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Aggressive Stimmung bei Demo: „Querdenker“ liefern sich Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei

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Von: Sabine Schramek

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Die Stimmung bei den Querdenker-Protesten am Samstag war aggressiv. Diese Frau schreit einen Polizisten an, der seinen Schlagstock gezückt hat. Immer wieder wurden Polizisten aus den Reihen der Demonstranten attackiert.
Die Stimmung bei den Querdenker-Protesten am Samstag war aggressiv. Diese Frau schreit einen Polizisten an, der seinen Schlagstock gezückt hat. Immer wieder wurden Polizisten aus den Reihen der Demonstranten attackiert. © dpa

Die „Querdenker“-Demo in Frankfurt ist abermals von vielen Einsatzkräften der Polizei begleitet worden. Beide Parteien lieferten sich ein Katz-und-Maus-Spiel.

Frankfurt - In den vergangenen Wochen hat die Polizei „Querdenker“-Demos umgehend aufgelöst, wenn Corona-Auflagen nicht eingehalten wurden. An diesem Samstag (18.12.2021) nun haben sich Demonstranten und Polizei ein zermürbendes Katz- und Maus-Spiel geliefert.

Eine vermeintliche Gegendemo unter dem Titel „ProScience, kein Geschwurbel mehr in Frankfurt“, die mit 900 Teilnehmern für die Taunusanlage angemeldet war, parallel zur „Querdenker“-Kundgebung „Groß-Protest“ an der Alten Oper, entpuppt sich als Finte. Gegendemonstranten sind keine zu sehen.

Corona in Frankfurt: „Querdenker“ ohne Abstand und Masken unterwegs

Stattdessen halten Demonstranten auf dem Opernplatz kleine Plakate in den Händen, mit denen sie zum Marsch zur Taunusanlage aufrufen. Eine Frau hat sich in eine Fahne von „Die Basis“ gehüllt, dem parteipolitischen Arm der „Querdenker“-Bewegung. Ein Mann trägt einen schwarzweiß-gestreiften Gefängnisanzug, ein anderer ist in eine Deutschlandflagge mit Adler gehüllt. Demonstranten halten Plakate, auf denen durchgestrichen „Impfpflicht“ steht, „Finger weg von unseren Kindern“ oder „Gespritzt wird nur beim Vögeln“. Sie brüllen „Widerstand“ und laufen wie zufällig in den Park.

Im Nu sind es Hunderte, die aus allen Richtungen kommen, ohne Abstand und Masken Richtung Taunustor. Ein blaugrüner Rauchtopf fliegt Richtung Einsatzkräfte. Trillerpfeifen und Rufe nach "Widerstand" und "Freiheit" schrillen, Polizisten werden beleidigt, beschimpft und bedrängt. Gegenstände fliegen. Lautsprecher-Durchsagen zu den Demo-Auflagen verhallen.

„Querdenker“ in Frankfurt: Polizei lässt Wasserwerfer vorfahren

Trotz mittlerweile starken Polizeiaufgebots laufen die „Querdenker“ weiter, ändern immer wieder die Richtungen. Ein Wasserwerfer fährt vor. Hin und her geht es zurück in den Park, in Seitenstraßen, auf den Willy-Brandt-Platz, mit Hunden, Kindern und Geschrei. Die Polizei kesselt die Querdenker ein. Viele schlüpfen noch vorher raus. Die Veranstaltung gilt längst als beendet. Wird wieder von der Polizei beendet. Die Leute bleiben trotzdem, attackieren die Polizeibeamten.

Sie schreien "Jetzt geht's los!". Wer nicht im Kessel ist, driftet zurück in den Park, in Seitenstraßen Richtung Innenstadt und Hauptbahnhof. Der Rest zieht zurück zum Opernplatz. Die Veranstaltung dort wird zeitgleich von den Veranstaltern als beendet erklärt. Gut 550 Demonstranten wurden dort gezählt. Auf die Polizeiansagen reagieren sie nicht, ziehen stattdessen lautstark in Großgruppen weiter. Die meisten auf die Freßgass. Eine Polizeikette stoppt sie, drängt sie zurück. Ein Teil versucht es außen herum, um über die Kleine Hochstraße oder durch Passagen auf die Freßgass zu gelangen.

Demos in Frankfurt: „Querdenker“ reagieren aggressiv gegenüber Polizisten

Stundenlang geht das so. Immer wieder zerstreuen sich die Gruppen, um sich kurz darauf wieder zu sammeln. An der Konstablerwache, auf der Zeil, auf der Hauptwache. Laut, und immer wieder aggressiv gegenüber der Polizei. Durchsagen an Lautsprecherwagen werden mit "Buh"-Rufen übertönt. Grüppchen ziehen über den Weihnachtsmarkt, treffen sich wieder aus unterschiedlichen Richtungen kommend.

Gut 250 „Querdenker“ mit Plakaten und ohne Masken laufen zurück durch die Freßgass in Richtung Alte Oper. Passanten mit Maske, die Weihnachtseinkäufe machen wollen, schütteln die Köpfe, weichen der Horde aus und fluchen. Eine Frau trägt ein Plakat mit der Aufschrift „Verbrechen gegen die Menschheit verjähren nie“. Auch sie erntet ungläubige Blicke und genervte Kommentare wie „Ihr riskiert die Gesundheit anderer. Nicht wir Eure“.

An der Alten Oper werden Handylichter geschwenkt zu den Songs "Freiheit" von Marius-Müller Westernhagen bei einer "Spontandemo" ohne Anmeldung, Abstand und Masken. Die Polizei kesselt die "Keine Diktatur"-Schreier ein. Durchsagen zur Auflösung verpuffen zunächst. Erst nach einer Durchsage, die Personalien der selbst erklärten Freiheitsfreunde aufzunehmen, verschwinden die meisten nach und nach. Die Polizei teilt auf Twitter mit, etwa "100 ehemalige Versammlungsteilnehmer aktuell zu kontrollieren". Blaulicht und Martinshorn sind an diesem Abend noch lange in der Stadt zu hören und zu sehen. (Sabine Schramek)

Erst Anfang Dezember 2021 löste die Polizei in Frankfurt einer „Querdenker“-Demo auf.

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