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Dr. Aristotelis Kaisidis demonstriert das Vorgehen bei der Gelenkspiegelung am Schultermodell.

Ärzte trainieren im rollenden Operationslabor

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Weil sich die Medizin rasant fortentwickelt, müssen sich Ärzte ständig weiterbilden. Besonders bequem geht das, wenn das Trainingslabor direkt vor der Klinik Station macht. Mit drei Operations-Trucks tourt der amerikanische Medizintechnikhersteller Arthrex durch Europa. Jüngster Stopp: die Frankfurter Rotkreuz-Kliniken.

Das schwarze Ungetüm, das auf dem Parkplatz der Klinik Maingau vom Deutschen Roten Kreuz steht, hat ein ungeahntes Innenleben: Auf metallenen Tischen liegen fein säuberlich aufgereiht Skalpelle und Bohrer, Zangen, Pinzetten und weiteres medizinisches Gerät. Während Dr. Aristotelis Kaisidis mit dem Arthroskop (ein Endoskop speziell für Gelenkspiegelungen) im Schulter-Modell herumkurvt, das am Tisch vor ihm montiert ist, können die Umstehenden auf einem Bildschirm jeden Handgriff des Chirurgen verfolgen.

Der schwarze Lastwagen des US-amerikanischen Medizintechnik-Herstellers Arthrex ist ein rollendes Trainingslabor für Ärzte und medizinisches Personal, ausgestattet mit allem, was es in einem richtigen Operationssaal auch gibt. Und mit noch ein wenig mehr: Im Gepäck hat der Truck neben Leichenteilen zum möglichst realistischen Üben nämlich auch die neuste Medizintechnik. Weil die Entwicklung hier rasant voranschreitet – allein Arthrex bringt pro Jahr zwischen 100 und 300 neue Produkte auf den Markt –, müssen sich Ärzte regelmäßig weiterbilden. „Als Klinik für Schulterchirurgie sind wir Maximalversorger. Wir bekommen viele Fälle von anderen Kliniken zur Revision. Da darf nichts schiefgehen. Wir müssen alle Techniken sehr gut beherrschen“, betont Kaisidis.

Da kommt das mobile Trainingslabor wie gerufen, denn ohne großen Aufwand ist auf einen Schlag die gesamte Mannschaft auf dem neusten Stand. „Sonst kann ich höchstens zwei oder drei Mitarbeiter gleichzeitig auf eine Fortbildung schicken“, erklärt der Chefarzt. „So ist es sehr komprimiert.“ An den beiden Arbeitsplätzen können je zwei Leute gleichzeitig üben und bekommen dabei hilfreiche Tipps von einem „Instructor“ (Anleiter), der ebenfalls zum Truck-Inventar gehört.

Der Zeitplan an diesem Tag ist straff: 28 Mitarbeiter – viele davon Ärzte, einige OP-Kräfte – gilt es binnen kurzer Zeit durchzuschleusen. Eineinhalb Tage lang macht der Truck an der Klinik Maingau Station, dann geht es schon wieder weiter nach Süddeutschland, zum nächsten Krankenhaus. Eine, die ganz begeistert ist vom „Mobile Lab“, ist Annette Lutz. „Ich finde es toll, dass wir als Pflegepersonal die Möglichkeit haben, das mal auszuprobieren. Es ist spannend zu sehen, was für ein Kraftaufwand notwendig ist, um überhaupt erst in das Gelenk hineinzukommen“, schwärmt die OP-Leiterin der Rot-Kreuz-Kliniken.

In den USA sind „Mobile Labs“ längst weit verbreitet, hierzulande gibt es bislang nur einige wenige. Arthrex – nach eigenen Angaben der weltweit führende Hersteller arthroskopischer Instrumente und Implantate – tourt derzeit mit drei Trucks durch Europa. Für die Kliniken ist das Angebot kostenlos, doch längst nicht jedes Krankenhaus kommt in den „Genuss“ dessen, was Kaisidis als „Sechser im Lotto“ bezeichnet. Immerhin: Vor wenigen Wochen hat das mobile Trainingslabor schon einmal in Frankfurt am Main Station gemacht. Damals ging es an der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik (BGU) um Neuerungen in der Hand- und Fuß-Chirurgie.

(stef )

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