Die Flughafen-Feuerwehr mit einem letzten nassen Gruß an die MD-11.
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Die Flughafen-Feuerwehr mit einem letzten nassen Gruß an die MD-11.

Flugzeuge

Abschied von der letzten Lufthansa-Diva

  • VonSabine Schramek
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Die letzte große Diva aller Flugzeuge in Europa gab am Sonntag ihre letzte Vorstellung für Lufthansa Cargo. Der MD-11 wurde nach mehr als 95 000 Flugstunden auf ihrer letzten Reise von New York nach Frankfurt ein würdiger Abschied mit Wasserfontänen und einigen Tränen bereitet. Im Bauch hatte sie noch einmal 55 Tonnen Fracht dabei.

Frankfurt -Sie hat mit etwa 17 900 Flügen oft die ganze Welt gesehen. Auf ihrer letzten Reise für Lufthansa Cargo startete die MD-11 "Charlie Charlie" in New York. Beladen mit 55 Tonnen Fracht schwebt die Maschine mit strahlenden Scheinwerfern elegant wie in Zeitlupe in Frankfurt ein. Um 12.03 Uhr dröhnt und donnert es neben der Wiese auf der Landebahn. Beim sanften Aufsetzen qualmt die Landebahn, bevor die Maschine eine letzte lange Runde am Boden zieht, vorbei an Besuchern am Aussichtspunkt, die winken. Und begleitet von einem Hubschrauber für die letzten Bilder einer Ära.

"Es ist unsere letzte MD-11 und die letzte, die in ganz Europa zugelassen ist", so Unternehmenssprecher Andreas Pauker. Insgesamt 19 Maschinen des Dreistrahlers waren in den 1990er Jahren für Lufthansa im Einsatz. Damals waren sie viel treibstoffeffizienter als andere Großraumfrachter. Jetzt setzt die Fluggesellschaft auf moderne zweistrahlige Boeings 777, die wiederum 20 Prozent sparsamer und viel leiser sind als die MD-11.

Techniker, Piloten, Angehörige und Bodenpersonal warten an der Halteposition FOX 211, um Abschied zu nehmen. "So etwas wie die MD-11 wird es nicht mehr geben", erzählen sie. "Sie ist viel mehr als ein Flugzeug", sagen sie. Kein anderer Flugzeugtyp hat so viele Spitznamen in der Airline-Szene bekommen wie die eigenwillige Schönheit. "Diva" und "Klappdrache" gehören zu den freundlichen Bezeichnungen. "Fighter", "Frighter" und "The Scud" spiegeln ihr nicht unkompliziertes Wesen wider. Sie ist schwer zu landen. Davon war bei ihrer letzten Landung in Frankfurt allerdings nichts zu sehen, so sanft hatte sie aufgesetzt. Ihr zur Ehre hat sich die Flughafenfeuerwehr aufgestellt. Um das 61,4 Meter lange, 18 Meter hohe Flugzeug, das eine Spannweite von 51,7 Metern aufweist, mit einem doppelten Wasserbogen zu begrüßen. Die Piloten strahlen und winken aus dem Cockpit, während sie durch den hohen Wasserstrahl steuern. Die LH-Cargo-Mitarbeiter versuchen mit Tröten den Motorenlärm zu übertönen. Manche haben Tränen in den Augen, als die Maschine stoppt und sich die Tür öffnet. Kapitän Claudio Endrizzi winkt der Menge zu und wirkt überwältigt. Applaus vom Boden mischt sich in Kameraklicken und Jubelrufe. Am Heck des weiß-blauen Flugzeugs ist ein großes rotes Herz zu sehen. Daneben der Schriftzug "Thank you MD-11 - Farewell". Dieses "Danke und leb wohl" ist weit über den Flughafen zu sehen. Die Maschine wird in Zukunft bei einer amerikanischen Frachtgesellschaft ihren Dienst weiter leisten.

Die Boeing 777 übernimmt

Kaum ist die Treppe angedockt, laufen Lufthansa-Cargo-Mitarbeiter hinauf, um die Piloten zu umarmen und um noch einmal einen Blick ins Cockpit und die kleine Kaffeeküche zu werfen. Eine Gefühlsmischung aus Stolz und Abschiedsschmerz ist vor dem Frachtraum zu spüren. Noch ein Blick auf Displays und Knöpfe, noch einmal im Cockpit-Sitz Platz nehmen. Die Crew aus dem Piloten Endrizzi, der die Diva gelandet hat, dem Co-Piloten Mike Bendig und First Officer Thomas Schmitz nimmt einen dicken Edding. Alle unterschreiben neben der Tür auf dem Flugzeug, die Techniker und anderen Mitarbeiter tun es ihnen gleich. Noch ein letzter Kaffee, ein letzter Blick ins Cockpit und sie verlassen das Flugzeug. "Das Erregungslevel bei diesem letzten Flug war etwas höher als sonst. Es war schon etwas Besonderes, die Ehre für diesen letzten Flug zu haben", sagt Endrizzi bewegt. Er lächelt, als er an seine Zeit in der Diva denkt. Früher seien Flugzeuge "rund um die Piloten gebaut worden. A la 'Cobra übernehmen Sie'. Und die MD-11 ist von mutigen Jungs gebaut worden. Wenn man sie gut behandelt, reagiert sie gut. Wenn nicht, wird man gebissen", meint er lachend und spielt auf ihre Eigenarten an, die ihr die vielen Spitznamen gegeben haben. In Zukunft werden die Piloten in Boeings 777 unterwegs sein. Endrizzi und Schmitz machen jetzt eine Umschulung, Bendig später. Ihr Blick auf die MD-11, aus deren Bauch Paletten voller Fracht ausgeladen werden, zeigt Wehmut und Bewunderung. "Sie ist wunderschön. Wir werden sie vermissen."

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