Das Dach der Halle auf dem Alten Friedhof ist undicht. FOTO: Mag
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Das Dach der Halle auf dem Alten Friedhof ist undicht.

Nieder-Erlenbach

Abriss der Trauerhalle vorerst aufgeschoben

  • Friedrich Reinhardt
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Stadt will Prüfung des Denkmalschutzes abwarten - die dauert länger

Den Abriss der Trauerhalle auf dem Alten Friedhof hat das Amt für Friedhofsangelegenheiten erst einmal auf Eis gelegt. In Absprache mit dem Ortsbeirat 13 (Nieder-Erlenbach) will die Behörde die Entscheidung des Landesamts für Denkmalpflege abwarten. Wann das Ergebnis vorliegen wird, lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt allerdings nicht sagen.

Rückblick: Heftig widersprochen hatten Nieder-Erlenbacher, als das Amt im Februar 2020 ankündigte, die Trauerhalle abreißen zu wollen. Das Umweltdezernat lenkte ein - ein Stück weit. Zum einen gab es eine Untersuchung der Halle in Auftrag, um die Kosten einer Sanierung zu ermitteln. Das Ergebnis war niederschmetternd. Statt der erwarteten Kosten von rund 50 000Euro, zeigt die Untersuchung, dass mit 105 000 Euro zur rechnen ist.

Zum anderen bat die Stadt das Landesamt für Denkmalpflege, zu untersuchen, ob die etwa 100 Jahre alte Trauerhalle unter Denkmalschutz gestellt werden sollte. Dort hatte sich ein Mitarbeiter an die Arbeit gemacht. Im Mai diesen Jahres starb er unerwartet. Einen "ausgewiesenen Experten" nennt ihn die Sprecherin des Landesamts Katrin Bek. Ein Mitarbeiter, der nur schwer ersetzt werden kann.

Amt prüft Denkmäler Stadtteil für Stadtteil

Derzeit sucht das Landesamt einen Nachfolger und hofft, die Stelle im Herbst besetzen zu können. Doch auch dann könnte es noch lange dauern, bis der Denkmalwert der Trauerhalle beurteilt wurde. Das Landesamt überprüft nicht nur die Trauerhalle, sondern den gesamten historischen Baubestand in Frankfurt.

Die Denkmalausweisung beruht zum großen Teil auf der Denkmaltopographie der Stadt Frankfurt. Diese stammt aus dem Jahr 1986 und braucht nach über 30 Jahren eine Revision und Fortschreibung, erklärt Bek. "Dafür werden zunächst die Ortsgeschichte, die bauliche Entwicklung und deren Besonderheiten erforscht." Dann werden "aus einer größeren Menge "erhaltenswerter" Bauten, also Gebäuden, die historisch und in Material und Gestaltung ortstypisch sind, die Gebäude ausgewählt, die laut Gesetz Kulturdenkmäler darstellen". Dabei geht das Landesamt Stadtteil für Stadtteil durch. Wann Nieder-Erlenbach an der Reihe ist, lasse sich noch nicht abschätzen. Wegen der umfangreichen Recherchen ist aber klar: Der ganze Prozess dauert Jahre.

Vor- und Nachteil für den Erhalt

Für jene, die sich für den Erhalt der Halle aussprechen, ist das eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute Nachricht: "Der Abriss ist erstmal vom Tisch", sagt Ortsvorsteher Yannick Schwander (CDU). Der Ortsbeirat gewinnt Zeit, sich für die Halle einzusetzen. Bei der nächsten Etatberatung werde er fordern, dass die Stadt die nötigen Mittel für eine Sanierung bereitstellt. Auch als Stadtverordneter wolle Schwander für die Halle streiten.

Dass Zeit bis zu einer Entscheidung vergeht, ist aber auch die schlechte Nachricht. Das Schindeldach ist undicht. Der bauliche Zustand der Trauerhalle wird nicht besser. "Irgendwann stürzt das Dach ein und dann muss man sehen, was man mit so einer Ruine macht", sagt Thomas Bäder, Leiter des Amts für Friedhofsangelegenheiten. Ewig warten kann die Stadt also nicht.

In der Diskussion steht ein Zwischenweg. Wie bei der alten Totenhalle auf dem Fechenheimer Friedhof, in dem an diesem Sonntag der Verein PolymerFM seinen Kulturpavillion eröffnet (Sonntag, 5. September um 15 Uhr, Steinäckerstraße 13), könnte auch die Sanierung der Trauerhalle in Nieder-Erlenbach aus verschiedenen Töpfen finanziert werden. Durch Spenden von Bürgern und Vereinen, aus dem Budget des Ortsbeirats und den Rest übernimmt die Stadt. In Fechenheim lagen die Kosten aber nur bei 20 000 Euro. Der Ortsbeirat sei dieser Lösung nicht abgeneigt, sagt Schwander. Er kritisiert aber, dass sich die Stadt damit aus der Verantwortung stehle. Friedrich Reinhardt

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