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Ailina (7) übt auf dem Tablett mit Ihren Eltern Nicole Fallert und Borris Schwerkolt. Über das Tablett, das auf Ihre Augen reagiert, kann sie sich mitteilen. Unermüdlich sammeln ihre Eltern Gelder für Delfin-Therapien.

Jedes Mal 15.000 Euro

Ailina (7) leidet an seltenem Rett-Syndrom - Familie sammelt Spenden für teure Delfin-Therapie

Ailina (7) war ein aufgewecktes Baby. Aber sie sprach nicht und krabbelte nicht. Zwei Jahre lang wurde die Ursache gesucht. Erst ein Gentest brachte Gewissheit. Ailina hat das seltene Rett-Syndrom. Delfin-Therapien machen einiges Unmögliche für sie möglich.

Frankfurt - Der schwarze Kater Kenny öffnet seine Schnauze, um zu miauen. Kein Ton kommt raus. Die Hauskatze ist tatsächlich stumm. Dafür hilft ihm Ailina aus. Die Siebenjährige guckt ihn an und gibt ein Miau-ähnliches Geräusch von sich. Und lacht dabei. "Das wäre vor kurzem noch gar nicht möglich gewesen. Wir sind überglücklich", sagt Nicole Fallert (36) und küsst ihre Tochter auf den Kopf. Ailina hat das Rett-Syndrom. Sie kann nicht sprechen, nicht laufen, ihre Hände nicht benutzen.

Ganz genau beobachtet die Kleine mit ihren strahlend blauen Augen, was der Kater macht. "Vor ein paar Jahren hat sie nicht einmal uns angeguckt. Wir wussten nicht, ob sie uns überhaupt wahrnimmt", erzählt Papa Borris Schwerkolt (36) sachlich. "Das war eine ganz schlimme Zeit."

Siebenjährige Ailina liebt Musik

Heute erkennt das Mädchen mit den hüftlangen geflochtenen Zöpfen sichtlich ihre Eltern, ihre Umgebung und das, was um sie herum passiert. Sie sitzt auf grünen Matten auf dem Wohnzimmerboden, drückt ab und zu auf den Bauch eines Teddybären, der singt. Alina strahlt. Wenn Musik gespielt wird, bewegt sie ihre Finger im Takt. Besonders, wenn Ed Sheeran "Perfect" singt. "Auf seine Musik fährt sie voll ab", wissen die Eltern. Sie sind überglücklich, wenn sich Ailinas Finger auf der Matte bewegen.

Das Rett-Syndrom ist eine neurologische Entwicklungsstörung. Jedes Jahr werden in Deutschland etwa 50 Mädchen mit dem Gendefekt geboren. Jungs sterben daran im Mutterbauch. Nur mit Gentests kann die Entwicklungsstörung diagnostiziert werden. Als Baby entwickeln sich die Kinder erst normal, dann kommt es zum Stillstand. Auch bei Ailina. Nach zwei Jahren Suche wurde die Diagnose Gewissheit. "Theoretisch kann man den Gendefekt heilen. Praktisch wird nicht genug geforscht", so Schwerkolt. Die Hoffnung geben sie nicht auf.

Delfin-Therapie kostetj edes Mal 15 000 Euro

Die erste Verbesserung kam mit der ersten Delfin-Therapie auf Curaçao. Ailina baute Stress und Ängste ab, ahmte Delfine nach, wenn sie ihre Zunge rausstrecken. Sie war glücklich. "Es hilft ihr so sehr, dass wir jedes Jahr mit ihr dorthin reisen", so Fallert. Das Geld dafür sammeln sie über Spenden, Tombolas, Plätzchenbacken und Marmelade-Kochen. Die Therapie kostet jedes Mal 15 000 Euro, ihre wöchentliche Reittherapie 120 Euro im Monat. Auf Facebook haben Ailinas Eltern eine eigene Seite eingerichtet.

Der Mechatroniker und die Verwaltungsangestellte sammeln unermüdlich für Ailina. "Im Sommer kommt sie in die Schule. Wir brauchen eigentlich einen Van für sie, der weich gefedert ist, da sie Hüftprobleme hat." Auf einen neuen Rollstuhl warten sie seit Januar. Ailina kann weder sprechen, noch mit dem Finger auf etwas zeigen. Dafür hat sie von der Krankenkasse einen Augensteuerungscomputer. Mit festem Blick auf Karten im Bildschirm kann sie damit "ja", "nein" oder ihr Lieblingsgericht zeigen. "Spareribs" poppen auf. "Ja, das liebt sie", sagt Fallert lachend. "Und Obst." Das fröhliche Mädchen versucht, sich mit Hilfe von Papas Armen hochzuziehen. Ailina reckt sich, kommt aber nicht auf die Füße. Sie kniet. "Einmal hat sie sich am Tisch hochgezogen", erzählt Fallert stolz. Er holt Orthesen und schnallt sie Ailina liebevoll an ihre Beinchen.

Es funktioniert. Ailina geht einige Schritte, wird dabei an beiden Armen festgehalten. "Selbst die Ärzte halten ihre Fortschritte für ein Wunder", so Fallert. "Das Laufen klappt seit ihrer letzten Delfin-Therapie im März."

Ailina quietscht vor Freude. Ihr Lieblingsdelfin heißt Nubia. Als sie den Namen hört, wird ihr Blick ganz weich, sie lächelt sanft und scheint vom Bad im Meer mit Nubia zu träumen, während Kater Kenny geräuschlos maunzend um ihre Beine streicht.

Informationen über Ailina und ihre Krankheit gibt es unter www.ailinaswelt-rettsyndrom.de und auf Facebook mit Aktionen, die ihr zugute kommen www.facebook.com/ailinasweltrettsyndrom/. Auch Sachspenden sind willkommen.

von Sabine Schramek

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