Die Autobahn 661 nahe am Hufeland-Haus: Trotz Schallschutzwänden wird der Verkehrslärm Grenzwerte überschreiten.
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Die Autobahn 661 nahe am Hufeland-Haus: Trotz Schallschutzwänden wird der Verkehrslärm Grenzwerte überschreiten.

Riederwald/Seckbach: Verkehr

A 661: Initiative zweifelt Gutachten an

  • vonFriedrich Reinhardt
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Pläne liegen noch bis heute aus. Einwände bis Anfang Februar.

Drei Kritikpunkte bringen die Bürgerinitiative Riederwald (BI) mit Blick auf den geplanten Ausbau der Autobahn 661 zu der Ansicht, Anwohner spielten für die Verkehrsplaner keine Rolle. "Es geht nur darum, mit billigstem Schutzmaßnahmen den gesetzlichen Anschein zu wahren", sagt BI-Sprecher Rainer Frey. Die Feinstaub- und Stickstoffbelastung im Riederwald würden Grenzwerte überschreiten. Die Lärmbelastung werde in vielen Wohnungen massiv steigen und die Kontrolle des Autobahnausbaus durch Politik und Bürgerschaft sei mangelhaft. Welche Folgen hat der Ausbau also für Riederwald und Seckbach?

Die Luftverschmutzung

In der lufthygienischen Untersuchung des Büros Tractebel Engineering heißt es: "Die Ergebnisse zeigen, dass bei der Baumaßnahme A661 Ostumgehung keine Überschreitungen von Grenzwerten auftreten werden." Die Feinstaubbelastung werde sich verringern, die Stickstoffbelastung würde zwar steigen, bliebe aber unterhalb des rechtlich Erlaubten.

Mit zwei Argumenten übt die BI dennoch Kritik. Zum einen würden in Spitzenzeiten Grenzwerte stundenweise überschritten, wenn auch das Gutachten weniger Überschreitungen prognostiziert, als erlaubt.

Zum anderen zieht die BI die Berechnungsgrundlage der Prognose in Zweifel. Um ermitteln zu können, ob Grenzwerte überschritten werden, wird von einem allgemeinen Belastungsniveau der Luft ausgegangen. Darauf wird die Belastung durch den zukünftigen Verkehr addiert. Das Gutachten nimmt für das allgemeine Niveau Daten der Messstation der Hanauer Landstraße. Hier setzt die Kritik an. Die Hanauer Landstraße sei nicht so belastet wie die Straße Am Erlenbruch. Da seien die Grenzwerte bereits jetzt oft überschritten. "Damit wären die Rechnungen des Landes für den Riederwald hinfällig", argumentiert BI-Sprecher Frey. Dem widerspricht Philipp Wolfrum, beim Frankfurter Umweltamt zuständig für Lufthygiene. Würde man die Schadstoffbelastung am Erlenbruch als Hintergrundniveau setzen, würden Autoabgase doppelt eingerechnet: die gemessenen von heute plus die prognostizierten von 2030. Wolfrum hält die Untersuchung für methodisch okay. Auch, weil sie berücksichtigt, dass 2030 mehr Elektro- und sauberere Dieselautos unterwegs sein werden.

Die Lärmbelastung

Mit dem Bau der Ostumgehung und des Riederwaldtunnels wird es voraussichtlich im Jahr 2030 in Seckbach an 65 Wohnungen nachts lauter sein als zulässig und an fünf Orten am Tag und in der Nacht. Im Riederwald sind 148Wohnungen in der Nacht betroffen und 18 am Tag und in der Nacht. Betroffen ist praktisch der komplette Theodor-Haubach-Weg, große Teile des Johanna-Tesch-Platzes und Teile der Straße Am Erlenbruch. In Seckbach der westliche Teil der Melsunger Straße, Teile der Heinz-Herbert-Karry-Straße und Wilhelmshöher Straße. Wenn Steffen Rütenfrans, Sprecher von Hessen Mobil, darüber spricht, klingt es wie eine positive Entwicklung. Denn: Ohne den Ausbau der A661 würden keine Lärmschutzwände gebaut, und wären 2030 mehr Wohnungen von den Grenzwertüberschreitungen betroffen (93 in Seckbach, 291 im Riederwald).

Die BI dagegen fordert, "jetzt allen Anwohnern den Lärmschutz zu bringen, der ihnen zusteht". Hessen Mobil verweist darauf, dass die betroffenen Haushalte Anspruch auf passiven Lärmschutz (also Lärmschutzfenster) haben. Die Frage, ob hingenommen wird, dass ganze Straßenzüge verlärmen, ließ die Behörde unbeantwortet.

Fehlende Beteiligung

Bis zum 22. Dezember sind die Unterlagen zum Ausbau der A661 ausgelegt, bis 5. Februar können Politik und Bürger Einwände erheben. Kritik übt die BI daran, dass die Pläne von Fachleuten nicht vorgestellt werden. Schließlich seien die Gutachten keine leichte Lektüre, nicht jeder habe die Möglichkeiten, sie durchzuarbeiten, sagt Frey. Außerdem könne durch die Weihnachtspause die Stadtpolitik die Pläne nicht ordentlich diskutieren. Der Ortsbeirat 11 (Fechenheim, Riederwald, Seckbach) tagt erst am 25. Januar. Zu spät, als dass die Fragen oder Anträge des Stadtteilgremiums im Verkehrsausschuss diskutiert werden könnten. Der kommt dann erst am 23. Februar zusammen, also nach Ende der Frist, die für Einwendungen gesetzt wurde. Friedrich Reinhardt

Blick auf die Pläne

Die Unterlagen zum Ausbau der A661 kann man auch auf der Webseite des Regierungspräsidiums Darmstadt einsehen. Oder Sie googeln "BAB 661 Planänderung Ostumgehung Frankfurt am Main"

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