1. Startseite
  2. Frankfurt

Abriss des Frankfurter Rebstockbads ist in vollem Gange

Erstellt:

Von: Julian Dorn

Kommentare

Trockenschwimmer: Projektmanager Joachim Krause und Bäder-Betriebe-Chef Boris Zielinski stehen im ehemaligen Wellen-Becken, das derzeit als Zwischenlager für allerlei Abrissmaterialien dient. Die türmen sich schon meterhoch auf. FOTO: leonhard hamerski
Trockenschwimmer: Projektmanager Joachim Krause und Bäder-Betriebe-Chef Boris Zielinski stehen im ehemaligen Wellen-Becken, das derzeit als Zwischenlager für allerlei Abrissmaterialien dient. Die türmen sich schon meterhoch auf. © Leonhard Hamerski

Der Rückbau des Frankfurter Badeparadieses hat begonnen - und birgt einige Hürden.

Frankfurt -Joachim Krause kennt sich aus auf Großbaustellen. Doch vor dem Rückbau des traditionsreichen Rebstockbads hat auch er Respekt. "Vor uns liegt ein Berg voll Arbeit", weiß der für Bauvorhaben zuständige Projektmanager bei den Bäderbetrieben. Alles muss innerhalb von eineinhalb Jahren "fachgerecht" zurückgebaut werden. Dabei geht es immerhin um ein Gebäudevolumen von etwa 130 000 Kubikmetern. Eine Herkulesaufgabe. "Solche Dimensionen hat man selten."

Der Abriss des Komplexes mit dem kathedralenartigen Dach nach japanischem Vorbild besiegelt das Ende dieser Ikone der städtischen Badekultur. Fast 40 Jahre lang war das Spaßbad beliebt in der gesamten Region. Mehr als 20 Millionen Besucher haben die Bäderbetriebe seit der Eröffnung 1982 gezählt, 500 000 pro Jahr. Doch das Hallenbad ist in die Jahre gekommen, die Technik veraltet und das hölzerne Dach marode.

Im Frühling fällt die Fassade des Frankfurter Bads

Die Abrissbagger der Firma Freimuth aus dem niedersächsischen Bülkau, die nach einer europaweiten Ausschreibung den Zuschlag für den Rückbau erhalten hat, werden im Frühling anrollen. Doch schon seit Mai wird im Inneren abgeschraubt, abgebaut und abgepumpt. Im April war die Wellenmaschine zum letzten Mal im Einsatz, danach verwandelte sich die weitläufige Badelandschaft in eine große Baustelle. Die Becken sind leer, Verkleidungen und Wärmedämmungen entfernt. Das Inventar ist verschwunden. Die Stadt hat es teils anderen Bädern überlassen, etwa die Spinde oder auch Wassertechnik wie Dosiervorrichtungen.

Besonders herausfordernd beim Entkernen sei der Rückbau der Elektronik im Keller, verrät Projektleiter Krause. Hunderte Kilometer Kabel, Pumpen, Rohre und Schaltkästen müssen sukzessive demontiert werden. Das erfordere viel Präzision und Fachkenntnis, erklärt er. Eine Million Liter Wasser konnte dort pro Stunde umgewälzt werden.

Frankfurter Rebstockbad: Kein Abriss, sondern Rückbau

Ist das Innere leer, beißt der Abrissbagger zu. Zuerst ist die Fassade dran. Dabei, erklärt Krause, sei der Abriss eigentlich ein Rückbau. Ein Abriss erfolge im Ganzen und schnell, etwa durch Abbruch-Longfrontbagger, eine Abrissbirne oder per Sprengung. So brachial soll es am Rebstock nicht zugehen. "Beim Rückbau wird das Gebäude von außen nach innen abgetragen, Stück für Stück." Dabei werde genau darauf geachtet, die verwendeten Bausubstanzen zu sichern, die wiederverwertet werden können. So soll etwa der Stahlbeton, aus dem die Fassade besteht, zerkleinert, der Stahl rausgeholt, der Beton mit mobilen Brech- und Siebanlagen aufbereitet und für den Unterbau des neuen Bads wiederverwendet werden.

Der Rückbau beginnt auf der Seite des Rebstockweihers, die Wände zur Wohnbebauung hin sollen hingegen so lange wie möglich erhalten bleiben - als Lärmschutz. Anspruchsvoll dürfte vor allem der Rückbau der zeltähnlichen, hölzernen Dachkonstruktion werden, erwartet Krause. Das Dach werde nach und nach mit einem Langarmgreifer abgetragen. Auch die massiven, gekachelten Schwimmbecken erfordern schweres Spezialgerät. In der Hochphase des Abbruchs dürften wohl mehr als 50 Bauarbeiter gleichzeitig im Einsatz sein. Krause und sein Team werden die Arbeiten begleiten und darauf achten, dass das Material fachgerecht entsorgt wird. Holz, Aluminium aus den Fenstern, Edelstahl und Kupfer aus Kabeln: Wertstoffreiche Materialien werden selektiert, auf einer eigens dafür angeschafften Lkw-Waage abgewogen und wiederverwertet. Belastetes Material wird entsorgt.

Abrisskosten: rund zwei Millionen Euro

Bis Oktober 2022 soll der Rückbau abgeschlossen sein. "Bislang liegen wir voll im Soll", sagt er. Und im Kostenrahmen? Boris Zielinski, der Chef der Bäder-Betriebe, gibt zu Bedenken, dass es wegen der Pandemie jederzeit zu Verzögerungen, etwa aufgrund von Lieferengpässen, kommen könne. Das würde die Kosten in die Höhe treiben. Wenn alles nach Plan verläuft, rechnet Abriss-Aufseher Krause derzeit damit, dass Rückbau und Entsorgung mit zwei Millionen Euro zu Buche schlagen werden.

Danach geht es erst so richtig los, nach dem Großprojekt ist vor dem Großprojekt: Ende 2022 soll der etwa 90 Millionen Euro teure Neubau auf 18 000 Quadratmetern Fläche beginnen. Nach drei Jahren könnte auf dem Rebstockgelände dann wieder geplanscht, gerutscht und geschwommen werden.

Auch interessant

Kommentare