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„Umbau muss sich rechnen“: Eigentümer wollen weg von der Gasheizung – doch es gibt Probleme

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Von: Thomas J. Schmidt

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Wärmepumpen können eine Alternative zur Gasheizung sein, weiß Heizungsbauer und Innungsmeister Peter Paul Thoma. Doch bei der Umrüstung gibt es auch so manche Hürden. Aktuell ist die Nachfrage enorm.
Wärmepumpen können eine Alternative zur Gasheizung sein, weiß Heizungsbauer und Innungsmeister Peter Paul Thoma. Doch bei der Umrüstung gibt es auch so manche Hürden. Aktuell ist die Nachfrage enorm. © Hamerski

Pech für Eigentümer: Die Nachfrage bei Heizungsbauern ist enorm. Und Energieberater sind auf Wochen ausgebucht.

Frankfurt – Binnen weniger Jahre will Wirtschaftsminister Robert Habeck von Gasheizungen bei Gebäuden wegkommen. Dafür hat die Bundesregierung eine Förderung in Höhe von 30 Prozent in Aussicht gestellt, wenn Bürger ihre alte Gas- durch eine Elektroheizung ersetzen, also etwa eine strombetriebene Luft-Wasser-Wärmepumpe einbauen lassen. Doch das ist nicht so einfach, wie Frank Junker, Geschäftsführer der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ABG, sagt: "Wärmepumpen sind gut im Neubau oder nach umfassender Sanierung im Bestand. Im Altbau hingegen sei das Nachrüsten komplizierter, sagt Junker und erklärt: "Man braucht dafür oft eine Fußbodenheizung." Die Umstellung sei "nicht trivial". Die ABG sei dabei, aber das gehe nicht von heute auf morgen.

Alternativ zur Luft-Wasser-Wärmepumpe, die Außenluft zusammenpresst und die dabei entstehende Wärme nutzt, um das Heizungswasser zu erhitzen, werden auch die Erdbohrung, der Erdwärmekorb und das Heißwasser von der Dachfläche gefördert. Paul Fay, bei der Energieberatung Frankfurt für die Energiekonzeption zuständig, erläutert: "Alle diese Alternativen erfordern eine Wärmepumpe. Der Erdwärmekorb ist eine Rohrleitung, die die Wärme aus der Erde holt, die Solaranlage heizt Wasser durch die Sonneneinstrahlung und speichert es."

Frankfurt will weg von der Gasheizung: Nachfrage bei Energieberatung „enorm“

Um als Heizwasser genutzt zu werden, muss die Temperatur jeweils, wie bei der Luft-Wasser-Pumpe, durch die Wärmepumpe erhöht werden. Diese Luft-Wasser-Pumpe sei von allen Lösungen die günstigste, doch alle anderen Bauweisen seien effektiver, die Wärmeausbeute pro Kilowattstunde Strom höher, erklärt Fay. "Bei der Energieberatung sind derzeit alle Termine für sechs Wochen vergeben, die Nachfrage ist groß. Immobilienbesitzer wollen wissen, wie sie die Förderung in Anspruch nehmen können."

Dass es in der von Habeck anvisierten Zeit von fünf bis sechs Jahren klappt, vom Heizen mit Gas weitgehend wegzukommen, da ist Peter Paul Thoma pessimistisch. Er ist Energieberater, Gutachter und Obermeister der Innung Sanitär Heizung Klima. "Wir haben zurzeit zwei bis drei Anfragen täglich wegen der Energieberatung. Die Nachfrage ist enorm", sagt er. Doch die Umstellung der Heizungen weg vom Gas sei eine fast unlösbare Aufgabe. "Man muss überlegen, was hinten dran hängt. Eine Gasheizung schafft 60 bis 70 Grad, die Luft-Wasser-Wärmepumpe nur 50 bis 55 Grad. Also braucht man unter Umständen auch neue, größere Heizkörper."

Ein zweites Problem ist die Energieversorgung. Das Stromnetz sei für eine Umrüstung von Gasheizungen auf Wärmepumpen im großen Stil nicht ausgelegt. Von der Frage, wo all der Strom herkommen soll, mal ganz abgesehen. Drittens: "Es gibt bei Weitem nicht genug Heizungsbauer und Elektriker, die kurzfristig große Mengen an Heizungen ersetzen könnten", sagt Thoma. "Das muss alles Hand und Fuß haben. Es muss alles genau und richtig geplant werden."

