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?Jetzt traue ich mich mal ans Öl?: Maler Florian Heinke (links) und sein Verleger Joachim Unseld.

Stadtgeflüster

Ein Abend wie gemalt

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Großer Bahnhof in der Wohnung an der Staufenstraße. Verleger Joachim Unseld präsentiert eine Neuerscheinung: das Künstlerbuch des Malers

Großer Bahnhof in der Wohnung an der Staufenstraße. Verleger Joachim Unseld präsentiert eine Neuerscheinung: das Künstlerbuch des Malers Florian Heinke „Paradise Overdosed“. Und passend dazu hat der Künstler 42 neue Gemälde aufgehängt, die meisten von ihnen sind in den vergangenen eineinhalb Jahren entstanden.

Für Heinke, 1981 in Frankfurt geboren, bedeutet die Präsentation des zweiten Buches, das er mit Unseld produziert hat, Abschluss und Neubeginn zugleich. Sie kennzeichnet das Ende einer sechsjährigen Phase und den Beginn einer neuen Ära. Denn Städel-Meisterschüler Florian Heinke malt jetzt in Öl. Zuvor tat er das in Acryl.

„Die vergangenen zehn Jahre waren wie vom militärischen Drill bestimmt: Motive entwickeln, zeichnen und präzise umsetzen“, beschreibt der 36-Jährige seine Vorgehensweise während der abgelaufenen Dekade. „Jetzt traue ich mich mal ans Öl – es riecht besser“, flachst Florian Heinke.

Von den Bildern, die er gestern Abend zeigte, waren einige noch so frisch, dass die schwarze Farbe auf ihnen zum Teil noch feucht war. „Ich fühle mich jetzt immer mehr als Maler“, so der für seine provozierenden und mitunter auch verstörenden Bilder bekannte Künstler, für den dieses Jahr in gewisser Weise auch einen geschäftlichen Neubeginn darstellt, „weil ich mich von meiner langjährigen Galerie getrennt habe“. Apropos Trennung: Heinke ist ein Menschenergründer und damit auch einer, der die Zerbrechlichkeit gesellschaftlicher Systeme, Beziehungen und Sinnbezüge als Summe der Zerbrechlichkeit jedes Einzelnen begreift. Er bricht das auf Alltagssituationen herunter, solche, wie alle sie kennen. Er sieht nur genauer hin.

Erschienen ist das Werk übrigens nicht in der Frankfurter Verlagsanstalt, die Unseld ebenfalls leitet, sondern im Unseld-Verlag. Den gibt es zwar bereits seit den 90er Jahren, doch erst seit einiger Zeit veröffentlicht Unseld dort, nein, keine Kunstbücher, sondern Künstlerbücher. Kennengelernt haben sich der Künstler und der Verleger beim Frankfurter Kunstverein Familie Montez vor genau zehn Jahren. Unseld war sofort hin und weg. „Damals habe ich etwas getan, was ich seitdem nicht mehr und davor noch nie gemacht hatte: Ich habe Kunst gekauft, ohne vorher darüber nachzudenken“, sagt Unseld – und belegt vielleicht damit am deutlichsten die unmittelbare Wirkung von Heinkes Bildern. Seine zwischenmenschliche Beziehung zum Maler beschreibt er als Freundschaft, „die sich in der Überzeugung ausdrückt, dass er einer der besten Maler ist, die wir in dieser Generation haben“.

Zu den weit mehr als 100 Gästen an diesem Abend zählt auch der Schriftsteller und Deutscher-Buchpreis-Gewinner Bodo Kirchhoff . „Ich finde, Florian Heinkes Bilder verfügen über eine Stringenz, die ihnen etwas sehr Zwingendes verleiht“, so Kirchhoff. Jedes Bild habe „eine eigene, stille Nachdenklichkeit“, so der Autor weiter. „Ich habe ein oder zwei gesehen, von denen ich sagen würde, dass ich sie gerne hätte.“ Kein Wunder. Bodo Kirchhoff ist ja auch so ein Menschenergründer.

(es)

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