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Dhurjati Paul, Kevin de Silva und Stephan M.G. Schäfer (v. li.) präsentieren das Lehrbuch, das sie als Studenten geschrieben haben.

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Ärzte starten mit Lehrbuch durch

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Medizinstudenten schreiben ein Lehrbuch der Physiologie und haben damit Erfolg: Viele angehende Ärzte in Frankfurt lernen mit dem Buch. Jetzt soll es bundesweit verbreitet werden. Ein Verlag wurde gegründet, dessen Gewinne der Deutschen Kinderkrebsstiftung zugute kommen.

Fester Einband, 540 gebundene Seiten, schwer wie ein Brikett und auch sonst ziemlich schwere Kost: Das Lehrbuch „Physiologie des Lebens“ ist trotzdem ein Renner bei Frankfurts Medizinstudenten. Acht von zehn nutzen dieses Buch, lernen damit. Geschrieben haben es drei junge Ärzte noch als Studenten. „Es gab kein Lehrbuch von Studenten für Studenten, das die Physiologie ohne Ballast erklärt“, sagt Dr. Dhurjati Paul (27), seit einem Jahr in Gelnhausen als Arzt tätig. Dr. Kevin de Silva (26) ergänzt: „Es war viel Arbeit. Aber wir sind sicher, dass das Buch jetzt gut genug ist, in ganz Deutschland Verbreitung zu finden.“ Und nicht nur in Frankfurt.

Erste Exemplare hat de Silva schon in Universitätsbuchhandlungen in Bayern ausgelegt. Und Stephan M.G. Schäfer ergänzt: „Wir vertreiben das Buch auch online. Da finden wir interessanterweise in Hannover viele Kunden.“ Schäfer (27) muss seine Doktorarbeit noch abgeben und seine mündliche Prüfung ablegen. Er arbeitet derzeit als Arzt im Praktikum.

Die drei sind Freunde. Schon vor sechs Jahren beim Studienbeginn begannen sie Werke zu publizieren. „Wir mussten ohnehin Skripts anfertigen und am Ende des Semesters jeweils Stoff frei vortragen“, sagt Schäfer. „Wir waren gut. Kommilitonen haben uns gebeten, die Skripts zu veröffentlichen“, ergänzt de Silva. So begann es – anfangs mit PDFs, die über den Uni-Server heruntergeladen werden konnten. Im Laufe der Jahre sammelten sich die Beiträge für das Lehrbuch, das seit 2016 in kleiner Stückzahl bei Bedarf gedruckt wird.

Es ist keine leichte Kost, welche die drei in möglichst prägnanten und verständlichen Sätzen vermitteln. Es gibt Formeln in dem Buch, Summenzeichen, doch wo es besonders drastisch wird, sind auch witzige kleine Comicszenen eingestreut oder Dialoge aus der US-Serie „Big Bang Theory“. Eben alles so anschaulich wie möglich, ohne deswegen flach zu werden.

Physiologie erklärt, wie der Körper funktioniert, was die Zellen tun, wie die Wege des Stoffwechsels sind. „Wenn man die Physiologie verstanden hat – und man kann es wirklich verstehen –, kann man sich vieles herleiten und erklären, was man später als Arzt an Krankheiten sieht“, sagt de Silva. Er selbst sucht zurzeit eine Stelle im Hals-Nasen-Ohren-Bereich.

Bei den Professoren in Frankfurt kommt das Lehrbuch unterschiedlich gut an. Die einen finden es toll, die anderen ignorieren es. „Aber die Studenten arbeiten alle damit“, sagt de Silva. Fast alle. „Sie tun das, was wir damals auch getan haben: Sie fragen, womit die Studenten im Semester zuvor gelernt haben und ob sie Erfolg hatten in der Prüfung.“ Genau deshalb ist das Buch längst kein Geheimtipp mehr, genau deshalb soll es jetzt möglichst bundesweit verbreitet werden. „Wir sind jetzt so weit, dass wir glauben, Studenten bestehen die Prüfungen überall, wenn sie mit unserem Buch lernen“, ist de Silva überzeugt. Zwar sei die Physiologie überall gleich, doch jede Universität lege in der Prüfung etwas andere Schwerpunkte.

Rund 1000 Exemplare haben die drei inzwischen verkauft, zum Preis von je 37,50 Euro. „Wir habe eine Firma gegründet, einen Verlag“, so Paul. DPS Medical heißt er. Ein Verlag, der Geld braucht. Nicht zuletzt, weil die drei jungen Mediziner noch viel vorhaben mit ihrem Lehrbuch: Paul denkt daran, die Inhalte der einzelnen Kapitel als App zu verbreiten, und dafür braucht es Informatiker. Wenn dennoch etwas übrig bleibt, überweisen die Ärzte es an die Deutsche Kinderkrebsstiftung. Sie wollen anderen helfen.

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