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Nieder-Eschbach: Jugendhaus

Abstand wahren, aber Kontakt halten

  • vonSabine Schramek
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Wie man am Bügel mit der Krise umgeht - Struktur ist wichtig

Dieser Tage besteht wieder Redebedarf im Jugendhaus am Bügel. "Immer, wenn es neue Corona-Regelungen gibt, kommen die Jugendlichen zu uns und fragen nach, was das jetzt bedeutet", erzählt Svenja Klemen, Leiterin der offenen Einrichtung des Evangelischen Vereins für Jugendsozialarbeit. Aber nicht nur dann schauen die Heranwachsenden und jungen Erwachsenen im Jugendhaus und dem angegliederten Mädchentreff vorbei. In Corona-Zeiten haben sich rund 120 Teenager bis Mittzwanziger auf die Liste der am Ben-Gurion-Ring regelmäßig Ein- und Ausgehenden setzen lassen. "So viel Dokumentation hatten wir sonst nie", erzählt Klemen und lacht, auch wenn es ihr ernst ist: Mit den Jugendlichen und dem verantwortungsvollen Umgang mit der Pandemie.

Suppe gibt es nur draußen

Das Haus gilt als "offene Einrichtung", aber in diesen Zeiten schwingt keine Drehtür achtlos vor sich hin. Drinnen besteht Maskenpflicht, die Suppe, die am Nachmittag offeriert wird, darf nur draußen gelöffelt werden. Auch in anderen Zeiten wird in den auf einem großzügigen Areal gelegenen Räumen auf Struktur geachtet. Geregelt ist die Zeit für Hausaufgaben und die fürs Freizeitprogramm. Doch aktuell erscheint Klarheit noch mal wichtiger.

Der gegenwärtige Ablauf sieht so aus: Ab 14 Uhr stehen Hilfen beim Lernen, "Fit für Schule und Beruf" oder Einzelgespräche zu Ausbildungs- und anderen Lebensperspektiven an. "Um 19 Uhr wechseln wir ins Digitale", die Räume leeren sich, berichtet die 37 Jahre alte Leiterin.

Rapper gibt Tipps im Netz

Ein Kollege habe für das digitale Programm seine Playstation zur Verfügung gestellt. Dienstags gebe auf den Bildschirmen ein Rapper Tipps, erzählt Svenja Klemen. An vielen Abenden erfreute sich derzeit eine App großer Beliebtheit. Sie ermöglicht, per Videochat Karten "zu zocken" oder einfach zu reden.

Statt auf dem Jugendhaus-Sofa läuft die "Abend-Session" nun von der privaten Couch aus. Das ist nicht das Gleiche: Sich mal umarmen, abklatschen, spielerisch balgen, die ganze Nähe, das fehle, sagt Klemen. Das erlebten die Jugendlichen, egal welchen Geschlechts, ähnlich, meint die studierte Kunstpädagogin und -therapeutin. Ansonsten nehme die weibliche und die männliche Klientel die Konsequenzen der Corona-Pandemie sehr unterschiedlich wahr, ist ihre Beobachtung. Einige Besucherinnen des Mädchentreffs seien im Frühjahr aus ihrem Blickfeld verschwunden: "Die haben Pflichten in den Familien übernommen." Kochen, Putzen, neben Ausbildung, Schule und Job, "wiedergesehen habe ich die erst, wenn sie mit ihren kleinen Geschwistern auf den Spielplatz kamen, wenn wir im Stadtteil Angebote gemacht haben, um Jugendliche anzusprechen", berichtet Klemen.

Die Jungs seien wesentlich seltener zu Familienpflichten herangezogen, sondern von ihren Familien vielmehr rausgeschickt worden, angesichts kleiner Wohnungen. Ein Teil habe seine Aushilfsjobs verloren auf Grund von Schließungen, die jungen Frauen hätten ihre Tätigkeiten, etwa im Einzelhandel, behalten, sagt Svenja Klemen. Frust über abgesagte Ausbildungen, fehlende Praktikantenstellen, generelle Missstimmung - nicht selten müssen Klemen und ihr Team das dieser Tage auffangen.

So geht es auch Matthias Helms, Pfarrer im Schuldienst in der Stauffenbergschule in Bornheim. Fast wortgleich sagen die Jugendhaus- und Mädchentreffleiterin und der Pfarrer: "Man ist doch nur einmal 18" - beide verstehen die Ratlosigkeit der jungen Erwachsenen in dieser Zeit.

"Das ist für die echt nervig." Sie erlebten die Infektionszahlen als "Sisyphusarbeit" - "man strengt sich an und es reicht trotzdem nicht", sagt Helms. Für ihn gehe es darum, zu ermutigen, nicht zu schauen, "was gerade nicht läuft". Auf Gespräche, aber auch auf Improtheater setzt der Pfarrer. "Was wäre wenn...", "Wie ist das, wenn..."- Fragen wie diese stellen sich in dieser Zeit viele, so etwas lässt sich in kleinen Inszenierungen gut umsetzen.

Antworten auf die staatlichen Regelungen fallen nicht allzu schwer. Sie sind auf den entsprechenden Internetseiten nachzulesen. Das Jugendhaus am Bügel setzt auch schon mal das Neueste aus Berlin auf seine Instagramseite - für diejenigen, die keine Zeit oder Möglichkeit haben, direkt zu fragen, ploppt es dann auf dem Handy auf. red

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