In der Mensa der Helmholtzschule in Frankfurt gibt es zwei UV-Lichtfilter - das ist derzeit mit Abstand das Beste, was es derzeit auf dem Markt gibt, um Bakterien und Viren zu filtern.
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In der Mensa der Helmholtzschule in Frankfurt gibt es zwei UV-Lichtfilter - das ist derzeit mit Abstand das Beste, was es auf dem Markt gibt, um Bakterien und Viren zu filtern.

Corona

Heftige Vorwürfe wegen fehlender Luftfilter in Frankfurter Schulen

  • VonMark-Joachim Obert
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Ein Herbst mit gefährlichen Corona-Mutationen droht. Doch in vielen Schulen in Frankfurt fehlen weiterhin Luftfilter.

Frankfurt – Frankfurts Schulen rüsten sich nur langsam gegen weitere Varianten der Corona-Pandemie und für die Zukunft mit vielleicht noch ganz anderen Viren. Zu den technischen Waffen, die eine Chance böten, aus dem Lockdown-Karussell mit digitalem Distanzunterricht und Homeschooling herauszukommen - die nächste Runde im Herbst droht wegen der Delta-Variante - gehören Luftfilter jeglicher Art.

Wie überall in Deutschland sind auch in Frankfurt nur zehn Prozent der Klassen- und Aufenthaltsräume damit ausgestattet. Hauptgrund dafür: Die Unterstützung aus Politik und Verwaltung ist dürftig. Bislang jedenfalls. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat nun unlängst ein Förderprogramm aufgelegt. Das grenzt allerdings stark ein: Geld vom Bund gibt es nur für fest eingebaute Luftfilteranlagen und für jene Klassenräume, in denen Kinder bis zum 12. Lebensjahr unterrichtet werden, also für die Klassen bis maximal Jahrgangsstufe 7.

Frankfurt: Für Jüngere soll es Luftfilter an Schulen statt Impfung geben

Allein diese Beschränkung sorgt bei Schulleitern, im Stadtelternbeirat und auch im Frankfurter Schülerrat für Kopfschütteln. Schließlich seien es ja eher die älteren Jahrgänge, die womöglich stark zum Pandemiegeschehen beitragen könnten, heißt es unisono. "Wollen wir die Delta-Variante abwehren, müssen wir die Schulen komplett ausstatten und alle Schüler und Lehrer schützen", sagt Hannes Kaulfersch vom Stadtschülerrat.

Spart der Bund am falschen Ende? Gerrit Ulmke, Leiter des Gymnasiums Helmholtzschule, kann es sich nur so erklären: "Für die Jüngeren gibt es keinen Impfstoff, deshalb sollen die wohl zunächst mehr geschützt werden mit Luftfiltern." Eine Lehrerin aus einer anderen Frankfurter Schule erhebt mit derselben Vermutung schwere Vorwürfe und will deshalb namentlich nicht erwähnt werden: "Es ist unfassbar unethisch, auf diese Weise Druck auf die Eltern älterer Schüler auszuüben, ihre Kinder bitteschön impfen zu lassen."

Frankfurt: Wo Eltern in den Schulen anpacken, klappt es mit den Luftfiltern

Dass an manchen Schulen bereits Filtergeräte in vielen Klassenräumen im Einsatz sind, ist nicht das Verdienst des für Schulgebäude und ihre Ausstattung zuständigen Trägers, der Stadt. An der Wöhlerschule am Dornbusch etwa hat der Förderverein Eltern um Spenden gebeten, zusammengekommen ist eine hohe fünfstellige Summe. Nun werden sukzessive Geräte angeschafft.

Mittlerweile tun dies vielerorts engagierte Elternschaften mit der Erlaubnis der Stadt. Die hatte sich im Herbst vergangenen Jahres nämlich noch gegen Luftfilter ausgesprochen. René Gottschalk, bis 31. Mai Leiter des Gesundheitsamtes, hatte sie als bedenklich und wenig nützlich eingestuft. Raumluft-Wissenschaftler, manche spezialisiert auf Aerosole, sehen das komplett anders. Die Stadt prüfte auf Druck aus der Elternschaft schließlich verschiedene Geräte und gab für solche mit Mindeststandard ihr Okay.

Manchen Schulen aber hilft das nicht weiter. Besonders an Hauptschulen gibt es keine Fördervereine mit wohlhabenden Eltern. Und auch im Ostend, wo die Helmholtzschule beheimatet ist, können Eltern nicht einfach mal so auf die Schnelle an die 50 000 Euro sammeln, die es tatsächlich braucht, um die Klassen mit hochwertigen Luftfiltergeräten zu versorgen, sagt Gerrit Ulmke.

Luftfilter von Heraeus für Schulen: Warten auf Anfrage aus Frankfurt

Der Schulleiter und sein Kollegium, die von Beginn an in der Pandemie für ein weites Medienecho sorgten, weil sie nicht jammern, sondern anpacken, haben auch aus dieser Misere einen zumindest halbwegs guten Weg gefunden. Beim Hersteller von UV-Lichtfiltern Heraeus in Hanau haben sie sich zwei solche Geräte für ihre Mensa ausgeliehen und an der Decke montiert.

Zwar habe auch hier die Stadt erst einmal auf einer Unbedenklichkeitsprüfung bestanden, dann aber immerhin dafür schnell zwei Sachverständige geschickt. Dass UV-Lichtfilter aktueller Bauart unbedenklich sind, hat im August bereits das Fraunhofer Institut für Bauphysik nachgewiesen. Dennoch hat sich bis heute bei Heraeus niemand von der Stadt Frankfurt gemeldet und Interesse signalisiert.

Geld aus Berlin ist da, aber von der Stadt Frankfurt fehlt Unterstützung

So ruht für den Moment die größte Hoffnung auf dem Geld aus Berlin für fest installierte Luftfilteranlagen. Den Stadtelternbeirat umtreibt jedoch erneut das Gefühl, dass da vom Schulträger Stadt wenig Unterstützung kommt. "Wir vermissen nach wie vor einen Plan, Perspektive Transparenz", sagt Rafaela Hartenstein. Einen Plan vor allem für ein Problem, das viele Schulen in alten Gebäuden haben: Denn die müssten bis in die Haustechnik aufwendig umgebaut werden, um Luftfilteranlagen installieren zu können.

Günter Murr vom zuständigen Baudezernat macht klar, dass das dauert und im kommenden Pandemie-Herbst schon gar nicht zu stemmen ist. Nicht nur Stadtelternbeirätin Hartenstein wünschte sich deshalb eine Zwischenlösung mit mobilen Filtergeräten - mit zügiger Unterstützung vom Bund, vom Land, von der Stadt oder am besten von allen gemeinsam. "Aber dazu fehlt einem längst der Glaube." (Mark Obert)

Die Corona-Pandemie trifft vor allem Schülerinnen und Schüler hart. Besonders sozial benachteiligte Kinder leiden unter den Einschränkungen und Maßnahmen.

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