Gentrifizierung

Aktionsgemeinschaft Westend kritisiert die neuen Luxushotels und Mini-Appartements im Stadtteil

Luxushotels und Mini-Appartements statt bezahlbarem Wohnraum: Die Gentrifizierung wächst in Frankfurt immer weiter. Besonders betroffen ist das Westend. Dagegen kämpft die Aktionsgemeinschaft Westend.

Wohnen im Westend wird immer teurer. „Im ehemaligen Hochhaus am Park sollen Luxuswohnungen entstehen, die zu einem Quadratmeterpreis von bis zu 18 000 Euro verkauft werden“, erklärt Hans-Jürgen Hammelmann. Seit 2012 ist er Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Westend (AGW), die sich den Kampf gegen die Gentrifizierung auf die Fahnen geschrieben und jetzt zu einem Rundgang durch den Stadtteil eingeladen hat. „Überall entstehen Luxushotels und Mini-Appartements, für die die ursprüngliche Bevölkerung im Westend verdrängt wird“, sagt Hammelmann.

Besonders deutlich lässt sich die Gentrifizierung des Westends am Beispiel der Dauerbaustelle an der Bockenheimer Landstraße 38 erkennen. Dort entstehen ein Luxushotel und Mini-Appartements des Immobilienunternehmens RMCB GmbH; „The Flag“ soll der Komplex heißen. Schon im Sommer hatte der Neubau für Ärger während einer Sitzung des Ortsbeirates 2 (Westend, Kuhwald, Bockenheim) gesorgt. „Eine Bürgerin hat gesagt, dass das geplante Gebäude den Charme eines Gefängnisneubaus hat“, sagt Hilde Hess von Aktionsgemeinschaft Westend. Sie bemängelt vor allem, dass für die Bauarbeiten zahlreiche Bäume gefällt werden mussten. „Bauen geht vor Bäumen“, sagt Hess. Etwa 600 Euro soll nach Auskunft der AGW ein Mini-Appartement in dem Projekt „The Flag“ kosten. „Studenten werden sich das wohl kaum leisten können“, sagt Hess.

Doch nicht nur die zahlreichen Baustellen, auf denen Wohnungen und Hotels im Luxussegment entstehen, empören die Mitglieder der AGW. An vielen Stellen im Stadtteil stehen offenbar unbewohnte Mehrfamilienhäuser. Wie etwa die Villa an der Ecke Wöhlerstraße/Liebigstraße. „So weit ich informiert bin, gehörte das Gebäude damals der Firma Hochtief“, sagt Hess.

Mittlerweile ist dort Wohnraum entstanden – allerdings gibt es von außen kein Anzeichen darauf, dass dort auch tatsächlich jemand wohnt. Keine Gardinen oder Vorhänge vor den Fenstern, keine Blumen auf den Fensterbänken, und auch der Bereich vor dem Haus scheint nicht allzu sehr gepflegt zu sein. „Da stellt man sich schon die Frage, ob das Haus oder die Wohnungen nicht nur als Kapitalanlage dienen und leerstehen“, kritisiert Hess.

Dass durch die Gentrifizierung die ursprüngliche Bevölkerung des Westends vertrieben wird, ist auch Karin Pietsch aufgefallen. „Das Westend ist ein toter Stadtteil“, sagt sie. Seit 1989 lebt Pietsch schon im Westend – und hat die Entwicklungen genau beobachtet. Seit anderthalb Jahren engagiert sie sich nun in der Aktionsgemeinschaft. „Ich bin einmal nachmittags an Ostern durch das Westend spazieren gegangen. Auf dem ganzen Weg sind mir nur drei Menschen entgegengekommen“, sagt sie.

Ein- bis zweimal pro Jahr treffen sich Mitglieder der AGW zu einem Rundgang durch das Quartier. „Das Westend hat sich bei jedem Mal verändert“, sagt der Vorsitzende Hammelmann. Gegründet wurde die Aktionsgemeinschaft 1969. „Damals sollte das Westend als erweiterte Bürostadt ausgebaut werden“, sagt Hammelmann. Das habe durch den Druck der Bevölkerung verhindert werden können – doch gibt es nun ein neues Problem: „Das Westend ist einfach zu attraktiv geworden“, sagt er.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare