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Im Riedbergzentrum gibt es ein Ärztehaus mit Fachmedizinern, doch der Besuch eines Hausarztes gestaltet sich im jungen Stadtteil im Norden der Stadt schwierig.

Zwei Allgemeinmediziner im Stadtteil reichen nicht aus

Ärztemangel am Riedberg

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Abgewiesene Notfälle und Patienten, die keinen Hausarzt finden – auf dem Riedberg häufen sich die Beschwerden über zu wenig Ärzte. Trotzdem plant die Kassenärztliche Vereinigung Hessen keine weiteren Ärzte zuzulassen. Weil die Stadt Frankfurt insgesamt überversorgt ist.

Stellen sie sich vor, sie sind auf den Riedberg gezogen und brauchen einen Hausarzt. Am besten direkt im Stadtteil. Das könnte sich schwierig gestalten – auf die rund 12 000 Bewohner in Frankfurts jüngstem Stadtteil kommen nämlich gerade einmal zwei Hausärzte. Und die haben viel zu tun. So viel, dass es vermehrt Klagen über die mangelnde ärztliche Versorgung gibt.

„Ich höre immer wieder, dass zahlreiche Patienten, auch Notfälle, von den Ärzten abgewiesen werden. Mit der Begründung, es gebe keine Kapazitäten mehr“, weist Ortsvorsteherin Carolin Friedrich (CDU) darauf hin, dass vermehrt Neu-Riedberger, aber auch viele ältere Menschen mit diesem Problem konfrontiert seien. Ein entsprechender CDU-Antrag in der nächsten Sitzung des Ortbeirates 12 (Kalbach, Riedberg) soll die Schwierigkeiten nun in den Fokus rücken. „Wir wollen die Kassenärztliche Vereinigung zum Nachdenken bewegen, einen weiteren Arzt auf dem Riedberg zuzulassen. Bei Fachärzten haben wir durch die Eröffnung des entsprechenden Zentrums keine Probleme, bei den Hausärzten allerdings schon“, so Friedrich mit Blick darauf, dass die Einwohnerzahl auf dem Riedberg in den kommenden fünf Jahren um 5000 Menschen steigen soll.

Auch den zwei Hausärzten auf dem Riedberg sind die Beschwerden bekannt, allerdings wird die Lage dort als „nicht dramatisch“ eingeschätzt. Zumal es ja auch im benachbarten Kalbach oder in der Nordweststadt Hausärzte gebe. Dass Patienten, auch in Notfällen, abgewiesen werden mussten, wurde nicht bestätigt. Im Gegenteil. „Wir nehmen sogar noch Patienten auf“, heißt es. Sicher sei allerdings, dass die derzeit zwei Hausärzte in Zukunft nicht ausreichen werden. Im Gegenteil. In diesem schnell wachsenden Stadtteil würden in den kommenden Jahren mehr Ärzte benötigt, um den Bedarf zu decken.

Konkrete Überlegungen gibt es bei der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) momentan allerdings nicht. Weil die Versorgung nicht für den Stadtteil, sondern für einen sogenannten Mittelbereich berechnet wird. „Der besteht aus der Stadt Frankfurt sowie den Gemeinden Kelsterbach und Bad Vilbel. Dort besteht eine Überversorgung“, erklärt KVH-Sprecher Karl Roth. In Frankfurt sei auf 1766 Einwohner ein Hausarzt erforderlich – daraus errechne sich ein Versorgungsgrad von 116,63 Prozent. Allerdings gelte ein Planungsbereich mit 110 Prozent als überversorgt. Und das treffe eben auf Frankfurt zu.

Beschwerden, dass Patienten auf dem Riedberg immer wieder abgewiesen werden, liegen der KVH nicht vor. „Grundsätzlich gilt, dass Patienten eine gewisse Wegstrecke zumutbar ist und eventuelle Hausbesuche beispielsweise für immobile Patienten möglich sind. Eine Planung auf Ortsteilebene sieht die Bedarfsplanung, die bundeseinheitlich durch eine Richtlinie geregelt wird, nicht vor.“ Damit schließt Roth aus, dass der Ärzte-Bedarf explizit für den Riedberg berechnet werden könnte.

Auch Carolin Friedrich weiß, dass es schwierig ist, die hausärztliche Versorgung auf dem Riedberg zu verbessern. Trotzdem findet sie es wichtig, dass sich der Ortsbeirat dafür einsetzt und das Thema immer wieder in den Fokus rückt. Schließlich habe das mit einem entsprechenden Antrag vor fünf Jahren auch funktioniert. „Damals gab es keinen Kinderarzt auf dem Riedberg, was in einem Stadtteil mit so vielen Familien eine Katastrophe ist. Die Antwort der KVH war ähnlich, trotzdem gibt es mittlerweile eine bessere kinderärztliche Versorgung. Auch wenn die mit nur einer Praxis immer noch recht dünn ist“, sieht die Ortsvorsteherin auch hier noch deutlichen Bedarf.

Der Ortsbeirat 12 beschäftigt sich mit dem Thema am Freitag, 1. Juli, ab 20 Uhr in der Grundschule Riedberg, Zur Kalbacher Höhe 15.

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