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Die erhöhte Polizeipräsenz wirkt auch auf Taschendiebe abschreckend.

Alarmstufe Advent

Der Frankfurter Weihnachtsmarkt ist zur Hochsicherheitszone geworden

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Schwer bewaffnete Polizisten, Zufahrtssperren und Videokameras: Der Weihnachtsmarkt ist zur Hochsicherheitszone geworden. Doch die Besucher lassen sich die Glühweinlaune dadurch nicht verderben. Veranstaltungsleiter Kurt Stroscher hofft, dass er nicht noch weiter aufrüsten muss: „Wenn wir hinter Festungsmauern feiern, haben die Terroristen gewonnen.“

Zwischen zwei adventlich geschmückten Holzbuden stehen die beiden jungen Beamten auf dem Römerberg. Er hält eine Maschinenpistole. Seine Kollegin trägt Schlagstock und ihre normale Dienstpistole. Weihnachtsmarktbesucher gehen an ihnen vorbei. „Schau mal“, raunt Gisela Ostheimer ihrem Mann Lothar zu und zeigt auf die Waffe des Polizisten. Ob sie die starke Polizeipräsenz störe, fragen wir nach. „Nein, nein. Wir finden das positiv. Leider muss es in der heutigen Zeit so sein“, sagt die Rentnerin aus dem Taunus. „Wir gehören zur älteren Generation, wir sind noch Law and Order“, fügt Lothar Ostheimer hinzu.

Dass hier Recht, Ordnung und vor allem Sicherheit herrschen sollen, ist kaum mehr zu übersehen. Seitdem im Dezember 2016 ein islamistischer Terrorist einen Sattelschlepper in eine Menschenmenge auf dem Berliner Breitscheidplatz steuerte, wurden auch auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt die Vorkehrungen deutlich erhöht. Betonklötze versperren die Zufahrt, zahlreiche Fuß-Streifen sind unterwegs, auch in Zivil.

Mit zusätzlich aufgestellten Überwachungskameras hat die Polizei das adventliche Treiben stets im Blick. „Mehr Sicherheit geht nicht“, sagt Veranstaltungsleiter Kurt Stroscher von der städtischen Tourismusgesellschaft. „Außer wir feiern hinter Festungsmauern. Aber dann hätten die Terroristen gewonnen.“

Rampen im Praxistest

Gegenüber 2017 seien die Schutzmaßnahmen dieses Jahr kaum verändert worden, sagt Stroscher. Eine Neuerung steht an der Hauptwache. Zwei herunterklappbare Metallrampen sichern dort die Zufahrt auf das Weihnachtsmarktgelände. „Bisher haben wir das mit Fahrzeugen gemacht, die vor- und zurückgefahren wurden“, sagt Stroscher. „Dieses Jahr probieren wir die neuen Rampen aus. Es ist ein Praxistest.“ Je zwei Wachleute stehen an den stabilen Metallkonstruktionen. Während der Marktzeit lassen sie nur Einsatzfahrzeuge passieren. Allen anderen signalisiert die rote „Stop“-Aufschrift, dass es nicht weitergeht.

Um den Weihnachtsmarkt auf dem Römerberg zu schützen, sind die Braubach- und die Bethmannstraße für Autos und Lastwagen gesperrt. An extra aufgebauten Schrankenanlagen werden nur Straßenbahnen, Polizei und Feuerwehr durchgelassen.

Hier finden Sie alle Frankfurter Weihnachtsmärkte auf einen Blick!

Der Polizist mit der Maschinenpistole hat derweil die Aufmerksamkeit einer Dame im roten Anorak geweckt. Sie zückt ihr Handy, um den uniformierten jungen Mann zu fotografieren. „Nein, keine Fotos bitte“, sagt er bestimmt. „Das ist für meine Cousine“, erklärt die Mittfünfzigerin mit einem starken spanischen oder italienischen Akzent. „So süße Polizisten in Deutschland. Das muss sie sehen.“

Der Beamte lächelt. Seine Kollegin ruft der kontaktfreudigen Südländerin zu: „Lassen Sie Ihr Gepäck lieber nicht stehen.“ Die Frau hat eine rollbare Einkaufstasche mitten im Marktgewühl abgestellt und sich bereits einige Schritte davon entfernt. „Danke, Danke“, sagt sie und holt die Tasche schnell, um die Plauderei mit den beiden Polizisten fortzusetzen.

„Wir werden häufig angesprochen“, sagt die Beamtin später. „Die Leute freuen sich und sind dankbar, dass wir hier sind. Sicherheitsgefühl ist wichtig in der heutigen Zeit, das würde einem selbst ja nicht anders gehen.“

Warnungen aufs Handy

Um Besucher des Weihnachtsmarkts über „sicherheitsrelevante Ereignisse“ zu informieren, setzt die Polizei wieder das bereits 2017 erprobte „Katwarn“-System ein. Es funktioniert über ein kleines Programm, dass sich kostenlos herunterladen und auf dem Smartphone installieren lässt. Unter können sich Katwarn-Nutzer dann für das Themenabonnement „Weihnachtsmarkt Frankfurt“ anmelden.

Vor einer Gefahr warnte die Polizei bereits vorab: Taschendiebe sind gerne auf Weihnachtsmärkten unterwegs. Präventionsexperten des Landeskriminalamts (LKA) kennen deren Tricks. „Taschendiebe suchen gezielt die Enge auf den Märkten“, schreibt das LKA. „Einer lenkt dann das Opfer ab, der Zweite stiehlt die Beute und ein Dritter nimmt das Diebesgut an sich und entschwindet im Gedränge.“

Die Anti-Terror-Vorkehrung der Polizei scheinen jedoch auch auf Gauner abschreckend zu wirken. Im vergangenen Jahr gab es auf dem Weihnachtsmarkt deutlich weniger Taschendiebstähle als bei vergleichbaren Großveranstaltungen, sagt Organisator Kurt Stoscher.

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