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Stadt Frankfurt sagt Jubiläumsfest für Straßenbahn ab

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Von: Dennis Pfeiffer-Goldmann

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Vor 150 Jahren fuhr die erste Tram durch Frankfurt, gezogen von einem Pferd. Eine Feier wird es aber nicht geben: wegen Krieg und einem „Abstimmungsproblem“.

Frankfurt – Die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) hat die Feierlichkeiten zum 150. Geburtstag der Straßenbahn abgesagt. Am 19. Mai 1872 rollte die erste Pferde-Tram durch die Stadt, am 21. Mai sollte gefeiert werden. Doch daraus wird nichts, wie VGF und Mobilitätsdezernat erklären.

Als Grund für die Absage nennt Wolfgang Siefert, Referent von Mobilitätsdezernent Stefan Majer (Grüne), den russischen Krieg in der Ukraine. Deshalb sei die Feier in den Sommer verschoben worden. Die Absage sei traurig, da viel vorbereitet worden sei. "Wir wollen feiern, wenn mehr Stimmung fürs Feiern ist." Einen neuen Termin kann er noch nicht nennen. Am Jubiläumstag 19. Mai selbst solle aber ein geplanter Corso mit alten Straßenbahnen auf einem Rundkurs durch die Stadt fahren, kündigt Siefert an.

Von Anfang an rollten die Pferdebahnen vor der Alten Oper entlang, dieses Bild entstand 1880.
Von Anfang an rollten die Pferdebahnen vor der Alten Oper entlang, dieses Bild entstand 1880. © Archiv

Frankfurt: Warum wird die Dippemess gefeiert, das Straßenbahn-Jubiläum aber nicht?

Laut Informationen dieser Zeitung hatte die VGF für 21. Mai in der Braubachstraße eine Fahrzeugparade mit Oldtimern aus dem Verkehrsmuseum in Schwanheim vorgesehen. Ebenso sollte der erste Wagen der neuen Baureihe T dort erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Die VGF habe "mit Blick auf den russischen Krieg in der Ukraine eine mögliche Festivität zum Jubiläum sehr reduziert gehalten", sagt VGF-Sprecher Bernd Conrads. Die Absage erfolge "nicht zuletzt, weil nicht klar ist, ob eine allfällige Eskalation den Krieg nicht kurzfristig verschlimmern könnte". Allerdings: Während die VGF nicht in Feierlaune ist, haben Zehntausende zuletzt vier Wochen lang bei der Dippemess' gefeiert. Warum dort gefeiert werden durfte, hier aber nicht? "Die Dippemess' ist für uns kein Gradmesser", sagt Bernd Conrads.

Krieg in Ukraine wohl nicht der einzige Grund für Absage in Frankfurt

Es gibt aber Hinweise darauf, dass der Krieg nicht der einzige Anlass sein könnte. "Zusätzlich tauchten rund um den 21. Mai auch Termin- und Abstimmungsschwierigkeiten auf", räumt der VGF-Sprecher ein, "die letztlich in der Kombination zur Absage führten". Weitere Details nennt VGF-Sprecher Conrads auch auf Rückfrage nicht. Majers Referent Siefert äußert sich ebenso nicht, verweist auf seine vorigen Aussagen. "Mehr kann ich nicht dazu sagen."

Aus Kreisen der VGF ist zu hören, dass es die "Abstimmungsschwierigkeiten" aufgrund der Rolle von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) geben solle. Er kontrolliert als Aufsichtsratsvorsitzender die VGF namens der Stadt, mischt sich aber auch ins aktive Geschäft ein und tritt etwa häufig auf Werbeplakaten in Erscheinung wie für das Seniorenticket. Ein Auftritt Feldmanns beim Straßenbahnjubiläum wäre also nahe liegend gewesen.

Straßenbahn-Verein in Frankfurt: "Volles Verständnis"

Aktuell hat der Magistrat das Stadtoberhaupt zu äußerster Zurückhaltung aufgefordert, nachdem in der Awo-Affäre gegen Feldmann Klage erhoben wurden, der OB aber nicht zurücktritt. Zuständig fürs Tagesgeschäft im Nahverkehr ist ohnehin der Verkehrsdezernent. Das ist seit September nicht mehr Feldmanns Parteifreund Klaus Oesterling, sondern der Grüne Majer.

Beim Verein Historische Straßenbahn Frankfurt (HSF), der das Verkehrsmuseum betreibt und sich um die Tram-Oldtimer kümmert, ist man zwar betrübt. Aber: "Im Hinblick auf die Situation in der Ukraine haben wir volles Verständnis, dass das Feiern im großen Umfang verschoben ist", erklärt Vereinsvorsitzender Frank Nagel. Der Verein werde natürlich auch die Nachhol-Feier "vollumfänglich unterstützen", betont Nagel, der auch Stadtverordneter der CDU im Römer ist. "Aufgeschoben ist nicht aufgehoben." (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

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