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Schüler aus Frankfurt fahren mit einem Kreuzfahrtschiff. (Symbolbild)

AIDA-Kreuzfahrtschiff als Klassenfahrt

Kritik an Berichterstattung - Abschlussfahrt mit Kreuzfahrtschiff soll wie geplant stattfinden

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  • Svenja Wallocha
    Svenja Wallocha
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Heftige Kritik erntet eine Schule in Frankfurt, die eine Abschlussklasse auf eine AIDA-Kreuzfahrt schicken will. Nun steht die Berichterstattung in der Kritik. Die Abschlussfahrt soll trotz allem wie ursprünglich geplant stattfinden.

  • Frankfurter Schulklasse soll Abschlussfahrt mit AIDA-Kreuzfahrtschiff machen
  • Mit dabei ist auch eine Fridays-for-Future-Demonstrantin
  • Idee sorgt für viel Kritik in der Öffentlichkeit
  • Lehrer und Schulleitung rechtfertigen sich in Stellungnahme
  • Betroffene Schüler fühlen sich unfair behandelt
  • Abschlussfahrt soll wie geplant stattfinden
  • Kinderbeauftragter und Schulleiter kritisieren Berichterstattung

Update vom Donnerstag, 19.09.2019, 18:30 Uhr:Roland Limberg, der Kinderbeauftragte im Ortsbeirat 5 (Niederrad, Oberrad, Sachsenhausen) kritisiert die Berichterstattung über die Carl-Schurz-Schule, die bundesweit bekannt geworden ist, weil 33 Schüler fünf Tage lang mit dem Kreuzfahrtschiff auf Abschlussfahrt gehen. Limberg ist außerdem Mitglied im Elternbeirat der Carl-Schurz-Schule und kritisiert explizit die Beiträge des Hessischen Rundfunks: "Der Hessische Rundfunk, der das Ganze losgetreten hat, muss in die Verantwortung gezogen werden. Wenn der öffentliche-rechtliche Rundfunk einen solchen Beitrag sendet, muss er doch mit den Folgen rechnen: Es war klar, dass dies einen ,Shitstorm' nach sich zieht."

Kritik an Berichterstattung

Der Schulleiter des Gymnasiums Hans-Ulrich Wyneken bestätigt: "Viele Schüler sind betroffen und fragen sich, wie es sein kann, dass sie so instrumentalisiert werden."Zwei Jugendliche seien in Beiträgen mit ganzen Namen zitiert worden, obwohl sie das nicht explizit erlaubt hätten. Der Fernsehbericht des Privatsenders RTL sei noch schlimmer gewesen als der des Hessischen Rundfunks, habe falsche Fakten übernommen. Andere Medien hätten mehrheitlich fair berichtet. Die Hessenschau-Redaktion hat inzwischen auf Medienanfragen hin ihren Beitrag als "Glosse" bezeichnet. Trotz des Shitstorms soll die Abschlussfahrt wie geplant stattfinden.

Update vom Mittwoch, 18.09.2019, 16.45 Uhr: Eine Abschlussfahrt mit dem ganzen Kurs gehört in vielen Schulen dazu. Mit dem Bus geht es dann zum Beispiel in die Toskana oder mit dem Zug nach Berlin. Auf die Schüler wartet dort meist ein straffes Kulturprogramm. Eigentlich nichts außergewöhnliches. Ein Leistungskurs der Carl-Schurz-Schule sorgt mit seiner Klassenfahrt jedoch für große Aufregung. Kurs und Lehrer reisen nämlich mit einem Kreuzfahrtschiff nach Oslo und Kopenhagen. 

Mit ihrer Schiffsreise ist diese Frankfurter Schule im Vergleich mit anderen Einrichtungen eine Ausnahme. Wie eine stichprobenartige Umfrage dieser Zeitung zeigt, reisen immer noch viele Schüler bei ihrer Klassenfahrt mit Bus oder Zug. Zum Beispiel die Schüler des Elisabethen-Gymnasiums im Nordend. Sie fuhren mit der Bahn nach Amsterdam. Es wird jedoch auch geflogen. Die Schüler des Gymnasiums Riedberg fliegen in diesem Jahr nach Lissabon, Sizilien und Malta. Auch nicht der klimafreundlichste Weg. „Wir versuchen, auf Flugreisen zu verzichten“, sagt dagegen Harald Stripp, Leiter der Max-Beckmann-Schule in Bockenheim. Dort wird derzeit diskutiert, wie in der Zukunft ökologisch verträglicher gereist werden kann. 

Schüler fahren mit dem Kreuzfahrtschiff auf Klassenfahrt - Schule nimmt Stellung

Update vom Mittwoch, 18.09.2019, 14 Uhr: Nun hat die Carl-Schurz-Schule auch eine schriftliche Stellungnahme wegen der geplanten Klassenfahrt mit einem Kreuzfahrtschiff herausgegeben. Darin erklärt die Schulleitung wie und warum sie auf die Idee mit der AIDA-Reise gekommen ist und was bei der Reise alles geplant ist. "In Wirklichkeit handelt es sich um eine Schulfahrt, die dem Ideal der CO2-Neutralität von allen Schulfahrten am nächsten kommt", rechtfertigt sich darin die Schulleitung. 

