstoff." Es soll wohl andeuten, Soros sei verstrickt in die große Corona-Verschwörung. Die Deutschland-Flagge weht - mit und ohne Banane. Dazwischen eine umgedrehte Deutschlandflagge, wie sie Reichsbürger nutzen. Wimpel aus Malaysia, Flaggen aus Israel, Kroatien und Sachsen werden geschwungen. "Fresse-Freiheit" ist zu lesen, "Staat, verschwinde! Auch aus meiner Blutbahn! Keine Impfpflicht!", "Ich bin keine Laborratte". Frauen mit Haarreifen, aus denen Spritzen ragen, gehen "Freiheit" und "keine Diktatur" rufend neben Männern mit Aluhüten.

Die wenigen Gegendemonstranten am Eschenheimer Turm, die sich für Impfungen aussprechen, werfen Konfetti und werden von Querdenkern lauthals als "Nazis" beschimpft. Die Polizei stellt sich dazwischen, erinnert über Mikrofon unentwegt an Masken- und Abstandspflicht und Alkoholverbot. Immer wieder gibt es Platzverweise, Personalien werden aufgenommen, am Rathenauplatz wir ein Mann festgenommen.

Corona-Demo in Frankfurt: Marius Müller-Westernhagen beschimpft, sein Lied „Freiheit“ läuft trotzdem

Auf Telegram wird mitgeteilt, wo wie viele Polizeiwagen und die Reiterstaffel stehen, und dass man "wachsam" bleiben solle. Werbung für unterschiedlichste Telegramgruppen ist auf Bannern und Sweatshirts zu lesen. Auf diesen Kanälen wurde bereits vorab angekündigt, dass Teilnehmer im Holzhausenpark Fahnen für zehn Euro Pfand und Banner für 25 bis 40 Euro leihen oder behalten, auch kaufen können. Einige bitten um "Schenkungen", Spenden sind nicht erwünscht.

Geballte Hasstiraden bleiben zumindest in den öffentlichen Telegram-Kanälen seit Gründung der BKA-Taskforce gegen Hasskommentare weitgehend aus. Verschwunden sind sie nicht. Weder auf Demos, noch im Netz. In einem Kanal aus Frankfurt heißt es aktuell: "Nicht mal Putin hat es geschafft, Telegram in die Schranken zu weisen. Da wird es eine faschistische Faeser oder ein faschistischer Buschmann schaffen!" Die Querdenker-Kommentare zu Marius Müller-Westernhagens Impf-Foto mit dem Wort "Freiheit" lassen tief blicken. Während das Lied zum Eigennutz auf Demos weiterläuft, wird der Musiker dort als "Echsenmensch" tituliert, beleidigt und wüst beschimpft. (Sabine Schramek)

Auch interessant

Kommentare