Freuen sich über das neue Leben im neuen alten Waldstück: Wilfried Engler (rechts) von der Bahn und Revierförster Axel Saamer. FOTO: reuss
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Freuen sich über das neue Leben im neuen alten Waldstück: Wilfried Engler (rechts) von der Bahn und Revierförster Axel Saamer.

Frankfurter Stadtwald

66 000 Bäume wachsen auf der Bahntrasse

  • VonSabine Schramek
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Wiederaufforstung ist eine Erfolgsgeschichte - Mutterboden wurde nur verschoben - Freie Wege für das Wild

Bis 2019 fuhr die Bahn mitten durch den Schwanheimer Wald zum Flughafen. Dann wurde die neue S-Bahn-Strecke zwischen Stadion und Regionalbahnhof in Betrieb genommen und dort, wo einst Schienen, Schwellen und Schotter das Bild bestimmten, wachsen jetzt auf 52 608 Quadratmetern 66 000 Bäumchen an.

Platz für neues Leben

Auf hohen Holzmasten können Greifvögel nach Mäusen und anderem Kleingetier Ausschau halten, der schrille Ruf der Schwarzspechte durchdringt die Stille und jede Menge Abdrücke von Wildschweinen rund um die Zäune zeigen, dass das neue alte Waldstück an der Unterschweinstiege im Tierreich gut ankommt.

Gemeinsam haben die Deutsche Bahn und die Forstverwaltung seit 2019 die alten Bahntrassen entsorgt und dafür neues Leben geschaffen. "Sechseinhalb Jahre lang wurden die neue S-Bahn-Strecke gebaut, die alte abgetragen und 66 000 Bäume gepflanzt", sagt Wilfried Engler von der Deutschen Bahn erleichtert. Er leitet das Projekt. Dann blickt er gemeinsam mit dem Revierförster Axel Saamer über die endlos lang scheinende Fläche, auf der Unmengen waden- bis kniehohe Traubeneichen, Hain- und Rotbuchen ihr winziges Herbstlaub leuchten lassen.

Kiefern fielen einem Pilz zum Opfer

"Die Kiefer ist dem Frankfurter sei Bäumsche", sagt Saamer und grinst. Kiefern seien allerdings nicht heimisch, sondern wurden vor 200 Jahren in Nürnberg als künstliche Begrünung gepflanzt und kamen so nach Frankfurt. "Außerdem hat sich mit der Wärme gerade hier im Gebiet ein Pilz so stark vermehrt, dass 80 Prozent der Kiefern geschädigt sind." Dort, wo jetzt der junge Laubmischwald wächst, liegen 20 Meter Sand unter der Oberfläche. "Auch das Grundwasser liegt hier 20 Meter tief und nicht bei elf Metern wie in vielen anderen Gegenden", weiß der Mann, der seit 40 Jahren Förster ist. 2014 habe man eher auf Buchen und Linden gesetzt, wegen der heißen Jahre habe man sich für mehr Eichen entschieden. "Auch Esskastanien, die ursprünglich aus Rom kommen, können hier wachsen, aber Eichen bieten Hirschkäfern und anderen Insekten idealen Lebensraum."

Noch schützen Zäune rund um das Gebiet die Pflanzen, damit sie nicht von Rehen gefressen werden. Eichen können 500 bis 800 Jahre alt werden. "Aber erst müssen sie zwei bis drei Meter hochwachsen, damit es keine Fressschäden gibt", so Saamer. Zwischenräume für Wild gibt es in Form von Schneisen, durch die Damwild und Wildschweine jederzeit kreuzen können.

Als die ursprüngliche Bahnstrecke in den 1970er-Jahren gebaut wurde, sind 51 280 Quadratmeter Fläche abgeholzt worden. Jetzt wurden 52 608 Quadratmeter Fläche wieder renaturiert. Für den Boden der Neuanpflanzung wurde der Boden des Aushubs der neuen Bahnstrecke genutzt. Engler erzählt, dass der Boden auf Waldwegen zwischengelagert wurde. "Im Prinzip ist der gesamte Mutterboden nur einen Kilometer nach Westen geschoben worden."

Engler und seine Mitarbeiter sind sichtlich stolz auf das alte neue Waldstück im europäischen Natur- und Landschaftsschutzgebiet.

Auch wenn sie selbst nicht händisch die Bäumchen mit gepflanzt haben. "Das hat eine Firma gemacht. Es ist wichtig, dass alles fachgerecht gemacht wird und keine Pflanze Schaden nimmt", sagt Engler mitten auf einem Waldweg, auf dem früher eine Bahnbrücke stand.

Für eine Wende noch zu wenig

"Jetzt kann man hier spazieren gehen und auch das Wild kann sich frei bewegen. Er blickt in den alten Wald, der nahtlos in die neue Anpflanzung übergeht. "Bäume sehen schon schöner aus als Gleise", sagt er. "Die Verkehrswende kriegen wir im Wald allerdings nicht hin."

Saamer schmunzelt und freut sich darüber, dass die einst zerschnittenen Flurstücke jetzt wieder zusammenwachsen. Dreieinhalb Kilometer lang ist die neue Waldfläche, durch die früher Züge gerattert sind.

"Wölfe werden wir dennoch hier nicht zu sehen kriegen", sagt er überzeugt. "Dafür aber jede Menge Zauneidechsen, Insekten und andere Tiere." Zwischen der A 5 und Kelsterbach gibt es eine Trennung. "Bisher hat es noch kein Wildschwein nach Frankfurt geschafft. Das verhindert das Frankfurter Kreuz", sagt er und fügt hinzu: "Und der letzte Wolf ist in Offenbach hängen geblieben." Sabine Schramek

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