Stadt Frankfurt bereitet bei Heizungssanierungen vielen Ärger

Und dann kämen noch Scherereien mit der Stadt dazu, ärgert sich Thoma und nennt Beispiele: Da ist etwa der Heizungsbauer, der im Nordend einen Ventilator-Kasten für die Wärmepumpe im Garten aufstellen sollte - das sei aber wegen der städtischen Gartensatzung nicht möglich gewesen. Wolle man diese Kästen, die durchaus eine gewisse Geräuschentwicklung verursachen, auf dem Hausdach anbringen will, blockiere wiederum das Bauamt. Ein anderer Kunde wolle sein Haus, ehe er die Heizung austauscht, energetisch sanieren. "Doch da ist die Milieuschutzsatzung davor", schimpft Thoma.

Allerdings sei das aktuelle Angebot der Bundesregierung attraktiv: 30 Prozent, wenn Hauseigentümer die Gas-, und sogar 40 Prozent, wenn sie die Ölheizung ersetzten. Diesen Förderungssatz kann man steigern auf 35 bzw. 45 Prozent, wenn man vor Beginn der Maßnahme einen Energie-Sanierungsplan eingeholt hat, dessen Kosten zu 80 Prozent bezuschusst werden. Denn: "Mit neuen Fenstern, Wärmedämmung und der Dachstuhldämmung kann man 70 Prozent des Energiebedarfs einsparen. Dann kommt man mit der Leistung einer Wärmepumpe auch im Ein- und Mehrfamilienhaus hin", sagt der Heizungsbauer. Und weil die Sanierung teuer ist, kann man sie aufschieben und im ersten Schritt nur die Heizung ersetzen: "Mit einer Hybridheizung - einer Gasheizung für die Notfälle und einer Wärmepumpe - kann man die Jahre bis zur Sanierung des Hauses überbrücken." Die Förderung beträgt auch hier 30 Prozent.

Energieberater aus Frankfurt: Gaspreis wird weiter steigen

Dabei betragen die Kosten für eine Hybridanlage im Einfamilienhaus rund 50 000 Euro, eine reine Wärmepumpe schätzt Thoma auf 25 000 Euro inklusive Montage und Mehrwertsteuer. "Das Ganze macht richtig Sinn, wenn man eine Photovoltaikanlage auf dem Dach hat und einen Batteriespeicher, damit man auch nachts heizen kann." Das reduziert die Stromkosten.

32,61 Cent brutto pro Kilowattstunde, so teuer ist der Strom der Mainova. Einen Sondertarif für Wärmepumpen gibt es nicht, sagt Sprecher Sven Birgmeier. Einkalkulieren sollte man dabei, dass eine Kilowattstunde Erdgas auch rund acht Cent kostet. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe erreicht Wirkungsgrade von drei, manchmal vier. Aus einer Kilowattstunde Strom werden dann vier Kilowattstunden Wärme - das ist nicht teurer als die Wärme aus Gas. Dafür umweltfreundlicher. "Und an den Rohstoffbörsen hat sich der Preis für Erdgas binnen eines Jahres zeitweise verachtfacht", weiß Paul Fay. In der Spitze wurden 35 Cent pro Kilowattstunde Gas gezahlt. Zudem werde der Gaspreis in Zukunft stärker steigen als der Strompreis, prognostiziert Fay.

Trotzdem zögern viele Immobilienbesitzer. Jens Jacobi, Sprecher des Eigentümerverbandes Haus und Grund in Frankfurt, berichtet: "Es gibt große Unsicherheiten wegen der Handwerkerpreise, den Wartezeiten dort, es gibt Unsicherheiten wegen der im Januar ausgefallenen Förderung für energetische Sanierung, und am Ende muss der Umbau sich rechnen, nicht nur für die Hausbesitzer, sondern auch für die Mieter." Die hohe Förderung für die Wärmepumpen sei gut gedacht, aber in der Praxis gelte es noch das ein oder Hindernis zu überwinden. (Thomas J. Schmidt)

Wie sich die Situation der Energiepreise in Frankfurt weiterhin entwickeln wird, erklärt ABG-Chef Frank Junker im Interview.

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