Thomas Link sorgt dafür, dass die Kommunalwahl reibungslos vonstatten geht - wenn es sein muss, indem er Kartons faltet.
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Thomas Link sorgt dafür, dass die Kommunalwahl reibungslos vonstatten geht - wenn es sein muss, indem er Kartons faltet.

Kommunalwahl

752 Tonnen Demokratie sind für Frankfurt nicht genug

  • vonSarah Bernhard
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Der logistische Aufwand für die Kommunalwahl am 14. März ist enorm. Die Corona-Pandemie und Neuerungen erhöhen ihn diesmal in Frankfurt zusätzlich.

Frankfurt. -Anfang November hat Thomas Link, der fürs Statistikamt Grafiken erstellt, seinen PC ausgeschaltet und seinen Arbeitsplatz in ein Gebäude im Frankfurter Osten verlegt. Computer gibt es dort nicht, dafür rund 1400 Tonnen, auf denen statt "Keine heiße Asche einfüllen" "Wahlamt Stadt Frankfurt" steht. Sobald eine Wahl ansteht, wird aus dem Grafiker der Herr über die reibungslose Wahldurchführung.

Als Link das Gebäude betrat, hatte sein Chef, Wahlamtsleiter Oliver Becker, bereits ein halbes Jahr Planung hinter sich. Gemeinsam mit Dezernent Jan Schneider (CDU) hatte er zum Beispiel beschlossen, eine Art Drive-In-Wahllokal einzurichten, aus dem aus organisatorischen Gründen ein Drive-By-Lokal wurde: Seit Montag gibt es vor dem Gebäude in der Langen Straße 25-27 Kurzzeitparkplätze, an einem Schalter kann man seine vorbestellten Briefwahlunterlagen kontaktlos abholen und entweder im Auto oder zu Hause wählen.

Alle 376 Wahllokale auf Belüftung geprüft

Außerdem haben Beckers Mitarbeiter alle 376 Wahllokale daraufhin untersucht, ob die Abstandsregeln eingehalten werden können, und ob die Belüftung ausreicht. Manche Gebäude mehrmals, weil sich mit dem Virus die Vorschriften geändert hatten. Zwei zusätzliche Mitarbeiter wurden eingestellt, einer davon kümmert sich seitdem ausschließlich um die coronaspezifische Abstimmung mit Land und Bund.

Im Frankfurter Osten hat Link an einem überlangen Arbeitstag gemeinsam mit der FES die zu Sechserstapeln geschichteten Tonnen entstapelt, sortiert und richtig aufgestellt. Erst nach Wahlbezirk, dann nach Wahllokal. Jetzt stehen sie da, 752 schwarze Urnen, Griff an Griff in langen Reihen, nur durch einen schmalen Gang getrennt. "Die Idee, sie so anzuordnen, kam mir, als ich eine Dokumentation über New Yorks Straßen gesehen habe", sagt Link.

Drei Wahlen, drei Tonnen, drei Aufkleber

Jede Urne braucht drei Aufkleber mit der Wahllokal-Nummer: innen, damit Link und seine elf Mitarbeiter später die richtigen Wahlzettel hineinlegen, auf der Tonne, damit der Spediteur schnell sieht, welche Urne wohin muss, und vorne, für die Menschen im Wahllokal; weiße für die Stadtverordnetenversammlung, gelbe für die Ortsbeiräte, grüne für die Kommunale Ausländervertretung (KAV). Überhaupt, die KAV. Link seufzt. Bisher war deren Wahl von der Kommunalwahl unabhängig. Weil die KAV sichtbarer werden soll, hat das Land Hessen die Termine nun zusammengelegt. Eine dritte Tonne pro Wahllokal? "Das war vom Platz her einfach nicht drin", sagt Link. Also hat er kurzerhand die kleinen viereckigen Urnen, in denen bisher der Bundestag gewählt wurde, zu KAV-Urnen umfunktioniert. Weitere 376 Urnen, die beklebt und in die Tonnen gestellt werden mussten.

