Die Autoren und ihr Werk: Axel Hoffmann (links) und Matthias Thoma haben "59 Eintracht Orte" geschrieben
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Die Autoren und ihr Werk: Axel Hoffmann (links) und Matthias Thoma haben "59 Eintracht Orte" geschrieben

Geschichte der Eintracht Frankfurt

59 Eintracht-Orte erinnern an den großen Triumph

  • vonStefanie Wehr
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Die Diva, die Stadt und der Verein - Neues Buch folgt den Spuren der Kicker in Frankfurt

Das Eintracht-Museum im Waldstadion, pardon, in der Deutsche-Bank-Arena, war die meiste Zeit des Jahres 2020 geschlossen. Vom ersten Lockdown war es bis Anfang Juli zu, seit Anfang November sind die Pforten wieder dicht. Matthias Thoma, der Leiter des Museums, und Axel Hoffmann, der dort Führungen und Veranstaltungen moderiert, blicken ernüchtert aufs Jahr zurück. "Viele Veranstaltungen fielen aus, zuletzt die große Weihnachtsfeier des Fördervereins des Eintracht Frankfurt Museums, die üblicherweise am 23. Dezember die Fans und Freunde zusammenbringt", berichtet Thoma.

Das 5:3 gegen die Offenbacher

Aber zum weinenden Auge gesellt sich auch ein lachendes, denn die beiden haben die Zeit für ein Projekt genutzt: Sie haben 59 Eintracht-Orte in einem neuen Buch zusammengetragen, das kurz vor Weihnachten fertig wurde. "Mit der Zahl 59 kann jeder Eintracht-Fan etwas anfangen: Es bezieht sich auf das Jahr 1959, als die Eintracht Deutscher Fußballmeister wurde", erklärt Hoffmann. Und zwar mit einem 5:3-Sieg gegen Kickers Offenbach.

Wo dieser fulminante Sieg gefeiert wurde, geht aus dem Buch nicht direkt hervor, wohl aber die Orte, wo in späteren Jahren Eintracht-Siege - und wohl auch Niederlagen - begossen wurden. Etwa in Bubis Bahnhof. An der Kneipe kamen Fans früher bei jedem Spiel vorbei, denn sie befand sich direkt am Bahnhof "Sportfeld", der heutigen S-Bahn-Station Stadion. Der Flachbau steht heute nicht mehr, eingeschworene Fans wissen aber genau, wo er stand. Hans-Joachim "Bubi" Schweinhardt hatte die Kneipe in den 70er Jahren übernommen und mit seiner Frau Lilly bis 1994 betrieben. "Stars wie Uwe Seeler und Franz Beckenbauer lernten hier Frankfurter Gemütlichkeit kennen", heißt es im Buch, "auch Grabi (Jürgen Grabowski) war hier oft zu Gast".

Thoma und Hoffmann verstehen sich als die Archivare der Eintracht. Sie wissen, welche der Eintracht-Historiker sie fragen müssen, wer von den Spielern und Fans von früher noch lebt, und wer die Eintracht-Geschichten erzählen kann, die in zwanzig Jahren vergessen wären, würde man sie nicht aufschreiben und immer wieder in Erinnerung rufen. Zum Beispiel die Sportjournalisten Walter Mirwald und Harald Pieper. Oder Helmut Sonneberg, genannt Sonny, Holocaust-Überlebender und glühender Fan der Adlerträger. Er ist fast 90 und berichtet noch heute aus seinem bewegten Leben.

Denn nicht nur Lustiges und Glorreiches, auch Tragisches beinhaltet die Geschichte von Frankfurts größtem Fußballverein. Die Erinnerungsarbeit und Aufarbeitung der Nazizeit ist Thoma und Hoffmann wichtig, ihr ist ein großer Teil des Museums gewidmet, auch zusammen mit dem Fritz-Bauer-Institut. Die neue Reihe "Tradition zum Anfassen" hätte 2020 Gesprächspartner zum Thema auf die Veranstaltungsbühne gebracht.

Schon Stoltze war ein Fan

Die meisten bekannten Eintracht-Orte, die Axel Hoffmann bei seinen Stadtführungen ansteuert, liegen nah beieinander in der Innenstadt. Der Römer, sein Balkon oder die Geschäftsstelle in der Fichardstraße. Oder der Stoltze-Brunnen am neuen Hühnermarkt, denn ja, auch Friedrich Stoltze war Eintracht-Mitglied - genauer gesagt von einem der Vorgängervereine, der Turngemeinde von 1861. Und die Konsti: dort laufen jeden Tag Unwissende über die Pflastersteine und wissen gar nicht, dass sie auf den eingravierten Namen der Eintracht-Spieler herumtrampeln.

Hoffmann und Thoma mussten auch nicht lange überlegen, um bislang wenig als solche erachtete Eintracht-Orte in den Stadtteilen zu finden. Etwa die Hundswiese, der ersten Trainingswiese an der heutigen Eschersheimer Landstraße, die sich die Fußballspieler mit Spaziergängern und Kinderwagen teilen mussten. Die Zahnarztpraxis Kunter in der Löwengasse in Bornheim. Der Zahnarzt Peter Kunter war Tormann der Eintracht in den späten 60ern, als die Spieler noch nicht als Profis im Hauptberuf spielten.

Den Fans ist eine eigene Rubrik im Buch gewidmet. In Sachsenhausen etwa steht das Fanhaus Louisa am Schwarzsteinkautweg, von Fans liebevoll in einem zerfallenen alten Bahngebäude in 12 000 Arbeitsstunden hergerichtet. Lange hatten sie für eine Bleibe im öffentlichen Raum gekämpft. Seit 2005 finden dort Fan-Treffen und Filmvorführungen statt.

Das Buch "59 Eintracht-Orte" kann unter der E-Mail-Adresse museum@eintrachtfrankfurt.de bestellt werden.

Bubis Bahnhof war in den 80er Jahren die Anlaufstelle vor und nach Spielen der Eintracht.

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