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Abwärme heizt das neue Quartier im Gallus

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Instone-Geschäftsführer Ralf Werner, BVK-Manager Markus Amann und Frankfurts Planungsdezernent Mike Josef (von links) legten den Grundstein im Gallus-Viertel. FOTO: Instone
Instone-Geschäftsführer Ralf Werner, BVK-Manager Markus Amann und Frankfurts Planungsdezernent Mike Josef (von links) legten den Grundstein im Gallus-Viertel. FOTO: Instone © Instone

Das Viertel mit 1300 Mietwohnungen und dem Namen "Franky" soll 2025 bezogen werden. Es ist dann das größte mit der Wärme eines Rechenzentrums beheizte Stadtviertel Deutschlands.

Frankfurt -Auf dem früheren Avaya-Areal, einer Industriebrache im Südwesten des Frankfurter Gallusviertels, sind die Arbeiten am Freitagnachmittag schon deutlich weiter fortgeschritten, als das bei einer symbolischen Grundsteinlegung üblich ist. Ein Teil der Gebäude, die auf dem gut fünf Hektar großen Gelände entstehen, ist bereits drei Geschosse in die Höhe gewachsen. Trotzdem wird es noch etwa drei Jahre dauern, bis die mehr als 1300 Mietwohnungen, die der börsennotierte Projektentwickler Instone auf der langjährigen Brache errichtet, bezogen werden können. Zunächst ist der erste Bauabschnitt mit rund 650 Wohnungen dran.

"Franky": Von hoch verseucht zu extra nachhaltig

Instone-Geschäftsführer Ralf Werner spricht in der riesigen Baugrube an der Kleyerstraße von einem "Leuchtturmprojekt", das ökologisch Maßstäbe setzen werde. "Hier war mal ein hoch verseuchtes Industrieareal", sagt er. Nun entstehe ein großes Wohnquartier, das zu 80 Prozent mit der Abwärme des angrenzenden Rechenzentrums geheizt werde. 30 bis 35 Grad hat die Luft, die ab 2023 von dort ins Quartier fließen soll, Telehouse hat sich für mindestens 15 Jahre verpflichtet. Jährlich soll der Deal rund 440 Tonnen Kohlendioxid sparen.

Die Idee stammt von Béla Waldhauser, dem Chef des Rechenzentrums: Schon zu Telenorma-Zeiten habe es diese Kooperation bei der Wärmeversorgung gegeben, die Rohre seien nach wie vor vorhanden - also habe er die Chance ergriffen, das Rechenzentrum nachhaltiger zu gestalten.

Langjähriger Streit mit Frankfurter Rechenzentren-Betreiber beigelegt

Der Frankfurter Planungsdezernent Mike Josef (SPD) spricht gar vom bundesweit größten Projekt, das auf diese Weise gespeist werde - und weist darauf hin, dass es gelungen sei, den langjährigen Streit mit einem Rechenzentren--Betreiber so beizulegen, dass eine vernünftige Lösung herausgekommen sei. Das Projekt sei zudem ein "wichtiger Beitrag gegen den Wohnraummangel" in Frankfurt.

Werner betont, dass sich die 350 bis 400 geförderten Wohnungen, die in dem Viertel entstehen, auf die Fläche verteilen. Das sei nicht unbedingt üblich. In der Tat sind einige Quartiere so geplant, dass sich die teuren Wohnungen und die Sozial- und Mittelstandswohnungen in verschiedenen Teilen des Viertels befinden.

Die Wohnungen sind bereits seit 2019 verkauft. Jahre vor ihrer Fertigstellung hat sich die Bayerische Versorgungskammer das Großprojekt gesichert. Für diese verspricht Markus Amann ein "Wohnen für alle" im Quartier, das nun unter dem Namen "Franky", einer "liebevollen Abkürzung von Frankfurt", beworben wird, die für "Internationalität und Heimatverbundenheit" stehen soll. Bisher war das Quartier unter dem Namen "Westville" bekannt.

Neues Frankfurter Viertel ist gut angebunden

Josef nannte das Konversionsprojekt charakteristisch für den Wandel des Gallusviertels. Allein südlich der Mainzer Landstraße sind dort auf früher gewerblich genutzten Flächen innerhalb von wenigen Jahren mehr als 1000 neue Wohnungen entstanden.

Das neue Viertel sei gut angebunden und biete die nötige Infrastruktur, sagte Josef. Drei Kitas entstehen, sechs Spielplätze, und die Ackermannschule wird erweitert. Geplant sind auch Gewerbe- und Einzelhandelsflächen. So soll etwa am zentralen Platz des neuen Quartiers ein Discounter zu finden sein. Insgesamt sind 1100 Parkplätze vorgesehen, davon ein Fünftel mit Lademöglichkeit für E-Autos..

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