Wenig los auf der Hauptwache. Die Pandemie hat die strukturelle Krise der Innenstadt verstärkt. Über Konzepte, wie die Zeil und ihr Umfeld fit für die Zukunft gemacht werden können, wird zurzeit auf allen Ebenen diskutiert. Einen richtigen Plan hat noch niemand.
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Wenig los auf der Hauptwache. Die Pandemie hat die strukturelle Krise der Innenstadt verstärkt. Über Konzepte, wie die Zeil und ihr Umfeld fit für die Zukunft gemacht werden können, wird zurzeit auf allen Ebenen diskutiert. Einen richtigen Plan hat noch niemand.

Frankfurt-Plan

Alle suchen nach Lebensgeistern für die City

  • vonSylvia Amanda Menzdorf
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Der Lockdown dauert an. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) startet jetzt eine Offensive, um die Innenstadt für Kunden attraktiver zu machen.

Restaurants und Einzelhandel sind geschlossen - auf unbestimmte Zeit. Pläne für die Zeit nach dem Lockdown versuchten gestern am "Runden Tisch" Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU), Vertreter des Citymarketing und von unterschiedlichen Interessensverbänden zu finden.

"Frankfurt-Plan" hat Feldmann die von ihm gestartete Offensive überschrieben, die darauf gerichtet sein soll, Innenstadt und Einkaufsstraßen wieder in die Aufmerksamkeit vor allem jener Kunden zu rücken, die sich während der Wochen im Lockdown digitalen Handelsplattformen zugewendet haben. Von allein, so die Überlegung, würden diese Kunden womöglich nicht zurückkommen zum stationären Einzelhandel. Also brauchten sie attraktive Anreize. Die erhoffte Magnetwirkung für die Kundschaft solle neue Perspektiven eröffnen für die von der Corona-Krise gebeutelten Betriebe in Handel und Gastronomie. Der Oberbürgermeister möchte ein "stimmiges Gesamtpaket" auf den Weg bringen und schon jetzt ein "Aufbruchsignal für die Zeit nach dem Lockdown" aussenden.

Nächtliches Einkaufen an ausgewählten Tagen

Als Eckpfeiler eines Konzeptes habe man sich auf verschiedene Aktionen geeignet, zum Beispiel das "Night-Shopping" an ausgewählten Tagen. Die Einladung zum nächtlichen Einkaufsbummel soll, wenn die Kunden dieser folgen, auch der Gastronomie helfen. Wer nachts bummeln geht, möchte auch einkehren zum Essen und Trinken, ist der naheliegende Gedanke dahinter.

Von der ebenfalls dem Konzept hinzugefügten Aktion "Gast in der eigenen Stadt", die Frankfurtern preisreduzierte Übernachtungen in Frankfurter Hotels offeriert, sollen Hoteliers profitieren. Die Idee ist eigentlich ein alter Hut, den früher schon die stadteigene Tourismusgesellschaft anlässlich von Weihnachts-Shopping und für von Sommerhitze geplagte Dachgeschossbewohner aufgesetzt hat. Nun soll diese Idee, neu aufgehübscht, den "Frankfurt-Plan" anreichern. Ein "Pavillon-Dorf", in dem sich Frankfurts Partnerstädte wie etwa Tel Aviv, Prag und Budapest präsentieren sollen, soll "Internationalität auf die Zeil" bringen. Die Ausgestaltung dieser Darbietung steht freilich noch in den Sternen.

Schausteller und Foodtrucks einbinden

Eine weitere Idee ist "die Einbindung von Schaustellern und Foodtrucks". Wo und wie sich diese entfalten könnten, sei noch zu besprechen, sagte Kerstin Junghans, Geschäftsführerin des Branchenverbandes für Gastronomie und Hotellerie Dehoga, gestern auf Nachfrage. Dass Foodtrucks mit ihren Angeboten an oft hochwertigeren Gerichten stationäre Gastronomen nicht unbedingt begeistern könnten, sei nicht ausgeschlossen, so Junghans. Solche Konkurrenzsituationen müssten ausgeschlossen werden, weil sie am Ende allen schadeten. Deshalb habe sie in der Runde darauf gedrungen, sie nicht an solchen Standorte anrollen zu lassen, wo es zu konkurrierenden Angeboten käme. Auf der Zeil, der Freßgass' oder in deren unmittelbarer Nähe könne sie sich Foodtrucks eher nicht vorstellen, dafür aber durchaus am Mainkai "zu dessen Belebung". Wichtig sei aber, dass nur regionale Anbieter berücksichtigt würden. Junghans betonte, Foodtrucks gehörten zur Frankfurter Gastro-Szene.

Die Ideen des "Frankfurt-Plans" seien gerichtet auf den Zeitpunkt spätes Frühjahr, früher Sommer, erläuterte ein Sprecher des Oberbürgermeisters das Beratungsergebnis. Die Stimmung am Runden Tisch sei "konstruktiv-optimistisch" gewesen. Bei allen Schwierigkeiten müsse man nach vorne schauen. Voraussichtlich Ende Februar wolle der Runde Tisch wieder zusammenkommen, um dem Konzept den Feinschliff zu geben. Erarbeitet werden solle auch ein Konzept, wie man die zentralen Plätze Goetheplatz, Rathenauplatz, Rossmarkt, Hauptwache, Konstablerwache so miteinander verbinden könne, dass sie einladend wirkten, zum Flanieren wie zum entspannten Aufenthalt.

Wirtschaftsdezernent Markus Frank setzt auf Tatkraft: "Es ist gut, dass wir uns schon jetzt für den Aufbruch nach Corona vorbereiten. Ziel ist es, Frankfurt als Wirtschaftsmotor schnell wieder auf Touren zu bringen, Arbeitsplätze zu sichern, Lebensqualität für die Bürgerinnen und Bürger zu erhalten und die internationale Strahlkraft der Mainmetropole wieder rasch zu entfalten."

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