1. Startseite
  2. Frankfurt

Affenpocken in Frankfurt: Infektionsweg bleibt ein Rätsel

Erstellt:

Von: Jutta Rippegather

Kommentare

Affenpocken unter dem Elektronenmikroskop.
Affenpocken unter dem Elektronenmikroskop. © Essbauer/dpa

Hessens erster Affenpockenfall in Frankfurt wird sehr wahrscheinlich nicht der letzte sein. Davon geht nicht nur der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts aus.

Frankfurt – Der 39-Jährige war in jüngster Zeit weder verreist noch auf größeren Veranstaltungen. Wie der Frankfurter sich mit Affenpocken infiziert hat, ist bislang ein Rätsel, sagt Peter Tinnemann, der Leiter des Gesundheitsamts. Das hat eine dreiwöchige häusliche Isolation angeordnet, ermittelt nun das Umfeld des Patienten und steht in engem Kontakt mit ihm. „Es geht ihm soweit gut“, sagt der Behördenleiter.

Und dass davon auszugehen sei, dass es nicht bei diesem einen hessischen Affenpockenfall bleiben wird. „Trotzdem besteht derzeit keinerlei Gefahr für die Bevölkerung.“

Schwieriger übertragbar als Corona

Die Erkrankung ist nicht vergleichbar mit Corona, weil sie wesentlich schwieriger übertragbar ist. Und weil die derzeit in der Welt grassierende Variante längst nicht so krank macht. Von einer Pandemie ist aktuell nicht auszugehen. Gleichwohl ist der Wissensdurst in der Bevölkerung groß. So begründet Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne) seine Einladung zum Pressegespräch mit Tinnemann und der Virologin Sandra Ciesek.

Die Krankheit

Affenpocken werden vor allem von Nagetieren auf den Menschen übertragen. Selten von Mensch zu- Mensch, bei sehr engem Kontakt.

Die aktuellen Fälle sind utypisch, weil sie nicht in Zusammenhang stehen mit betroffenene Ländern: sei es durch Reisen oder Kontakte zu exportierten Tieren.

Eine Gefährdung für die Gesundheit der breiten Bevölkerung in Deutschland schätzt das Robert-Koch-Institut derzeitigen als gering ein. jur

Quelle: Robert Koch-Institut

Die Frankfurter Professorin hat in ihrem Labor an der Uniklinik das Affenpockenvirus nachgewiesen. In einer Probe, die der Hausarzt des 39-Jährigen genommen hatte. Der Patient war wegen Symptomen einer Viruserkrankung in die Praxis gekommen – Fieber und Schüttelfrost. Außerdem gab es Veränderungen auf der Haut, berichtet Tinnemann. Seine Behörde habe alle Arztpraxen und Krankenhäuser der Stadt gebeten, ebenfalls aufmerksam zu sein.

Affenpocken

Symptome, Infektion und Impfung – Was bisher bekannt ist

Neben der Virologie der Frankfurter Uniklinik seien auch die Kolleg:innen in Marburg in der Lage, das Virus zu diagnostizieren, sagt Ciesek. Wieder handele sich um eine sogenannte Zoonose, eine Infektionskrankheit, die vom Tier auf den Menschen übertragen werde. „Das nimmt leider zu.“ Die Wissenschaft betrachte diese Folgen der Globalisierung und Zerstörung natürlicher Lebensräume mit großer Sorge. „Das Risiko einer neuen Pandemie steigt, und daran sind wir zu einem Großteil selber schuld.“

Schwieriger übertragbar als Corona

Affenpocken, sagt Ciesek, würden über ein DNA-Virus übertragen. Das sei wesentlich weniger mutationsfreudig als der RNA-Typ, der Covid auslöst. Bislang seien keine größere Veränderungen im Vergleich zu dem vor vier Jahren festgestellten Virus in Nigeria erkennbar. Die Eigenschaften änderten sich meist bei der Übertragung auf einen anderen Wirt. Auch deshalb sei es wichtig, die Ausbreitung der Krankheit zu verhindern. Harmlos sei die aktuelle Entwicklung nicht. „Ein Ausbruch in so vielen Ländern ohne Reiseanamnese ist etwas Besonderes.“

Effektive Medikamente gibt es derzeit nicht, sagt Gesundheitsamtsleiter Tinnemann. Die Beschwerden des 39-Jährigen würden wie die bei üblichen Infektionen behandelt. (Jutta Rippegather)

Auch interessant

Kommentare