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Tödliche Unfälle

ADFC kritisiert "grottenschlechte" Radwege

Mehrere tödliche Unfälle haben sich in den vergangenen Wochen in Hessen ereignet. Woran fehlt es - grundsätzlich - auf hessischen Straßen? Und was können Radfahrer tun, um sich zu schützen? Susanne Neumann vom ADFC Frankfurt gibt Antwort.

Am 13. August ist ein 33-jähriger Radfahrer bei einem Unfall nahe Pfungstadt tödlich verletzt worden. Am 11. August starb ein achtjähriges Kind nach einem Unfall in Dieburg; am 2. August erlitt ein 60-jähriger Radfahrer in Frankfurt tödliche Verletzungen, als er von einem Lastwagen erfasst wurde.

Wie gefährlich ist das Radfahren im Straßenverkehr? Was müsste getan werden, um die Sicherheit für Fahrradfahrer zu erhöhen? Und was können Radfahrer jetzt schon unternehmen? Susanne Neumann, Pressesprecherin des , gibt Antworten.

Frau Neumann, warum sind Fahrradfahrer im Straßenverkehr so gefährdet? Neumann: Radfahrer haben keinen Schutz. Keine Karosserie, keine Knautschzone, keinen Airbag. Kommt es zum Unfall, sind sie unmittelbar betroffen - und entsprechend höher ist die Verletzungsgefahr. Das gilt für Fußgänger natürlich genauso.

Was müsste getan werden, um das Radfahren - gerade im Stadtverkehr - sicherer zu machen? Neumann: Die Infrastruktur muss verbessert werden. Die ist nur in den seltensten Fällen zufriedenstellend. Oft müssen Radfahrer sich mit Wegen abgeben, die viel zu schmal sind, oder holprig. Und wenn es doch mal einen Radweg gibt, dann steht früher oder später ein Auto drauf, weil jemand sich denkt: Da kann man ja super drauf parken. Dementsprechend müssen Radfahrer im Stadtverkehr ständig auf die Straße ausweichen. Und das ist gefährlich. Gerade in Frankfurt kommt das sehr oft vor. So eine Initiative wie der Radentscheid kommt ja nicht ohne Grund. Oft sind die Radwege grottenschlecht. Nun ist uns natürlich klar, dass man die Radwege in Frankfurt nicht mal eben komplett neu anlegen kann - aber die Stadt sollte sich schon fragen, ob das Auto wirklich überall Priorität haben muss. Muss es ständig zwei Spuren fürs Auto geben, aber null fürs Rad? Da wäre durchaus was machbar.

Was können Radfahrer jetzt schon tun, um sich zu schützen? Neumann: Das Einzige, was meiner Ansicht nach immer funktioniert ist, jederzeit damit zu rechnen, dass Autofahrer Fehler machen. Sie vergessen beim Rechtsabbiegen den Schulterblick oder halten den Mindestabstand von 1,50 Meter zum Radfahrer nicht ein. Das passiert ständig. Entsprechend sollten Radfahrer im Straßenverkehr sehr defensiv fahren. Damit kommt man relativ sicher durch Frankfurt.

Susanne Neumann ist Pressesprecherin des ADFC Frankfurt.

Das Gespräch führte Christophe Braun

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