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Urteilsspruch am Landgericht

Afghane wollte Rauschgift über Frankfurt nach Teheran bringen

  • VonMatthias Gerhart
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Bei seiner Ankunft am Flughafen fiel ein Opium-Kurier den Zollkontrollen quasi vor die Füße. In seinem Magen hatte sich ein Rauschgift-Päckchen geöffnet. Gestern wurde der 35-Jährige vom Landgericht zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt.

Mit letzter Kraft schleppte sich der Rauschgift-Kurier noch aus dem Flugzeug zu den Kontrollen der Bundespolizei, dann kollabierte er und musste ins Katharinen-Krankenhaus gebracht werden. Man pumpte den Magen aus und stieß auf 37 Behältnisse mit Opium, das vor allem im Orient stark konsumiert wird.

Ursprünglich sollte die Reise von Kanada über Frankfurt nach Teheran gehen. Doch die Verwandten des Kuriers warteten vergeblich auf den Besucher, der vom Krankenhaus direkt in Untersuchungshaft verlegt wurde. Die Untersuchung des ausgeschiedenen Rauschgifts ergab eine Menge von rund 600 Gramm. Durch einen Rechenfehler ging die Staatsanwaltschaft in der Anklage sogar von einer rekordverdächtigen Menge von knapp 1,9 Kilogramm Opium aus – so viel hatten auch die bisherigen „Rekordhalter“ aus Afrika noch nie geschluckt. Das vor Gericht verlesene Gutachten regulierte die Rauschgiftmenge jedoch erheblich nach unten.

Der in Afghanistan geborene Mann kann bereits auf einen bewegten Lebensweg zurückblicken. Mit drei Jahren gemeinsam mit den Eltern auf der Flucht in den Iran. Danach wieder die Rückkehr in das von den Taliban beherrschte Heimatland. Sechs Monate Geiselhaft, der sich die Flucht nach Syrien anschloss. Und dort kam der Mann schließlich in den Genuss einer Aufnahme in ein Flüchtlingskontingent der Vereinten Nationen für Kanada. Trotz des hohen Risikos, aus diesem Land wieder ausgewiesen zu werden, ließ sich der Angeklagte von dem Bekannten in Vancover überreden, das Opium zu schlucken und die Reise über den Atlantik anzutreten.

„So etwas ist absolut unerklärlich“, sagte Richter Thomas Striegl im Urteil. „Wenn das Heroin gewesen wäre, säßen Sie heute nicht mehr hier“, umschrieb er das große Glück des Angeklagten, die Komplikationen mit dem geöffneten Opium-Päckchen überlebt zu haben. „Wir haben die Vermutung, dass Sie so etwas schon öfters gemacht haben“, sagte Striegl. Doch auf Vermutungen lasse sich kein Gerichtsurteil stützen. So blieb es bei der einen Tat. Im Strafmaß blieb das Gericht damit geringfügig hinter dem Antrag der Staatsanwaltschaft von dreieinhalb Jahren zurück. Die Verteidigung hatte keinen konkreten Antrag gestellt, in ihrem Plädoyer aber besonders auf die epileptische Erkrankung des Mandanten hingewiesen, durch die er zusätzlich haftempfindlich sei.

(ge)

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