Mehr Sicherheit für die Wahlurnen

Und noch etwas ist neu: Nach der Wahl werden die Urnen nicht mehr versiegelt, sondern mit einem Schloss versperrt. "Damit sichergestellt ist, dass niemand an die Stimmzettel kommt, wenn eine Urne mal umfällt", sagt Link. Er musste also einen Schlosser auftreiben, der sich eine Schablone ausdenkt und produziert. Knapp einen Tag dauerte es, die 376 Ösen an die 376 Tonnen zu schrauben. Die dann mit Plastikstaub verschmutzt waren. "Das geht nicht. Wie sähe das aus, wenn da jemand am Wahltag ein weißes Hemd anhätte und ganz schmutzig wäre?!" Also wurden 376 Wahlurnen ausgeputzt.

Und dann grassiert ja auch noch Corona. Also falteten Link und sein Team 376 "Corona-Boxen", in die sie Masken, Desinfektionsmittel und Klebeband für die Ein- und Ausgangspfeile legten. Rund 33 Kilometer Band werden am 14. März auf Frankfurts Wahllokal-Böden kleben.

30 Europaletten voller Stimmzettel

Fehlen noch die Stimmzettel selbst, 30 Europaletten brauchen allein die der Stadtverordnetenversammlung. Jeder Zettel misst 125 auf 60 Zentimeter, etwas weniger als 2016, weil erstmals mehrere Listen untereinander stehen dürfen. Sind sie in den Tonnen, müssen diese im Lastenaufzug nach unten gefahren, auf Sprinter geladen und schließlich verteilt werden, genauso wie die 170 Briefwahlbezirks-Urnen, die zwei Stockwerke tiefer gelagert werden. Thomas Link, seit 14 Jahren Herr über die reibungslose Wahldurchführung, bleibt selbst bei dieser Vorstellung völlig entspannt. "Man gewöhnt sich daran", sagt er. "Und es ist ja notwendig."

So funktioniert die Briefwahl

Briefwahl ist in diesem Jahr so einfach wie nie. Entweder:

- über www.frankfurt.de/wahlen einen Online-Antrag stellen, oder:

- QR-Code auf den Plakaten überall im Stadtgebiet scannen, oder:

- ausgefüllte Wahlbenachrichtigung oder formlosen Antrag unter Angabe von Familienname, Vornamen, vollständiger Anschrift und Geburtsdatum per Post (Lange Straße 25-27, 60311 Frankfurt), Fax (0 69/21 29 74 44 17) oder E-Mail (briefwahl@stadt-frankfurt.de ) ans Wahlamt schicken.

In allen drei Fällen kommen die Unterlagen per Post. Oder:

- Wahlbenachrichtigung oder formlosen Antrag plus Telefonnummer oder E-Mail-Adresse auf eine der oben genannten Weisen schicken, dabei angeben, dass die Unterlagen abgeholt werden, auf Abholbenachrichtigung warten und Unterlagen am Fenster des Wahlamts abholen (Öffnungszeiten: Mo: 9 - 17 Uhr, Di und Fr: 7.30 - 13 Uhr, Mi: 7:30 - 15 Uhr, Do: 10 - 18 Uhr); vor dem Gebäude gibt es Kurzzeitparkplätze, oder:

- über die Homepage der Stadt oder unter Telefon 0 69/2 12 4 04 00 einen Termin zur persönlichen Abholung in den Briefwahllokalen Höchst (Dalbergstraße 14) oder Innenstadt ausmachen (beim Termin medizinische Maske tragen und Ausweis mitbringen) und dort oder zu Hause wählen.

12 000 Frankfurter, etwa zwei Prozent der Wahlberechtigten, haben in den ersten drei möglichen Tagen Briefwahl beantragt. Da Briefwähler deutlich häufiger kumulieren und panaschieren als jene an der Urne, und die Auszählung dieser Stimmen mehrere Tage dauern wird, wird das vorläufige Endergebnis am Wahlsonntagabend wohl weniger valide sein als bisher.

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