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Dr. Andreas Hansert hat die Ausstellung im Nebbeinschen Gartenhaus kuratiert.

Frankfurter Künstlerclub ehrt Ilse Hannes

Abstrakte Bilder zeigen die Natur

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31 Werke von Ilse Hannes sind zu ihrem 100. Geburtstag im Nebbienschen Gartenhaus zu sehen. Die Schau wird heute eröffnet, gleichzeitig wird die Städelschülerin Nicole van den Plas mit dem Ilse-Hannes-Preis ausgezeichnet.

Ilse Hannes liebte die Natur und die Farben, die sie in zahlreichen meditativen, meist abstrakten Bildern immer wieder neu anordnete. „Kriegsbedingt kam sie erst spät zur Kunst, doch sie malte und arbeitete bis ins hohe Alter und hat weit über 1000 Werke hinterlassen“, sagt Andreas Hansert, Kurator der Gedächtnisausstellung. „Und da sie dafür einen Erben suchte und sich dafür einsetzte, dass andere Künstler gefördert werden, gründeten wir 2005 die Ilse-Hannes-Gesellschaft.“

Seit einigen Jahren vergibt die Gesellschaft im Andenken an die Künstlerin den Ilse-Hannes-Preis, mit dem Kulturdezernent Felix Semelroth zur heutigen Eröffnung der Jubiläumsausstellung Nicole van den Plas um 20 Uhr im Nebbienschen Gartenhaus auszeichnet. Die belgische Künstlerin studierte von 1973 bis 1978 an der Städelschule, wo sie die Abendschule leitete. Eine Ehrung ganz im Sinne von Ilse Hannes, wie Hansert durchblicken lässt: Denn Nicole van den Plas habe zwar in der Kunst einen Namen, jedoch diesen Preis in der Spätphase ihres Lebenswerks trotzdem verdient.

„Zu meinen Lieblingsbildern von Ilse Hannes gehört das Ölgemälde ,In Blau’, das sie mir vor einigen Jahren schenkte“, erklärt Hansert. Eine typische Komposition mit der Farbe der Sehnsucht und der Ferne. Oder das helle und farbenfrohe Aquarell „Lichtbogen“ oder die Zeichnung „Schlupfwespe“: „Hier sieht man tatsächlich das Insekt , das sich aus den vielen Schattierungen heraushebt“, sagt Hansert. Doch es brauche etwas Ruhe und Meditation, um es richtig zu erkennen.

Hansert hatte ein sehr persönliches Verhältnis zu Ilse Hannes: „Ich lernte sie erst recht spät kennen, doch sie freundete sich dann schnell mit meiner Familie an“, berichtet er. „Wir unternahmen viel zusammen, für meine Kinder war sie fast wie eine Oma.“ Groß war die Freude, als Hansert zum 90. Geburtstag eine Ausstellung mit ihr und dem Institut für Stadtgeschichte im Karmeliterkloster eröffnen konnte. Und groß war der Schock, als sie wenige Monate später, kurz vor einer zweiten Jubiläumsausstellung zusammen mit der Heussenstamm-Stiftung, nach einem schweren Sturz in ihrem Haus in der Römerstadt starb: „Dabei hatte die Künstlerin noch am selben Morgen mit einem neuen Aquarell begonnen“, erinnert sich Hansert.

Ilse Hannes wurde am 14. Juni 1916 in Swinemünde (heute Swinoujscie) geboren, absolvierte von 1933-35 zunächst eine Ausbildung als Kindergärtnerin in Berlin. „Während dieser Zeit kam sie bereits mit der Kunst in den Berliner Museen in Berührung“, sagt Hansert. Kriegsbedingt wurde sie zur Helferin beim Deutschen Roten Kreuz und als Nachrichtenhelferin bei der Wehrmacht ausgebildet und in Frankreich und Norwegen eingesetzt, wo sie 1943 den Frankfurter Maler und Kunsterzieher Walter Schmidt kennenlernte und später heiratete.

Nach dem Krieg folgte sie Schmidt nach Frankfurt, wo sie sich verschiedene Kunstrichtungen zunächst autodidaktisch aneignete und ab 1951 ein Kunststudium an der Staatlichen Werkakademie in Kassel absolvierte. In den Folgejahren arbeitete sie als Kunsterzieherin an verschiedenen nordhessischen Schulen – unter anderem an der Melanchthon – Schule in Steinatal, wo bis heute ein großes Holzbild mit einem Lebensbaum die dortige Andachtshalle schmückt.

„Es ist erstaunlich, welch breites Spektrum an Techniken ihr Lebenswerk umfasst“, stellt Hansert fest. „Malerei, Zeichnung, Aquarelle, Gouachen und Collagen, überall fühlte sie sich zu Hause.“ Manche der Kunstwerke im Nebbienschen Gartenhaus muten recht alltäglich an, da sie für die Collagen auch Gebrauchsmaterialien wie Küchenpapier verwendete. Doch ihr Spätwerk widmete sie auch dem Thema „Macht und Ohnmacht“, wo sie auch Erinnerungen an die Nazizeit verarbeitete. „Daher wissen wir, dass sie mit dieser frühen Periode ihres Lebens sehr reflektiert umging“, erklärt Hansert abschließend.

Die Ausstellung ist bis 3. Juli dienstags bis sonntags von 12 bis 18 Uhr im Nebbienschen Gartenhaus in der Bockenheimer Anlage 1 zu sehen.

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