Fährmann Sven Junghans prüft die fünfblättrige Schraube seines Bootes, die während der Inspektion on abgeschliffen wurde und jetzt wieder matt glänzt.
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Fährmann Sven Junghans prüft die fünfblättrige Schraube seines Bootes, die während der Inspektion on abgeschliffen wurde und jetzt wieder matt glänzt.

Frankfurter Fähre

Alle Schrauben fest, nur diese darf sich drehen

  • VonAlexandra Flieth
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Fähre zur Winterinspektion auf dem Trockenen - Bald geht's wieder los

Noch steht die Fähre "Walter Kolb" auf dem Trockenen, genauer auf einem speziellen Anhänger auf dem Gelände von Bootsbau Speck in Schwanheim. Wie in jedem Jahr in der Zeit vom 19. Dezember bis 19. Januar unterbricht Fährmann Sven Junghans für rund vier Wochen den Betrieb der Fähre und unterzieht sie einer Inspektion.

Eigenhändig angestrichen

Dieses Mal sei nicht so viel an Arbeiten notwendig gewesen, sagt er. "Es gab eine Motorinspektion und eine Tankreinigung, die von den Mitarbeitern von Bootsbau Speck durchgeführt wurden", zählt Junghans auf. Er selbst habe dem schwimmenden Gefährt eigenhändig einen neuen Anstrich verpasst - nur die "Tiefgangsanzeige" müsse noch aufgemalt werden. Die dafür vorgesehene Fläche hat er bereits mit einem Band abgeklebt, dann ist die Fähre wieder bereit für ihren Einsatz. Und auch das Wetter spielt für den Neuanstrich mit - es ist zwar kalt, doch die Sonne scheint.

Am 20. Januar pünktlich um 9 Uhr soll die Fähre wieder für eine reibungslose Verbindung über den Main zwischen Höchst und Schwanheim sorgen. Wenn es die Hochwassersituation zulässt. Der Fähreinsatz sei erst wieder bei einem Pegelstand von 2,35 Metern möglich. In den vergangenen Tagen habe dieser schon mal bei 2,61 Metern gelegen, sei jedoch am Abfallen, beschreibt Junghans die aktuelle Situation und zeigt sich hinsichtlich des geplanten Starts seiner Fähre in die neue Saison optimistisch.

Einen weiten Weg bis zur Anlegestelle muss er dafür nicht zurücklegen, um die Fähre wieder ins Wasser zu lassen. Das Gelände von Bootsbau Speck befindet sich nur wenige Meter vom Ufer des Mains entfernt. Mit einer Länge von fast 19 Metern und einer Breite von etwas mehr als viereinhalb Metern finden maximal 35 Personen gleichzeitig hierauf Platz.

Überhaupt ist das Jahr 2022 ein besonderes für den Fährmann, übernahm er doch im November vor zehn Jahren das Steuer der Fähre "Walter Kolb". Für ihn ging es damals von der Elbe an den Main, einen Schritt, den, wie der aus Sachsen stammende Junghans selbst sagt, nie bereut habe. Und auch die Fähre feiert Geburtstag, wurde sie doch 1992, also vor genau 30 Jahren bei Bootsbau Speck erbaut.

So gäbe es in diesem Jahr zwei runde Geburtstage zu feiern. Doch da im kommenden Jahr noch ein besonderes Jubiläum ansteht, soll dieses erst, wenn es die Corona-Situation wieder zulässt, möglichst mit einer Feier gewürdigt werden.

Hol über seit fast 400 Jahren

"2023 ist das 400-jährige Bestehen der Fährverbindung zwischen Höchst und Schwanheim", erzählt Junghans. Derzeit sei aber noch nichts Konkretes geplant. Für ihn ist die Fährverbindung ein Kulturgut Frankfurts, für dessen Erhalt er die Stadtpolitik und die Menschen sensibilisieren möchte.

Junghans blickt nun erst einmal auf das aktuelle Jahr und er hofft sehr darauf, dass es einen super Sommer geben wird. Wegen der Corona-Pandemie lief der Fährbetrieb in den vergangenen zwei Jahren nicht so wie sonst gewohnt. "2021 hatten wir nur 50 Prozent von dem in Vor-Corona-Zeiten üblichen Umsatz", sagt er.

Schiffer Junghans bringt Menschen nicht nur sicher über den Main von Höchst nach Schwanheim und zurück, sondern bietet auch Touren mit seiner Fähre auf dem Fluss an. Und genau das sei wegen Corona nicht mehr so planbar. "Auf jeden Fall starten wir ab Mitte April wieder mit unseren Skyline-Touren dienstags und sonntags ab 18.30 Uhr", sagt er. Alle weiteren Angebote würden spontan geplant - abhängig von der Corona-Lage. "Aber ich bin sehr optimistisch." Alexandra Flieth

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