Wurde 86 Jahare alt: Knut Thomsen, viele Jahre lang stellvertretender Direktor der Liebigschule. FOTO: hamerski
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Wurde 86 Jahare alt: Knut Thomsen, viele Jahre lang stellvertretender Direktor der Liebigschule.

Frankfurter Pädagoge

Abschied vom Herrn des Handkusses

  • Simone Wagenhaus
    VonSimone Wagenhaus
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Zum Tode des ehemaligen Konrektors der Liebigschule in Westhausen - Einstige Schülerin erinnert sich

Altfränkisch. Ein altes Wort, herausgefallen aus der Zeit. Ein Wort, das zu Knut Thomsen gepasst hat. Liebenswürdig altmodisch war er, der ehemalige Konrektor der Liebigschule, oft wirkte er, als sei er der Welt abhandengekommen. Am 25. Juli ist er 86-jährig in seiner Heimatstadt Bad Homburg gestorben.

"Habe die Ehre" ist der geflügelte Satz, den Generationen von Liebigschülern mit Knut Thomsen verbinden. Er sagte ihn nicht nur, er füllte ihn auch aus - und begrüßte die Damen mit Handkuss und knapper Verbeugung. In Vollendung. Wie das kam? Es war wohl seiner Liebe zum österreichisch-ungarischen Kaiserhaus, den Habsburgern und Prinz Eugen im Speziellen geschuldet. Der Held der österreichischen Geschichte, der die Türken in der Schlacht bei Peterwardein vernichtend schlug - und so das Abendland vor den Osmanen rettete. Knut Thomsens Verehrung für den Feldherrn war groß, das können Schüler etlicher Geschichts-Leistungskurse bezeugen: "Meine Herren, nehmen Sie Haltung an!", hieß es über Jahrzehnte bei den Studienfahrten nach Wien an Prinz Eugens Reiterdenkmal auf dem Heldenplatz. Natürlich nahmen sie Haltung an und berichten noch heute mit glänzenden Augen von diesen Wien-Reisen.

Seine Lehrer inspirierten Knut Thomsen einst, selbst Lehrer zu werden. Schon im Alter von 15 Jahren wusste er: "Das ist mein Traumberuf." Seine Eltern waren von der Idee allerdings gar nicht begeistert. Der Vater, ein Arzt, hätte ihn lieber als Mediziner gesehen. Und die Mutter befürchtete, ihr Sohn mache sich kaputt. Doch die Eltern hatten sich getäuscht. Knut Thomsen liebte seine Aufgabe. Er gehörte nicht zu den Menschen, die an ihrem Beruf verzweifelt sind, sagte er anlässlich seiner Pensionierung.

Sein gesamtes Berufsleben verbrachte Knut Thomsen in der Liebigschule - von 1961 an als Referendar zunächst in Bockenheim, nach dem Umzug 1966 in Westhausen, seit 1971 als stellvertretender Schulleiter. Geschichte und Deutsch waren seine Fächer, auch im Musikunterricht sprang er im Notfall mal ein, neben der Donaumonarchie sein weiteres Steckenpferd. Er spielte nicht nur Geige im Schulorchester, er sang auch im Evangelischen Kirchenchor Bad Homburg-Gonzenheim. Das Repertoire war vielseitig, geistliche Musik beherrschte er mit seinem Tenor ebenso wie Choräle der klassischen Literatur bis zu Liedern zeitgenössischer Komponisten.

Seine große Liebe galt Bach

Und doch galt seine Liebe einem Komponisten: Johann Sebastian Bach, seinen Brandenburgischen Konzerten, seinen Violinkonzerten, seinen Chorälen. Knut Thomsen kannte sie alle, war Experte. Sprach er im privaten Kreis oder bei seinen Vorträgen über Bach, wurde er, der Insichgekehrte, lebhaft, geradezu leidenschaftlich. Selbstverständlich war er Mitglied der Bachgesellschaft. Und als ihm in Madrid sein Portemonnaie gestohlen wurde, war der Verlust des Mitgliedsausweises fast ein größeres Drama als der von Geld und Papieren...

So treu wie er der Liebigschule und seinem Dienstherren war, blieb er auch seiner Heimatstadt. Bis zum Schluss lebte er, der Unverheiratete und Kinderlose, mit seinem jüngeren Bruder Jörg im Elternhaus. Am 13. November 1934 in Sachsenhausen geboren, war er auch dabei, als es darum ging, die Stadtgeschichte niederzuschreiben. Sein Augenmerk in den fünf Bänden galt den kulturellen Besonderheiten Bad Homburgs, er beschrieb Musik, Ausstellungen und Beispiele bürgerschaftlichen Engagements.

Er selbst bezeichnete sich als Glückskind, fragte man ihn nach seinen Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg, speziell nach der Bombardierung Bad Homburgs im März 1945. Kurz bevor es losging, war der damals gut zehn Jahre alte Bub von seiner Schule durch die Innenstadt nach Hause gelaufen. Minuten später hatte sie sich in ein Inferno verwandelt. Knut Thomsen war kurz zuvor daheim angekommen und hatte gerade die Haustür geschlossen. Ja, er war ein Glückskind, wie sich auch in späterem Jahren zeigte.

In der Liebigschule war er in ein Kollegium integriert, welches ihn unterstützte, ihn animierte, im Lehrer-Volleyball-Team mitzuspielen ("Knut ist gut!", lautete der legendäre Schlachtruf), das auch nach seiner Pensionierung 1999 den Kontakt zu ihm hielt. Bei den Touren und Reisen des Wanderclubs WCF 03 war er ebenso dabei wie bei geselligen Weinrunden. Nein, er war kein Wortführer, aber er lachte gerne. Und er machte auch so manchen Schabernack mit, zu dem Lehrer durchaus in der Lage sind.

Er freute sich, wenn man sich um ihn kümmerte. Das gilt auch für ehemalige Schüler, manche sind heute selbst über 70. "Man nimmt über die Jahre Anteil an Familienentwicklungen, an Freud und Leid", sagte er einst. So wie heute ehemalige Schüler, längst zu Freunden geworden, und ehemalige Kollegen Anteil nehmen an Knut Thomsens Tod, der eine Erlösung für ihn war.

Habe die Ehre gehabt, Dich kennen zu dürfen, Knut.

Simone Wagenhaus

Die Trauerfeier

Die Trauerfeier ist am Dienstag, 24. August, um 15 Uhr in der Trauerhalle Gonzenheim, Kaiser-Friedrich-Promenade 150.

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