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Bonny Fischer zeigt das abgerissene Stück der Fassadenverkleidung. Der rote Kringel markiert die Kante des Erkers über dem „Café Wilhelmshöhe“, gegen den immer wieder Lastwagen stoßen.

Aktion

Aktionsgruppe fordert Konsequenzen: Laster müssen raus aus Seckbach

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Nicht zum ersten Mal hat ein Lastwagen den Erker im Obergeschoss des Café Wilhelmshöher gerammt. Doch noch nie wurde ein so großes Stück aus der Fassadenverkleidung gerissen.

Mehr als einen Meter lang ist das Plastikteil, das ein Lastwagen vermutlich in den frühen Morgenstunden am gestrigen Mittwoch vom Erker am Café in der Wilhelmshöher Straße 160 abriss: Die Briefträgerin fand es gegen 6 Uhr früh auf dem Bürgersteig. „Zum Glück ist um diese Zeit dort niemand unterwegs. Nicht auszudenken, wenn es jemanden getroffen hätte“, sagt Bonny Fischer, Sprecherin der Aktionsgruppe Verkehrsberuhigung Wilhelmshöher Straße, die sich für eine Verkehrsberuhigung der Hauptstraße einsetzt.

Knapp verfehlt

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Laster gegen den Erker fährt: Mindestens fünf Mal sei das allein in den vergangenen Jahren passiert, sagt die Cafébetreiberin. Für die Verkleidung gebe es eine spezielle Form zum Gießen von Ersatzstücken, weil sie immer wieder beschädigt werde. „Hier muss schnell etwas passieren“, sagt Fischer. Die Autos fahren zu schnell, weichen dem Gegenverkehr oft auf die schmalen Bürgersteige aus, gefährdeten dabei auch Kinder auf dem Weg zu Schule. Zwei Schüler hatten 2017 Glück, als ein Laster gegen den Erker am Café fuhr: Die hinabfallenden Steine verfehlten die Kinder knapp.

Kein Platz für Blitzer

Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) setzt bei der Verkehrsberuhigung in der Wilhelmshöher Straße zunächst auf die geplante Sanierung, die 2020 beginnen soll. Sie betreffe fast die komplette Ortsdurchfahrt, von der Arolser Straße im Westen bis zum Seckbacher Blitzweg im Osten – auf einer Länge von 1,3 Kilometern. Den von der Aktionsgruppe geforderten Geschwindigkeitskontrollen erteilt Oesterling jedoch eine Absage. „Es ist leider nahezu unmöglich, Blitzer auf den sehr engen Straßen Seckbachs aufzustellen.“ Der Seckbacher Ortsbeirat Johannes Bomba (FDP) widerspricht dem: „Es existieren genügend Stellen, die sich eignen würden. Zum Beispiel auf Höhe des evangelischen Kindergartens“. Heiko Nickel von der Aktionsgruppe sieht das ähnlich. Ihm sei bewusst, dass es strenge Regeln für gerichtsfeste Geschwindigkeitsmessungen gebe. Allerdings habe die Stadt auch auf der Hanauer Landstraße einen Standort für Blitzer gefunden. „Dort hat die Stadt Frankfurt auf der Höhe der S-Bahn-Haltestelle Ostendstraße einen Blitzer aufgestellt. Obwohl es anfangs hieß, dass das nicht gehe.“

Die Anwohner kritisieren auch, das Durchfahrtsverbot für Lastwagen über 7,5-Tonnern werde nicht kontrolliert: Täglich schieben sie sich durch die enge Gasse. „Die Landespolizei leidet unter eklatantem Personalmangel und kann das Verbot nicht dauerhaft kontrollieren“, erklärt Oesterling. Das Land Hessen prüfe derzeit, ob mehr Geld in das Personal der Landespolizei fließen soll. „Die Stadt muss sich so aufstellen, dass sie handlungsfähig ist“, fordert hingegen Nickel. Einig sind sich alle drei, dass eine Verlängerung der U4 durch Bergen und Seckbach gepaart mit Park-and-Ride eine Entlastung für den Stadtteil bringen würde. „Unklar ist, welche Bauflächen dafür in Frage kommen“, sagt Oesterling. Sollte der Durchgangsverkehr nicht reduziert werden, müsse man nachdenken, ob die Wilhelmshöher Straße teilweise zu kappen ist.

Mitarbeit von Moritz Serif

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