Bei der viertägigen Reise sollen 33 Schüler des Leistungskurses Mathe und Physik teilnehmen. Zunächst geht es mit der Bahn nach Kiel und von dort aus mit dem Schiff weiter. Auf dem Programm steht an den Stopps Oslo und Kopenhagen viel Kultur. Alles sei vor etwa einem Jahr von Schülern, Eltern und der Schulleitung abgesegnet worden. Sei die Klasse mit der Fähre gefahren oder mit einem Flugzeug geflogen, hätte es laut Schulleitung kaum Kritik gegeben. Das sei laut ihr jedoch umweltschädlicher gewesen als die Reise mit dem Schiff. 

Auch auf die CO2-Bilanz des Schiffes wird genauer eingegangen. "Da die Gruppe nur vier Tage mit dem Schiff unterwegs ist und die Liegezeiten mit Landstrom abzuziehen sind, gehen wir von einem realen Konsum von 600 Kilogramm CO2 pro Person aus." Diesen Wert würden Schüler und Lehrer mit gekauften Umweltzertifikaten wieder ausgleichen. "Von der Bahnfahrt abgesehen nähert sich die Kursfahrt damit der CO2-Neutralität."

Klassenfahrt mit AIDA-Kreuzfahrtschiff: Schulleitung hält Vorwürfe für "absurd"

Update vom Mittwoch, 18.09.2019, 11 Uhr: Nach dem enormen Mediencho und viel Kritik über eine Frankfurter Schulklasse, die ihre Abschlussfahrt mit einem Kreuzfahrtschiff macht, meldet sich nun auch die Sachsenhäuser Schule zu Wort. In einem Interview mit der FNP erklärt Schulleiter Hans-Ulrich Wyneken, dass man bei der Planung der Kreuzfahrt durchaus an die Umwelt gedacht habe. Das Schiff fahre mit schwefelarmem Diesel und schalte den Motor im Hafen aus. "Die CO2-Bilanz ist also viel besser, als wenn wir beispielsweise mit der Fähre gefahren wären", sagt er. 

Außerdem treffe die Klasse vor Ort einen Umweltoffizier, dem kritische Fragen über Kreuzfahrten gestellt werden. "Wir wollen damit dem Veranstalter gegenüber klarmachen: „Wenn ihr diese Generation als zukünftige Kreuzfahrer haben wollt, dann sagen wir: Ihr macht schon was, aber nicht genug. Es muss noch mehr kommen“, sagt Studienleiter Michael Winn, der die Reise organisierte. "Es ist absurd, mir Umweltsünden vorzuwerfen", sagt Winn weiter. Denn der Frankfurter Lehrer sei Mitglied im Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und engagiere sich sehr bei dem Thema. Auch die Schüler konnten laut Winn aktiv werden, um ihre Reise klimafreundlicher zu machen und zwar mit dem Kauf von CO2-Emissionen. 

Schüler machen Klassenfahrt mit AIDA-Kreuzfahrtschiff - Kritik nicht "fair"

Update vom Dienstag, 17.09.2019, 19.07 Uhr: Die Klassenfahrt einer Frankfurter Schulklasse auf einem Kreuzfahrtschiff hat für ein großes öffentliches Aufsehen gesorgt. Viele übten Kritik an der Abschlussfahrt. Doch es gibt auch Stimmen, die die Kritik zu hart finden. 

„Auf dem Schiff können die Kinder nicht abhauen, keinen Alkohol trinken und sich keine Drogen besorgen“, sagt die neu gewählte Vorsitzende des Schulelternbeirates an der Carl-Schurz-Schule, Alix Puhl. Die mediale Aufmerksamkeit und Kritik, die die Schule wegen der Kreuzfahrt nun auf sich ziehe, finde sie „nicht ganz fair.“

Update vom Dienstag, 17.09.2019, 13.34 Uhr: Die geplante Abschlussfahrt einer Frankfurter Schulklasse auf einem Kreuzfahrtschiff der AIDA sorgt auf Facebook für große Kritik. Auf einen Beitrag dieser Zeitung haben über 200 Nutzer reagiert. „Die Botschaft heißt: Wenn etwas günstig genug ist, darf einem das Klima auch mal vollkommen egal sein!“, schreibt ein Leser. Eine andere Leserin glaubt, dass die Kreuzfahrt den Ärger von Klimaaktivistin Greta Thunberg auf sich ziehen wird: „Greta Thunberg ist bestimmt nicht erfreut über diese Aktion. Stark wäre es gewesen, gemeinsam eine Klimafreundliche Aktivität zu unternehmen. Alles immer nur Blablabla, von wegen Klima Rettung.“ 

Klassenfahrt mit AIDA-Kreuzfahrtschiff: Kritik auf Facebook 

In einigen wenigen Kommentaren wird aber auch Verständnis für die Schüler zum Ausdruck gebracht. „Dass die meisten Schüler dennoch mitfahren, finde ich auch ohne Schulpflicht-Druck nachvollziehbar, schließlich ist die Abschlussfahrt ja schon etwas Besonderes im Miteinander“, zeigt sich eine Userin nachsichtig. 

