In diesen Bereichen soll die A661 in Frankfurt „eingehaust“ werden.
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In diesen Bereichen soll die A661 in Frankfurt „eingehaust“ werden.

Stadtplanung

A661 in Frankfurt: Deckel und Park drauf, Lärm und Verkehr weg

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
    vonDennis Pfeiffer-Goldmann
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Das Anhörungsverfahren für den Vollausbau der A661 in Frankfurt läuft. Nicht nur für den Lärmschutz wird gesorgt, auch die Friedberger Landstraße wird stark entlastet.

Frankfurt – Lärmschutzwände an der A661 im Frankfurter Osten soll es nicht geben - sondern gleich einen ganzen Deckel über die Autobahn. Obwohl derzeit das Genehmigungsverfahren für die Wände läuft, bleibt die Stadt bei ihrem Ziel, deutlich besseren Lärmschutz für die Nachbarn in Bornheim und Seckbach zu bauen. Entlastung ist aber noch für viel mehr Menschen in Sicht.

Frankfurt: A661 wurde erst nur zur Hälfte gebaut

25 Jahre ist es her, dass die Osttangente in Betrieb ging. Zwischen den Anschlussstellen Friedberger Landstraße und Frankfurt-Ost wurde aber nur die Hälfte der Autobahn gebaut - die Richtungsfahrbahn gen Norden. Seitdem fließt hier der Verkehr vierspurig verengt, ohne Standstreifen. Das genügt spätestens nicht mehr, wenn die A66 durch den im Bau befindlichen Riederwaldtunnel am Ende des Jahrzehnts am Dreieck Erlenbruch auf die A661 trifft.

Deshalb will der Bund auch die A661 fertigbauen. Sie wird dann durchgehend vier Haupt-Fahrspuren haben plus zusätzlich Auffahrt- und Abfahrtspuren, die ineinander übergehen. Das ist auf der A661 bereits Standard, weil viele Anschlussstellen dicht aufeinanderfolgen. Im Maximum ist die Autobahn daher heute schon bis zu acht Spuren breit: Zwischen Preungesheimer Dreieck und Friedberger Landstraße.

Ausbau der A661 bei Frankfurt: Autos aus Stadt herauslocken

Der Vollausbau sieht nun neu eine solche durchgehende Ein- und Ausfädelspur auch zwischen Friedberger Landstraße und Frankfurt-Ost vor. Zudem wird von der Friedberger Landstraße aus Richtung Stadtmitte eine neue Auffahrtrampe zur A661 Richtung Offenbach gebaut. Das entlastet oben die Kreuzung.

Nicht nur: Diese Zusatzspur erhöht die Kapazität der Autobahn so, dass Durchgangsverkehr aus den benachbarten Stadtteilen herausgelockt wird. Bisher ist es anders herum: Mit 96 000 Fahrzeugen am Tag liege die Belastung der A661 über der Kapazität, heißt es in der Verkehrsuntersuchung. Das merken Pendler und Anwohner an den vielen Staus - nicht nur auf der A661, sondern auch auf der Friedberger Landstraße und in Bornheim. Ohne Ausbau stiege die Zahl bis 2030 auf 100 000 Fahrzeuge - womit es auch auf den Stadtstraßen wohl noch voller würde. Wird die A661 fertig ausgebaut, rollen auf ihr knapp 124 000 Fahrzeuge - darunter viele, die bisher durch die Stadt fahren. Auf der Friedberger Landstraße erwarten die Fachleute 20 Prozent weniger Verkehr.

Weil der Verflechtungsstreifen zwischen Friedberger Landstraße und Dreieck Erlenbruch länger wird als schon genehmigt, muss der Bund beim Lärmschutz nachbessern. Auch dafür ist das aktuelle Genehmigungsverfahren nötig, zu dem das Land bis 22. Dezember eine Anhörung macht.

Lärmschutz: A661 in Frankfurt soll „eingedeckelt“ werden

Gebaut werden sollen Lärmschutzwände aber nie. "Wir planen weiter die Einhausung", erklärt Marcus Gwechenberger, Referent von Planungsdezernent Mike Josef (SPD). "Damit sind die Lärmschutzwände nicht notwendig." Für 258 Millionen Euro will die Stadt die A661 zwischen Friedberger Landstraße und Seckbacher Galerie auf 1100 Metern Länge überdeckeln. So soll nicht nur Lärmschutz entstehen, sondern auf dem Deckel Platz für einen 80 Hektar großen Park im Herzen des neuen Ernst-May-Viertels. 3000 Menschen sollen in dessen Wohngebieten einmal leben.

Warum aber wird der Deckel nicht gleich mitgeplant? Die Projekte Ausbau und Einhausung seien sehr unterschiedlich weit gediehen, sagt Wolfgang Harms, Sprecher von Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). So hat die Planung für den Deckel erst vor einem Dreivierteljahr begonnen, seine Genehmigung werde in drei bis vier Jahren fertig sein, sagt Marcus Gwechenberger. Autobahnausbau und Deckel würden dann zusammengeführt. Das hatten Land und Stadt 2019 auch so schon vereinbart. "Die derzeit laufende Anhörung entspricht dieser Absprache und steht der späteren Einhausung der A661 selbstverständlich nicht entgegen", betont Wolfgang Harms.

Ziel sei es, Deckel und ausgebaute Autobahn zeitgleich und zusammen mit dem Riederwaldtunnel in Betrieb zu nehmen, ergänzt der Sprecher von Mike Josef. "Bis Ende des Jahrzehnts." Was der Stadt besonders wichtig ist: Das aktuelle Verfahren beinhalte "die Rückabwicklung" für den Bau der Alleenspange mitten durch die Kleingärten hindurch und des Autobahndreiecks Seckbach. Für beides gibt es seit 1980 Baurecht - zusammen mit dem 2,8 Kilometer langen Alleentunnel der A66 mitten durch die Stadt. Diese Pläne hatten die Stadt 2005 und das Land 2013 beerdigt. (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

Planung im Internet

Unterlagen zum A661 unter www.uvp-verbund.de, dort Suche nach "Ostumgehung".

Kommentar: Große Chance auf Entlastung, Ruhe und Grün

„Kaum ein Autobahn-Bauprojekt ist so wichtig wie der Endausbau der A661 im Osten Frankfurts. Die bisher nur halbe Autobahn ist eng, unfallträchtig, gefährlich. Quälende Staus sind an der Tagesordnung. Der Ausweichverkehr verstopft Bornheim, Nord- und Ostend, Bergen-Enkheim und Bad Vilbel. Der Vollausbau löst das. Die derzeitige Extra-Genehmigungsrunde sichert den Nachbarn bereits deutlich besseren Lärmschutz zu als jene Lösung, die schon seit Jahrzehnten Baurecht hat. Und noch viel besser soll es ja mit dem begrünten Deckel werden. Viele Bornheimer und Seckbacher werden dann gar nichts mehr von der A661 hören. Dieses Hunderte Millionen Euro teure Zugeständnis der Stadt ist auch eine Folge der Proteste aus dem Nordend - und ein Sieg der Bürgerinitiativen! Wichtig ist nun aber, dass die Gegner umschalten von Fundamental-Opposition auf konstruktive Begleitung. Damit sie nicht am Ende ausgerechnet Ruhe und Grün verhindern.“ (Dennis Pfeifer-Goldmann)

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