Eintracht Frankfurt

Abschied in Berlin: So wertvoll war Lukas Hradecky für die Eintracht

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Vor dem Pokal-Finale hat Eintracht-Torhüter Lukas Hradecky seinen Optimismus zurückgewonnen: „Wir werden noch einmal alles raushauen.“

Bei all dem Getöse um den unwürdigen Wechsel von Trainer Niko Kovac zum FC Bayern München ist ein bevorstehender Abschied bei der Frankfurter Eintracht fast ein wenig untergegangen. Lukas Hradecky wird am Samstag beim Pokal-Finale in Berlin sein letztes Spiel für die Eintracht bestreiten. „Es ist immer schwer, etwas Bekanntes zu verlassen“, sagte er am Dienstag gegenüber dieser Zeitung, „aber ich finde auch, es ist Zeit zu gehen.“ Hradecky hat nach drei Jahren seinen Vertrag nicht verlängert. Er wird in der Bundesliga bleiben, so viel hat er verraten. Sein neuer Arbeitgeber wird vermutlich Bayer Leverkusen sein.

Die wird mit dem 28 Jahre alten Finnen nicht nur einen herausragenden Torwart verlieren, sie muss in Zukunft auch auf einen außergewöhnlichen Menschen verzichten. Hradecky hat sich in den drei Jahren seines ganz persönlichen sportlichen Aufstiegs nicht verändert. Er ist immer freundlich, ehrlich, geradeheraus, nie um einen flotten Spruch verlegen, aber auch in der Lage, Zusammenhänge zu reflektieren und Klartext zu reden. Er gehört zu der in der Liga inzwischen seltenen Spezies von Spielern, die sich nicht verbiegen lassen, die ihre Meinung haben und zu ihrer Meinung stehen.

Nur so konnte er auch die zwischenzeitlichen Anfeindungen durchstehen, die auf ihn eingeprasselt waren, als er Angebote zur Verlängerung seines Vertrages abgelehnt hatte. Aus dem Publikumsliebling war schnell ein „Buhmann“ geworden. Doch das hat sich auch längst wieder geändert. Die Anhänger haben respektiert, dass Hradecky sich vertragstreu gezeigt hat. Er hatte versprochen, bis zum letzten Spiel alles für die Eintracht zu geben. Dieses Versprechen hat er gehalten.

Es ist gut drei Jahre her, da musste sich die Eintracht auf den Verlust des damaligen Keepers und Kapitäns Kevin Trapp vorbereiten. Der Nationalspieler ist zu Paris St. Germain gewechselt. Die Frankfurter haben einen Nachfolger gesucht. Und der damalige Trainer Armin Veh hatte sich nach Video-Studium und Rücksprache mit Torwarttrainer Moppes Petz schnell auf Hradecky festgelegt. Der Finne spielte damals noch im dänischen Bröndby, musste lange bleiben, weil sein Team noch Europa-Qualifikationsspiele bestreiten musste. „Es lohnt sich zu warten“, hatte Veh gesagt und Recht behalten. Erst kurz vor der Saison konnte Hradecky losgeeist werden, die Eintracht hat „nur“ 2,5 Millionen Euro Ablöse bezahlt, ein „Schnäppchen“. Hradecky ist als unbekannter Torwart gekommen und wird nun als prominenter Torwart gehen, zum Leidwesen der Eintracht ablösefrei.

Von 102 möglichen Bundesligaspielen hat er 101 bestritten, nur einmal nach einer Roten Karte in Leipzig, als er außerhalb des Strafraums den Ball mit der Hand gespielt hatte, musste er pausieren. Also ein Profi, der sich nicht nur mit Klasse, sondern auch mit Konstanz ausgezeichnet hat. 26 Mal ist er in den drei Spielzeiten ohne Gegentor geblieben. Fehler sind nur ganz wenige in Erinnerung. Am augenfälligsten war jener „Blackout“, der vor ein paar Wochen zum 1:2 in Bremen geführt hat.

Tolle Paraden aber gab es jede Menge. Vor einem Jahr hat Hradecky die Eintracht mit seinen Elfmeterparaden ins Pokalendspiel gebracht, in diesem Jahr hat er gerade im Pokal seinen Kasten wieder (fast) sauber gehalten. Nur ein einziges Gegentor musste er bis zum Finale hinnehmen, beim 2:1 in Heidenheim. Das Boulevard hat ihn die „Finnen-Spinne“ getauft.

Dass sein „Abschiedsspiel“ nun ein Endspiel sein wird, gönnen ihm ganz viele. „Es macht mich stolz, dass ich zum Abschied noch etwas Großartiges erreichen kann“, sagt er. Hradecky, der nach dem Spiel auf Schalke am letzten Samstag noch deutliche Worte der Kritik gefunden hatte, ist überzeugt, dass die gesamte Mannschaft diesmal deutlich besser spielen wird. „Wir werden noch einmal alles raushauen“, verspricht er, „wir wollen gemeinsam den Pokal holen.“

Er gehe mit „großer Dankbarkeit“, sagt er. Für einen Finnen sei es nicht einfach, überhaupt in der Bundesliga unterzukommen. „Die geilen Fans, die herzlichen Mitarbeiter, der ganze Staff und vor allem meine Mitspieler hier in Frankfurt, werde ich immer in mir tragen“, sagte er mit Wehmut in der Stimme, „dass ich ein Teil dieser Eintracht sein durfte, wird immer in meiner Erinnerung bleiben.“

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