Mahyar Mosavat (links) und Saman Salari haben erfolgreich als Joblinge am Basecamp teilgenommen und jetzt einen Job bei BMW. Seit anderthalb Jahren gibt es das Basecamp im ehemaligen Telekom-Gebäude. FOTO: Holger menzel
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Mahyar Mosavat (links) und Saman Salari haben erfolgreich als Joblinge am Basecamp teilgenommen und jetzt einen Job bei BMW. Seit anderthalb Jahren gibt es das Basecamp im ehemaligen Telekom-Gebäude.

Frankfurter Arbeitsmarkt

"Alleine hat man einfach keine Chance"

  • VonSabine Schramek
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OSTEND Im Basecamp der Joblinge finden Azubis den Weg in ihre Zukunft

Einerseits fehlen überall Fachkräfte, andererseits finden Jugendliche oft keine Ausbildung oder keinen Job. Die gemeinnützige Aktiengesellschaft "Joblinge" hilft und fördert benachteiligte junge Leute. In ihrer Basecamp genannten Zentrale am Danziger Platz werden Azubis fit gemacht für die Zukunft und tolle Jobs.

Aus dem Iran geflüchtet

Saman Salari (23) und Mahyar Mosavat (28) kannten sich bis vor kurzem nicht. Salari ist vor zwei Jahren alleine aus dem Iran nach Deutschland geflüchtet, Mosavat vor drei Jahren. Mehr als 50 Bewerbungen hat Salari geschrieben, rund 80 Mosavat. "Alles Absagen" erzählen die beiden jungen Männer. "Alle denken, dass wir kein Deutsch können", sagen die beiden in perfektem Deutsch. Sie strahlen von einem Ohr zum anderen. Vor einem Tag haben sie erfahren, dass sie bei BMW als IT-Programmierer arbeiten dürfen. Sie sitzen in einem freundlichen Besprechungsraum, der durch eine Tür von einem riesigen Zimmer mit offener Küche, großen Pflanzen, hellen Holztischen mit Laptops, Sofas und einem Tresen mit kunterbunten Hockern möbliert ist. Salaris Lieblingsraum ist der große, Mosavats der Besprechungsraum. "Das ist so unglaublich toll."

Im sogenannten Basecamp der Joblinge haben die beiden ihren Weg gefunden. Auf 800 Quadratmetern Fläche voller modernster Technik, angenehmen Lernzimmern mit Wohlfühlfaktor und mit hoch engagierten Ausbildern, Mentoren und vielen jungen Menschen, die ähnliches erlebt haben. Seit anderthalb Jahren gibt es das Basecamp im ehemaligen Telekom-Gebäude, das wegen Corona lange nur virtuell genutzt werden konnte. Dennoch gab es die individuelle Betreuung und riesige Weiterbildungsangebote, die für Azubis einmalig in Frankfurt sind. Kunst, Kultur, IT, Sport, Projektmanagement und Leadership sind das, was benachteiligten jungen Menschen zu Selbstvertrauen, fachlichem Können, Ausbildungsabschlüssen und Jobs verhilft. "Deutsch B1 habe ich mir selbst beigebracht", erzählt Salari, der 18 Monate in einem Flüchtlingscamp in Speyer untergebracht war und bis zum Positiv-Bescheid auch keine Sprachkurse machen durfte. "In so langer Zeit wird man schon depressiv, aber ich wollte nicht aufgeben oder meinen Traum vergessen", sagt er ohne Groll. Auf Youtube hat ein Video gefunden, das ihn weiter motiviert hat. "Aufgeben, nicht mit mir. Ich kämpfe weiter" steht auch in seinem jetzigen WG-Zimmer. "Im Iran hatte er - ebenso wie Mosavat - Abitur gemacht und Geschäftsbuchhaltung studiert. Beides wird hier nicht anerkannt. "Ich mache jetzt von hier aus weiter als Fernstudium", erzählt er. Mosavat konnte früher Sprachkurse besuchen. Er hat zwei Monate in einem Camp in Ingelheim gewohnt, nach zwei Monaten konnte auch er in eine WG in Mainz wechseln. "Jetzt sind wir einfach nur noch froh", sagen sie im Stereo-Ton und lachen glücklich.

Tipps aus dem Umfeld

Über Tipps aus dem Umfeld haben sie vom Basecamp gehört. Beide haben gebüffelt, andere junge Leute kennengelernt, die in ähnlichen Situationen sind, und haben sich auf alle Angebote komplett eingelassen. Erst online und seit 40 Tagen auch vor Ort. "Ich will einfach jeden Tag hierher", so Salari. "Die Stimmung ist toll und wir fühlen uns so wohl wie früher mit der eignen Familie", schwärmt er. Mosavat nickt zustimmend.

Dass beide viel Talent für IT haben, hat Projektleiterin Jennifer Nicolay schnell gemerkt. Stolz blickt sie die beiden an. "Fünf Wochen lang hat das IT-Bootcamp gedauert", erzählt sie. "Alle haben bestanden. Bei BMW gab es insgesamt 12 Stellen. Neun davon haben unsere Joblinge jetzt in der Tasche." Das Team fördert die jungen Leute in allem. In den Bootcamps, digital, in der persönlichen Entwicklung und eben genau dort, wo es jeder Einzelne braucht. "Wir sprechen lange mit den Leuten und finden dann heraus, was wem am meisten liegt. Wenn es Spaß macht, lernen auch alle begeistert mit."

Die Vermittlungsquote bei den Joblingen liegt laut Nicolay bei "über 80 Prozent und wir gehen auf die 90 Prozent zu." Das Basecamp ist für alle eine reine Herzensangelegenheit mit viel Zusammenhalt. Beim letzten J.P. Morgan Corporate Challenge Lauf haben alle mitgemacht. "Auch das schweißt zusammen", sind sich das Team und die Joblinge einig. "Alleine hätten wir das alles nie geschafft", sagen die beiden künftigen ITler von BMW.

Arbeit und Freunde gefunden

"Die Leute im Basecamp haben tolle Kontakte und wir hatten die Möglichkeit, uns persönlich vorzustellen. Das ist etwas ganz anderes. Denn so glaubt man uns auch, dass wir gut Deutsch können, obwohl wie noch gar nicht so lange in Deutschland sind. Jetzt haben wir Arbeit, auf die wir uns sehr freuen und wir sind auch noch Freunde geworden. " Sabine Schramek

Noch mehr Infos

Informationen über das Basecamp der Joblinge in Frankfurt für Azubis gibt es im Internet: www.basecamp-community.de/ .

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