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Ein Blick in die Vergangenheit: Der Seeling-Bau im Jahre 1902

Frankfurt: Schauspielhaus

Aktionsgemeinschaft kämpft für Rekonstruktion

  • vonGernot Gottwals
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Bürgerentscheid gefordert: Schon 8652 Unterschriften für Neubau des Seeling-Baus von 1902 gesammelt

Frankfurt -Als der Darmstädter Jörg Harbrecht vor einigen Jahren an die Goethe-Uni kam, kämpfte er vergeblich für den Erhalt des Altbaus des Chemischen Instituts neben dem früheren AfE-Turm. Nun sammelte er allein schon 400 Unterschriften für einen Bürgerentscheid, das Schauspielhaus in Gestalt des Seeling-Baus von 1902 zu rekonstruieren und einen gegenteiligen Beschluss der Stadtverordneten zurückzunehmen.

Um dieses Bürgerbegehren durchzusetzen, startete die Aktionsgemeinschaft "Schauspielhaus Frankfurt" eine Unterschriftenaktion und muss bis 29. Oktober, also acht Wochen nach dem Stadtverordnetenbeschluss vom 3. September, mindestens 15 203 Unterschriften zusammenbekommen. "Jetzt haben wir Halbzeit und immerhin schon 8652 Unterschriften, die wir mit Studenten, Rentner und anderen Unterstützern gesammelt haben", verkündete der stellvertretende Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Thomas Mann: "Die ersten 5000 Unterschriften haben wir bereits beim Wahlamt abgegeben. Und es war nicht leicht, beim heutigen Verständnis von Datenschutz von allen Unterzeichnenden den Namen und das Geburtsdatum zu erhalten." Denn anders als bei der Corona-Gästeliste eines Lokals müssten hier tatsächlich alle Angaben von Amts wegen auf ihre Richtigkeit überprüft werden.

Und darum geht es: Der Beschluss der Stadtverordnetenversammlung "Neubauoptionen der Städtischen Bühnen" soll aufgehoben werden, um einen Bürgerentscheid für einen rekonstruierenden Neubau durchzuführen. "Da deshalb ein gefasster Beschluss kassiert werden soll, handelt es sich, juristisch gesehen, um ein kassatorisches Bürgerbegehren", erklärt Mann.

Die Erklärung zum Bürgerbegehren legt dar, dass Gutachter im Auftrag der Stadt die Neuerrichtung des Schauspielhauses mit 426 Millionen Euro veranschlagen und dass die Mehrkosten von 12,73 Millionen für eine Neuerrichtung der historischen Fassaden und Kolonnaden aus der Sicht der Aktionsgemeinschaft nicht ins Gewicht fielen. Trotzdem könne das rekonstruierte Schauspielhaus im Innern nach dem neuesten Stand der Technik geplant werden, wie dies bei zahlreichen historischen Theatern weltweit der Fall sei.

Kosten sparen

"Wir sind 20 Geschäften und Restaurants sehr dankbar, dass sie die Listen für uns auslegen", betont Mann. Die Unterschriftensammler holten auch Stimmungen und Meinungen aus der Bevölkerung ein. Dies bestätigt auch Stimmensammler Jürgen Grahm: "Gegen eine Verlegung an den Osthafen und für einen Verbleib am Willy-Brandt-Platz sind nahezu alle Befragten." Mehr als 80 Prozent der bislang 8652 Befragten wünschten sich eine Rekonstruktion oder wenigstens einen Erhalt der Reste des Seeling-Baus, 40 Prozent wollten einen Bürgerentscheid zusammen mit der Kommunalwahl, um Kosten zu sparen.

Die Aktionsgemeinschaft kritisiert zudem ihrer Meinung nach falsche Darstellungen, die es gegen ihre Initiative aus SPD-Kreisen auf Facebook gegeben habe. Und fordert Kulturdezernentin Ina Hartwig und Oberbürgermeister Peter Feldmann (beide SPD) zum Umdenken und weiteren, zum Teil verschobenen Gesprächen auf. Die Aktionsgemeinschaft behauptet, es seien 55 Prozent des Seeling-Baus erhalten. Es sei unzutreffend und polemisierend "nur von 25 Prozent" zu sprechen.

Die Sprecherin des Kulturdezernats Jana Kremin verweist auf Hartwigs Stellungnahme zu einer "Versachlichung in der Bühnen-Diskussion". Ein einstündiges Gespräch mit der Aktionsgemeinschaft habe es gegeben, die Stadtverordneten "haben sich als Ergebnis eines komplexen, demokratischen Prozesses, begleitet durch umfangreiche Prüfverfahren" gegen eine bauliche und konzeptuelle Rekonstruktion des Schauspielhauses von 1902 ausgesprochen.

Wobei sich die erhaltenen 25 Prozent auf die von der Stabstelle Städtische Bühne ermittelte verwertbare Bausubstanz bezögen. "Auch für das Schauspiel gilt es, einen nachhaltigen, zukunftsfähigen Spielbetrieb zu garantieren", so Hartwig. Da die Anforderungen an Platz und Bühnentechnik nicht mit Theaterstandards von vor 100 Jahren vereinbar seien, habe die Rekonstruktion keine Mehrheit gefunden.

Das Bürgerbegehren

Weitere Informationen gibt es unter www.rettet-das-schauspielhaus.de.

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