Bus der Linie M32 im Alleenring: Von den Fahrgastzahlen her könnte sich eine Straßenbahnlinie lohnen. Doch andere Vorhaben sind dem Verkehrsdezernenten erst einmal wichtiger.
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Bus der Linie M32 im Alleenring: Von den Fahrgastzahlen her könnte sich eine Straßenbahnlinie lohnen. Doch andere Vorhaben sind dem Verkehrsdezernenten erst einmal wichtiger.

Nahverkehr

Keine Straßenbahn für den Alleenring und Reuterweg in Frankfurt – Dezernent überrascht mit Aussage

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
    vonDennis Pfeiffer-Goldmann
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Könnten in Frankfurt Straßenbahnen im Reuterweg und auf dem Alleenring rollen? Erstmal gebe es Wichtigeres, sagt der Verkehrsdezernent. Mit einer Aussage sorgt er aber für Verwunderung.

Frankfurt - Neue Strecken für Straßenbahnen im Reuterweg und auf dem Alleenring in Frankfurt wird es in absehbarer Zeit nicht geben. Die Stadtregierung lehnt das grundlegend ab. Allerdings sieht es der Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) „persönlich“ anders.

Sie brächten keine Vorteile: Deshalb lehnt der Magistrat den Bau von Straßenbahnstrecken im Reuterweg statt der Buslinie 64 und entlang des Alleenrings statt der Buslinie M32 ab. Diese Auskunft erteilt die Regierung auf eine Anregung des Ortsbeirats 2. Der hatte den Vorschlag auf Basis eines Antrags der Linken gemacht: Der Magistrat solle doch prüfen, ob nicht die zwei Straßenbahnen als Ersatz für eine Führung der U4-Strecke direkt unter den Uni-Campus Westend gebaut werden könnten.

Das hätten „den Vorteil, dass der Grüneburgpark nicht untertunnelt werden müsste und somit Nachteile für den alten Baumbestand im Grüneburgpark und den Universitätscampus Westend durch Grundwasserabsenkungen vermieden werden könnten“, erklärte der Ortsbeirat. Allerdings: Die Stadt lässt aktuell noch untersuchen, ob ein Tunnel überhaupt Schäden am Park verursachen würde. Verkehrsdezernent Oesterling rechnet nicht mit solchen - auch weil seit Jahrzehnten Tunnel unter dem Zoo, den Wallanlagen und Teilen des Alleenrings verlaufen, ohne dass die Parks dabei Schaden nehmen.

Frankfurt: Straßenbahn im Alleenring sei „wirtschaftlich nicht sinnvoll“

Eine Absage erteilt der Magistrat nun in seiner formellen Antwort auf die Anregungen. So liege eine Straßenbahn im Alleenring „im Einzugsbereich der geplanten Ringstraßenbahn und ist daher wirtschaftlich nicht sinnvoll“. Auch würde sie den Westendcampus nur am Rand erschließen, viel schlechter als eine U-Bahn-Station direkt unter dem Adorno-Platz. Für diese Lösung spricht sich inzwischen im Römer auch eine breite Mehrheit aus CDU, SPD, Grüne, Linke und FDP aus.

Eine Straßenbahn im Reuterweg im Verlauf der heutigen Buslinie 64 „bietet keine verkehrlichen Vorteile“, lehnt der Magistrat auch die zweite Idee ab. Das Gebiet sei durch die nahe Strecke der U-Bahnen 1, 2, 3 und 8, die künftige U4 und die geplante Ringstraßenbahn (statt Buslinie M34) bereits „dicht erschlossen“.

Für Verwunderung sorgte zuletzt aber Dezernent Oesterling mit der Aussage, dass er sich eine Straßenbahn im Reuterweg vorstellen könne. „Das eine ist die Meinung des Magistrats, das andere ist meine persönliche Einschätzung“, erklärt er. Die Stilllegung der Straßenbahn im Reuterweg „habe ich immer für einen Fehler gehalten“. Sie könne den Uni-Anschluss wegen der starken Nachfrage aber nicht ersetzen, nur ergänzen. Heute würde man eine Tram-Strecke im Reuterweg nicht mehr stilllegen, schätzt Oesterling. „Da hat sich die Welt geändert“. Er sei „optimistisch, dass eine Untersuchung zu einem positiven Ergebnis führt“.

Streckenbau für Straßenbahn im Alleenring in Frankfurt wäre technisch schwierig

Technisch schwieriger sei der Bau einer Straßenbahnstrecke entlang des Alleenrings: „Weil das eine hochrangige Bundesstraße ist, muss der Bund dort zustimmen, wenn wir von der Fahrbahn Flächen abknapsen wollen.“ Das Verkehrsaufkommen der Buslinie M32 sei dort jedoch beachtlich. Allein von den Fahrgastzahlen her lohne sich hier der Bau einer Straßenbahn eher als entlang der deutlich schwächer nachgefragten Buslinie 64 im Reuterweg.

„Man muss aber aufpassen, dass man sich nicht eine gut funktionierende Busverbindung vom Westbahnhof zum Ostbahnhof und demnächst noch weiter bis zum Südbahnhof zerschlägt“, warnt Oesterling. Das Verlängern des M32 via Deutschherrnviertel in Sachsenhausen plant die Stadt von Endes des Jahres an.

Dezernent zum Tramstreckenbau in Frankfurt: Alles zugleich geht nicht – „bei aller Liebe“

Hoffnungen auf einen baldigen Bau von Tramstrecken im Reuterweg und Alleenring erteilt der Dezernent eine Absage. „Bei aller Liebe zur Straßenbahn können wir nicht alle Projekte zugleich umsetzen.“ Es gebe Vorhaben, die drängender und in der Planung weiter fortgeschritten seien.

„Oberste Priorität hat die Ringstraßenbahn“, sagt Oesterling. Diese solle noch vor Inbetriebnahme des U4-Lückenschlusses rollen, also vor Ende des Jahrzehnts. Auch die seit 1928 versprochene Verlängerung der 11 in Höchst von der Zuckschwerdtstraße zum Bahnhof treibt er aktuell voran. (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

Bis zum Jahr 2030 sollen mehrere Linien von U- und Straßenbahnen im Frankfurter Nahverkehr erweitert werden.

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