TSG-Vorsitzender Christoph Kratzer (hellblaue Jacke) erklärt Sportdezernent Frank und Ortsbeiräten den Stand der Planung. Foto: Rüffer
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TSG-Vorsitzender Christoph Kratzer (hellblaue Jacke) erklärt Sportdezernent Frank und Ortsbeiräten den Stand der Planung.

Nieder-Erlenbach: Sportangebot

Ab Mai wird die Doppelkatze gesprungen

  • vonFriedrich Reinhardt
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Junge Leute realisieren Frankfurts erste Parkour-Anlage

Wer nicht Teil der Parkour-Szene ist, wird bis Mai warten müssen, bis das Wirrwarr an grauen Mauern und Platten auf der Sportanlage Am Riedsteg Sinn ergibt. Willkürlich sind sie nicht angeordnet, erklären Julian Weber (17), Finn Deutsch (18) und Julius Kiesau (18) von der TSG 1888 Nieder-Erlenbach. Die Jungs hatten die Idee für die Anlage, haben mit geplant, sich in 3D-Programme reingefuchst, mit den Architekten und Ämtern über Details verhandelt. Von Beginn an hatten sie die Bewegungsabläufe im Kopf, die die Anordnung der Wände ermöglichen sollen.

Etwa die zwei mal drei Meter große Betonplatte auf Bauchnabelhöhe. Kiesau sieht sich da schon "eine Doppelkatze" üben. Das heißt: Anlauf nehmen, mit den Händen auf die Platte springen und die Beine dabei nach oben ziehen, so, dass der Körper senkrecht wie ein Brett über die Platte fliegt, sich mit den Händen abstoßen und noch einmal abstoßen und hinter der Platte wieder auf den Füßen landen. Oder das "Striden" (wie s-treiden gesprochen): Mit langen Schritten von Mauer zu Mauer rennen und jeweils nur mit einem Fuß auf eine Mauer treten. Um solche Bewegungsarten geht es ihnen und um ein bisschen mehr.

Mehr Freizeitkultur als bloß eine Sportart

Parkour ist nicht nur eine Sportart, ähnlich wie Skaten ist es auch ein Lebensstil oder Freizeitkultur. Zur Parkour-Anlage werden die Jugendlichen und jungen Erwachsenen nicht nur kommen, um ein oder zwei Stunden zu trainieren, um dann wieder nach Hause zu gehen. Man trifft sich auf der Anlage, hängt mit Freunden ab, übt nebenbei und verbringt den ganzen Tag oder Abend zusammen. Deshalb wird es an der unverschlossenen Anlage auch eine Grillhütte, eine Flutlicht- und eine Musikanlage geben. Anwohner, die von Lärm gestört fühlen könnten, gibt es da draußen am Riedsteg nicht.

Als das Projekt am Montag vom Sportdezernenten Markus Frank (CDU) vorgestellt wurde, äußerte Ingeborg Leineweber (BFF) aus dem Ortsbeirat 13 (Nieder-Erlenbach) Sorgen, die Anlage könne von Jugendgruppen okkupiert werden und letztlich vermüllen. "Nein", sagte Finn Deutsch. "In der Parkour-Szene gibt es Goldene Regeln. Dass man auf andere achtet, nur die Übungen wagt, die man sich zutraut, und eine Regel ist eben auch, dass man keinen Müll liegen lässt."

Entdeckungstour durch die Institutionen

2019 hatten sich die Jugendlichen mit der TSG und ihrer Idee für die Anlage an den Ortsbeirat gewandt. Ein Jahr später begann schon der Bau. Für die Jungs war es auch eine Entdeckungstour durch die städtischen Institutionen. Sie seien überrascht gewesen, wie viele Bauvorschriften zu berücksichtigen und wie viele Ämter bei so einem Projekt involviert sind, erzählen die Jungs. Aber auch, wie viel sie selbst mitgestalten konnten, wie kooperativ die Ämter waren und wie schnell die Anlage letztlich realisiert wurde.

Zum Vergleich: Bei der Vorstellung kam das Thema auch auf die Turnhalle, die Nieder-Erlenbach 1972 bei der Eingemeindung zugesagt wurde (siehe Text unten). Die Arbeit an der Planung habe dazu noch nicht begonnen, sagte Sportdezernent Frank. "Es gibt aber inzwischen ein Grundstück im Neubaugebiet am Riedsteg", fügte Ortsvorsteher Yannick Schwander (CDU) hinzu.

Mit 250 000 Euro hat das Sportdezernat die Anlage bezuschusst. Die Flutlichtanlage baut die TSG selbst, sagt Vereinsvorsitzender Christoph Kratzer. Rund 10 000 Euro haben die Jungs selbst eingesammelt mit Würdigungen und Preisgeldern, etwa mit dem Feldberg-Preis, dem Bürgerpreis der Stadt Frankfurt oder dem hessischen Partizipationspreis. Anerkennung hätten die TSGler auch aus der Frankfurter Parkour-Szene erhalten. In der Whatsapp-Gruppe mit über 200 Mitgliedern habe man gefeiert, dass sie in Nieder-Erlenbach Frankfurts erste Parkour-Anlage auf die Beine stellen. Friedrich Reinhardt

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