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Acht Antworten zum neuen Masterplan Mobilität für Frankfurt

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Von: Dennis Pfeiffer-Goldmann

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U-Bahn, Auto und Radfahrer in der Eckenheimer Landstraße: Wie der Verkehr in Frankfurt strategisch weiterentwickelt wird, sollen die Bürger direkt mitbestimmen.
U-Bahn, Auto und Radfahrer in der Eckenheimer Landstraße: Wie der Verkehr in Frankfurt strategisch weiterentwickelt wird, sollen die Bürger direkt mitbestimmen. © Christoph Boeckheler

Von nächster Woche an erarbeitet die Stadt Frankfurt eine neue Langfrist-Strategie für den Verkehr. Bürger können ganz direkt mitwirken.

Frankfurt -Die Frankfurter sind von kommender Woche an gefragt, sich beim Erarbeiten des neuen Gesamtverkehrsplans für die Stadt zu beteiligen. Neu ist nicht nur die Beteiligung: Zum ersten Mal überhaupt stellt die Stadt einen Masterplan Mobilität auf. Der gibt die langfristige Strategie vor, wie sich der Verkehr bis in die 2030er Jahre hinein entwickeln soll.

Was ist der Masterplan Mobilität?

"Um unsere Stadt zukunftsfähig zu machen, ist ein Gesamtkonzept für eine nachhaltige Entwicklung von Mobilität und Verkehr dringend erforderlich", erklärt Mobilitätsdezernent Stefan Majer (Grüne). Der Masterplan Mobilität ist eine Weiterentwicklung der bisherigen Gesamtverkehrspläne der Stadt. Sie geben für zehn Jahre vor, wie sich der Anteil von Auto-, Nah-, Rad- und Fußverkehr entwickeln soll und wo dafür was gebaut werden muss. Der Plan ist dann die Grundlage für die Entscheidungen der Stadt zu Planung und Finanzen, er gibt somit der Verwaltung die operativen Aufgaben vor.

Was ist das Besondere am neuen Masterplan?

Bisher wurden Gesamtverkehrspläne von der Verwaltung und Fachleuten aufgestellt nach politischen Vorgaben, am Ende beschließen die Stadtverordneten den Plan. Der Masterplan bindet nun auch Bürger direkt ein: Sie sollen diskutieren und einen gesellschaftlichen Konsens finden über die langfristigen Ziele der Verkehrsentwicklung. "Mit dem neuen Prozess stellen wir die Bedürfnisse des Menschen in den Mittelpunkt", erklärt Majer. Zudem sollen transparente Regeln für den Umgang mit Zielkonflikten entwickelt werden - Beispiel: Werden bei Grünphasen an Kreuzungen Straßenbahn, Radfahrer oder Fußgänger bevorzugt?

Wann und wie können Bürger direkt mitwirken?

Drei öffentliche Mobilitätsforen soll es geben, das erste am 11. Januar (Dienstag) digital. An diesem Tag geht es zuerst um den Status quo der Mobilität in der Stadt. Frankfurter, Pendler und Fachöffentlichkeit können dabei mitmachen.

Wie wird der Masterplan erarbeitet?

Bis Ende des Jahres soll der Masterplan fertig sein. Das Verfahren hat die Stadt strukturiert: In Mobilitätsforen melden sich Bürger direkt zu Wort, parallel läuft zeitweise ein Online-Dialog. Auf frankfurt.de wird kontinuierlich offen informiert. Eine Gruppe zufällig ausgeloster Bürger, die die Stadtgesellschaft abbilden, kommt zusätzlich zusammen. Ein Fachbeirat sichtet und reflektiert beständig die Ergebnisse und den Prozess. Verbände und Behörden geben Stellungnahmen ab.

Was hat sich seit dem vorigen Plan getan?

Den jüngsten Gesamtverkehrsplan beschlossen die Stadtverordneten 2005 für die Zeit bis etwa 2015. Er war bereits sehr fortschrittlich mit verkehrsmittelübergreifenden Strategien und sah zum Beispiel vor, den Anteil des Radverkehrs von fünf auf zehn Prozent zu erhöhen. Der lag dann 2018 sogar bei 20 Prozent.

Einiges aus dem 2005er-Plan wurde umgesetzt wie die Sperrung der Straße an der Hauptwache für Autos, der Bau der Osthafenbrücke, die Straßenbahn in den Frankfurter Bogen, der Umbau der U5-Strecke in der Eckenheimer Landstraße und der Fernbusbahnhof. Auch hat das damals vorgeschlagene Radfahrbüro den Ausbau der Infrastruktur für Radfahrer massiv vorangetrieben.

Welche Projekte warten noch auf Realisierung?

Manches von 2005 ist heute bestenfalls im Bau wie die U5 ins Europaviertel, anderes noch immer im Planung: U4-Lückenschluss, Ringstraßenbahn, Regionaltangente West, U2-Verlängerung zum Bad Homburger Bahnhof. Viele Vorhaben aber stehen weiterhin nur auf der Wunschliste: die U5 zum Frankfurter Berg, die Tram 11 zum Höchster Bahnhof, der Ausbau der Tram-Haltestelle Konstablerwache, eine A5-Anschlussstelle Höhe Europaviertel, die Ortsumfahrung Praunheim und die Westumgehung Bergen.

Welche Probleme sind besonders drängend?

Um die Klimaziele von Paris zu erreichen, müssen saubere Verkehrsmittel stärker gefördert werden. Zugleich wird erwartet, dass die Stadtbevölkerung bis 2030 auf sogar 810 000 Menschen ansteigt, die dann ebenfalls mobil sein werden. In U-Bahnen aber ist es jetzt schon recht voll, doch große Ausbauvorhaben brauchen nicht selten ein Jahrzehnt oder mehr. Und soll mehr Platz geschaffen werden für Radfahrer und Fußgänger, muss Raum für Autos wegfallen wie auf der Friedberger Landstraße. Konflikte deswegen gibt es längst wie im Oeder Weg.

Was hat sich durch Corona geändert?

Die Pandemie hat zwar für einen Boom des Radverkehrs gesorgt. Doch ist die noch wichtigere Alternative zum Auto ins Abseits geraten: der Nahverkehr für den Massentransport. Auf nur zwei Drittel des Vor-Corona-Niveaus haben sich die Fahrgastzahlen in U-Bahnen, Trams und Bussen bis November 2021 erholen können, sagt die städtische Nahverkehrsorganisation Traffiq. Schon vor Covid-19 (2013 bis 2018) war der Nahverkehrsanteil am gesamten Verkehr von 22 auf 21 Prozent gesunken, der Autoverkehr nur von 35 auf 33 Prozent. (Dennis Pfeiffer-GoldMann)

Vorher anmelden fürs Forum

Das erste Mobilitätsforum für den Masterplan Mobilität läuft am Dienstag (11. Januar) von 17 bis 19.45 Uhr rein als Videokonferenz. Teilnehmer müssen sich unter frankfurt.de/masterplan-mobilitaet vorab anmelden.

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