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Ab in den Keller: Schlangen bauchen neues Domizil

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Von: Friedrich Reinhardt

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Kaum als Büro erkennbar: Im Tierheim ist die Platznot so groß, dass auch im Büro der Leiterin Sabine Urbainsky, elf Aquarien und zwölf Terrarien untergebracht wurden. Jetzt gibt der Ortsbeirat 23 000 Euro für den Umbau. FOTO: Hamerski
Kaum als Büro erkennbar: Im Tierheim ist die Platznot so groß, dass auch im Büro der Leiterin Sabine Urbainsky, elf Aquarien und zwölf Terrarien untergebracht wurden. Jetzt gibt der Ortsbeirat 23 000 Euro für den Umbau. © Leonhard Hamerski

Im Stadtteil daheim, für ganz Frankfurt zuständig

Nach langer Diskussion fiel die Entscheidung. Der Ortsbeirat 11 (Fechenheim, Riederwald, Seckbach) wird das Tierheim mit 23 000 Euro dabei unterstützen, neue Reptilienräume einzurichten. Allen Fraktionen war klar: Dem in Not geratene Tierheim soll geholfen werden. Nur wie hoch wäre ein angemessener Betrag? Die Frage führte die Parlamentarier tief in Widersprüche aus Verantwortlichkeiten, politischer Alltagsrealität und der moralischen Pflicht, die aus dem Tierwohl für ein politisches Gremium erwächst.

Neues Dach auf dem Haupthaus

Im Tierheim mussten das Dach des Haupthauses mit den Büros, dem Hundebad und den Reptilienräumen erneuert werden. Ebenso beim Haus, in dem die Katzen-Quarantäne untergebracht ist. Nun soll ein Keller ausgebaut werden, damit dort Reptilien untergebracht werden können. Deren Zahl ist in den vergangenen Jahren gestiegen, so wie die Zahl der Tiere in Frankfurt generell. Gewachsen ist aber nicht die Fläche des Tierheims und auch nicht die finanzielle Ausstattung, die die Stadt dem Verein dafür zahlt, dass er ihre Pflicht erfüllt.

Jedes Jahr müsse das Tierheim rund zwei Millionen Euro für Personal, Energiekosten und Futter aufbringen, sagt der Vorsitzende Michael Hallstein. Von der Stadt erhalte man rund 225 000 Euro. Der Rest finanziert sich aus Spenden, Erbschaften und aus Gebühren für vermittelte Tiere. "Wir nehmen mal 250, mal 300 Euro für einen Hund, manchmal nur einen Euro, wenn ein Tier so alt ist, dass wir froh sind, dass jemand es auf seine letzten Jahre zu sich nimmt." Für die Sanierung fehle dem Verein daher das Geld.

Rund 46 000 Euro würde der Umbau des Kellers in Reptilienräume kosten, hatte Hallstein vorgerechnet. Rund 16 000 Euro umfasst das Ortsbeirats-Budget jährlich für Verschönerungsarbeiten und um Vereine zu unterstützen. Das entspricht 50 Cent pro im Ortsbezirk gemeldetem Einwohner. Der Ortsbeirat war sparsam. Über Jahre hat er 35 000 Euro angesammelt, die ihm jetzt im Investitionsbudget zur Verfügung stehen.

Mit 30 000 Euro wollte die Linke, die CDU , FDP und die BFF das Tierheim unterstützen. "Ein Betrag, für den es sich lohnt, die Handwerker zu rufen", sagte Fraktionschef der Linken, Stefan Klee. Die SPD und Grünen hätte den Betrag gern niedriger angesetzt. 10 000 Euro nannte Grünen-Fraktionschefin Sandra Neubauer.

"Es ist gut, dass sich der Verein um die Tiere kümmert. Aber es ist die Aufgabe der Stadt, ihn dabei zu unterstützen", sagte Stefan Helming (SPD). Das Problem: Das Tierheim sitzt zwar an der Ferdinand-Porsche-Straße. Der Tierschutzverein übernimmt die Aufgabe, ausgesetzte Tiere aufzunehmen und zu vermitteln, aber für die ganze Stadt.

Verantwortung für die Vereine

So argumentierten SPD und Grünen, dass das Budget des Ortsbeirats für die Vereine und Aktiven in Fechenheim, im Riederwald und in Seckbach da sei. Gebe man nun einen großen Teil des Ersparten für das Tierheim aus, hätten die Vereine im Ortsbezirk das Nachsehen. "Wir können Mittel nachschießen, wenn sonst keine Anfragen aus den Stadtteilen auf uns zukommen", sagte Neubauer.

Die Grüne und SPD pochten damit auf die Verantwortung, die der Ortsbeirat gegenüber den Bewohnern in seinen Stadtteilen hat. Und auf die Verantwortung der Stadt. CDU und Linke verwiesen dagegen auf politische Realitäten. "Es geht um den Bestand des Tierheims, da wird die Stadt nichts investieren", sagte Wiewiorra. "Und wer weiß wie lange uns das Geld noch zur Verfügung steht." Klee meinte: "Jeder, der die Budgetverhandlungen in der Stadt verfolgt, weiß, im nächsten Haushalt wird es Kürzungen geben. Wir werden bei der Stadt nicht mehr Geld für das Tierheim erwirken können."

Detlef Stange (FDP) löste den Konflikt mit Tradition und Goldener Mitte. Oft sei der Ortsbeirat gut damit gefahren, 50 Prozent des beantragten Betrags zu übernehmen. 46 000 Euro halbiert ergibt 23 000 Euro, etwa die Mitte aus den beiden Vorschlägen. Darauf einigten sich die Fraktionen.

Zudem sollten die anderen 15 Frankfurter Ortsbeiräte angesprochen werden, dem Tierheim zu helfen. "Da gehen wir mit gutem Beispiel voran", sagte Wiewiorra. Einstimmig wurde auch der Antrag der Grünen angenommen. Er fordert die Stadt auf, ihrer Verantwortung für das Tierheim gerecht zu werden. Friedrich Reinhardt

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