Update vom Dienstag, 17.09.2019, 11.20 Uhr: Dass eine Klasse der Carl-Schurz-Schule in Sachsenhausen ihre Abschlussfahrt mit einem Kreuzfahrtschiff der AIDA machen wird, sorgt für große Aufregung. Eine Schule, die sich für den Umweltschutz einsetzt genehmigt eine Schiffsreise, die bei Klimaschützern in der Kritik steht, das passt irgendwie nicht zusammen. 

Das findet Michael Winn, Studienleiter der Schule und Organisator der Reise, nicht. Denn laut ihm soll ein Ziel der Reise sein, sich kritisch mit dem Thema Kreuzfahrtreisen auseinanderzusetzen. "Wir werden vor Ort den Umweltoffizier treffen und die Schüler können kritische Fragen stellen", sagte Winn auf Nachfrage der Redaktion. Eine ähnliche Reise hatte der Lehrer schon einmal mit einer Klasse organisiert.

Laut Winn konnte jeder Schüler im Vorfeld Vorschläge machen, wohin die Klassenfahrt gehen soll. "Das war ein demokratischer Prozess". Anschließend wurden die Vorschläge gemeinsam diskutiert. Dass einige Schüler sich über die Kreuzfahrt beschwert haben, bestätigt Winn. Er habe jedoch offen mit den Schülern über das Thema gesprochen. Am Ende habe es nur eine Schülerin gegeben, die noch gegen die Reise war. Sie fährt jedoch trotzdem mit. "Wir können die Kreuzfahrt ignorieren oder uns aktiv damit auseinandersetzen", sagt Winn. Das wolle er mit dieser Reise tun. 

Auch interessant: Frankfurt: CO2-Betrug - Haben diese Männer 136 Millionen hinterzogen?

Frankfurt: Auf das AIDA-Kreuzfahrtschiff zur Abschlussfahrt - Schüler protestieren

Erstmeldung vom Montag, 16.09.2019: Frankfurt – Darf man eine Klassenfahrt mit dem Kreuzfahrtschiff AIDA machen? Diese Frage wird von der Carl-Schurz-Schule in Sachsenhausen offenbar mit "Ja" beantwortet. 16 Schüler werden mit dem Kreuzfahrtschiff auf Abschlussfahrt gehen, wie die hessenschau berichtet. Einige von ihnen sollen regelmäßig an den „Fridays for Future“-Demonstrationen teilnehmen. Deshalb erntete der Vorschlag auch Kritik. 

Klassenfahrt mit dem Kreuzfahrtschiff? Das sorgt für Diskussionen

Initiiert habe die Reise Michael Winn, Studienleiter der Schule. Die Idee: Fünf Tage mit dem Schiff mit Zwischenstopp in Oslo und Kopenhagen. Die Kosten sollen sich auf 390 Euro pro Kopf belaufen. Der Vorschlag sorgte bei Schülern und Eltern für Diskussionen. Winn selbst ist Mitglied beim Bund für Umwelt und Naturschutz e.V. (BUND). 

„Uns ist klar, dass wir einen ökologischen Fußabdruck hinterlassen“, sagte Winn gegenüber der hessenschau. Man habe sich trotzdem für die Kreuzfahrt entschieden. Das Preisleistungsverhältnis sei einfach unschlagbar. Es gab Protest aus den Reihen der Schüler – eine Schülerin schlug stattdessen eine Fahrradtour nach Würzburg vor. Aber offenbar schien dieser Vorschlag nicht auf große Begeisterung zu stoßen. „Aber das wollte dann keiner“, wie Winn sagte. 

Klassenfahrt auf dem Kreuzfahrtschiff: Keiner bleibt zu Hause

Alle Schüler fahren mit, zu Hause bleiben will keiner. Die meisten freuen sich auch auf die Kreuzfahrt. In Kopenhagen sollen die Mathematik- und Physik-Schüler in Kopenhagen ein Experimentarium besichtigen, den Großteil ihrer Zeit allerdings auf dem Schiff verbringen. Die Kreuzfahrt sei bereits gebucht.

Die Schule werde damit ihrer Vorbildfunktion nicht gerecht und zeige den Schülern damit, „dass sie nicht an einem nachhaltigen Lebensstil interessiert ist“, wie Fridays for Future-Aktivistin Maike Weber die Reisepläne kritisiert. 

marv/svw/kb

Die IAA 2019 in Frankfurt wird zum PR-Desaster für die Konzerne. Doch der Präsident des VDA ist guter Dinge, denn die Besucherzahlen sind gut. Greta Thunberg nutzt derweil ihre Zeit in den USA, um Donald Trump herauszufordern. Die Klimaaktivistin will vor dem Amtssitz des US-Präsidenten demonstrieren. Lidl eröffnet am Donnerstag in Frankfurt seine erste Metropolfiliale in Deutschland. Dort ist einiges anders als in herkömmlichen Discounter-Filialen.

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