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Die leitende Hebamme Karin Ruddat (rechts) erklärt der Hebammenschülerin Susann während der praktischen Ausbildung die wichtigen Regeln für die Erstuntersuchung eines Neugeborenen.

Gesundheitspolitik

Akademische Ausbildung für Hebammen in Frankfurt kommt an

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Eine akademische Ausbildung von Hebammen trifft in Frankfurt überwiegend auf positive Resonanz. Doch viele Fragen bleiben offen.

Jeden Tag wieder freut sich Christina Heuser-Schöne über ihren Beruf. Den Menschen nahe zu sein und ihnen „in einer brenzligen Situation Unterstützung bieten zu können“, das macht für die Hebamme das Besondere an ihrer Tätigkeit aus. Dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nun angekündigt hat, dass in Zukunft ein duales Studium mit Bachelor-Abschluss auf diese anspruchsvolle Aufgabe vorbereiten soll, begrüßt die Frankfurterin. Die Anforderungen seien stark gestiegen. „Mütter haben heutzutage einen höheren Perfektionsanspruch.“ Zudem gebe es etwa in der pränatalen Diagnostik oder anderen Bereichen so viele Möglichkeiten, dass fundierter Rat nötig sei, was jeweils sinnvoll ist und was nicht. Zudem verspricht sich die seit 27 Jahren in ihrem Metier tätige Schwanheimerin von der Akademisierung ihres Berufs eine Aufwertung. „Man wird dann von den Ärzten eher akzeptiert“ und habe auch eine bessere Position bei Gehaltsverhandlungen.

Nadja Zander hat selbst schon, damals in England, Studienerfahrungen gesammelt. Seit dem vergangenen Jahr leitet sie in Frankfurt die erste Schule für angehende Hebammen und Entbindungspfleger. Auf die Umsetzung der Reform, die einer EU-Richtlinie entspricht und bis Januar 2020 vollzogen werden sollte, hat sie lange gewartet. Schon bei der Einrichtung der Ausbildungsstätte am Main hatte man diese im Blick gehabt und die Lehranstalt in Kooperation mit der Universitätsklinik, dem Bürgerhospital und dem Clementine Kinderhospital an der Carl Remigius Medical School angesiedelt, die in anderen Bereiche des Gesundheitswesens Studiengänge anbietet. Auch der Lehrkörper ist vorbereitet: Neben Zander, die nach ihrem Master gerade promoviert, haben dann auch alle anderen aus dem Quartett einen akademischen Abschluss.

Dennoch sieht die Fachfrau genau bei den Dozenten ein Problem. Denn um Hebammen in Zukunft wissenschaftlich auszubilden, müsse es genügend Lehrkräfte geben, die mindestens einen Master-Abschluss besitzen. Das sei ihres Wissens nach bislang nicht der Fall und könne in kurzer Zeit auch nicht geändert werden, da in Deutschland bislang nur Hannover entsprechende Möglichkeiten biete.

Von den aktuellen Bewerbern an den Schulen erfüllen zudem nicht alle die für ein Studium notwendigen Zugangsvoraussetzungen. In Frankfurt seien es etwa 75 Prozent, die mit einem Abitur oder einer vergleichbaren Qualifikation in der Tasche die Hebammentätigkeit ausüben wollen.

„Was passiert mit den 54 Hebammenschulen?“ sei eine weitere Frage, die beschäftigen müsse, sagt Zander. Das führt dazu, dass laut Wolfgang Heyl, Geschäftsführer des Bürgerhospitals und des Clementine Kinderhospitals, an anderen Standorten die Äußerungen des Ministers nicht ganz so willkommen sind wie in der eigenen Stadt. Doch auch hier bleibt vieles offen. Im Falle Heyls stehen dabei die Auswahl der Bewerber und deren Vergütung im Vordergrund.

Ein duales Studium, bei dem die zukünftigen Hebammen wie bislang in den Krankenhäusern Praxiserfahrungen sammeln und an den Hochschulen wissenschaftlich ausgebildet werden, hätte den Vorteil, dass sich die Anwärter im Bewerbungsverfahren beiden Seiten empfehlen müssten und „wir uns so unsere Kandidaten weiter aussuchen können“. Wie diese finanziert werden würden, sei auch noch nicht klar. Bislang bediene man sich aus dem Ausbildungsfonds der Krankenkassen. Für Studenten müsse es aber wohl andere Töpfe geben.

Annette Liller kennt das Problem. Das Krankenhaus Sachsenhausen, in dem sie Pflegedirektorin ist, kooperiert mit der Fachhochschule Fulda, in der ein Bachelorstudium für Hebammen möglich ist. Doch anders als die Auszubildenden erhalten die Studentinnen keine Vergütung. „Wir hatten dazu Gespräche“, aber keine Lösungen.

Obwohl in wissenschaftlicher Hinsicht die Studienabsolventen „relativ fit“ seien, plädiert Liller jedoch für zwei parallele Ausbildungswege. Nicht jeder strebe in eine Leitungsfunktion, und es gebe auch Anwärterinnen, die mit einem Realschulabschluss Hebamme werden wollen. „Jede Geburt ist anders“, und das sollte auch für diejenigen gelten, die dabei helfen wollen.

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