Alles falsch – nur das Geld nicht

  • schließen

Sie beherrschten ihr betrügerisches Handwerk aus dem Effeff: Mit manipulierten Bankkonten sowie fingierten Telefonverträgen sollen vier Männer einen Schaden von fast 100 000 Euro angerichtet haben. Seit gestern sitzen sie auf der Anklagebank des Landgerichts.

Zwar wirkungsvoll, aber auch extrem aufwendig ist die Masche, mit der sich vier Betrüger, die seit gestern vor Gericht stehen, exakt 94 200 Euro ergaunert haben. Zunächst ließen sie gefälschte Personalpapiere herstellen. Unter den fingierten Namen und Anschriften gingen sie dann zu einer Bank, um ein Girokonto einzurichten. Die Adressen, an die die Bank die Kontounterlagen nebst Scheckkarten zuschickte, wurden mit besonderen Briefkästen und Namensschildern präpariert. Schritt Nummer zwei: Über derzeit noch unbekannte Quellen erhielten die Ganoven Kunden- und Kontodaten aus der Kartei eines Möbelhauses im Rhein-Main-Gebiet. Sie füllten neutrale Überweisungsträger einfach mit den Namen und Kontonummern dieser Kunden aus und überwiesen diverse Beträge auf die zuvor eröffneten Konten. Das Problem mit den Unterschriften lösten sie ebenfalls recht professionell, indem sie den Leuten Einschreibebriefe mit Rückschein zuschickten. Die Unterschrift auf der Empfangsbestätigung diente als Vorbild.

In einer zweiten Betrugsserie waren vor allem Telefonanbieter die Opfer. Mit den manipulierten Personalausweisen wurden Nutzerverträge geschlossen und die Mobiltelefone entgegengenommen. Hinterher erst merkten die Firmen, dass sie Betrügern aufgesessen waren, die gar nicht daran dachten, die finanziellen Gegenleistungen zu erbringen.

Im Zeitraum 2013/14 aber kamen die Taten ans Tageslicht. Seit gestern sitzen die vier zwischen 46 und 51 Jahre alten Männer auf der Anklagebank der 6. Großen Strafkammer des Landgerichts. Die Staatsanwaltschaft gab sich mit der Anklageschrift große Mühe, zwei Stunden dauerte die Verlesung. Angeklagt sind zudem noch zahllose Taten, die aus verschiedensten Gründen im Versuchsstadium steckengeblieben waren. Hätten die Täter dort auch noch Glück gehabt, hätte sich der Gesamtschaden um weitere 216 000 Euro addiert.

Am ersten Verhandlungstag verweigerten drei der Angeklagten jegliche Aussage zur Person und den Vorwürfen. Nur der 51 Jahre alte mutmaßliche Haupttäter gab Erklärungen zu seinem Werdegang ab. Er übte offenbar schon die unterschiedlichsten Berufe aus – vom Hoteldirektor bis zum Sicherheitsmitarbeiter. Darüber hinaus saß er aber auch schon vier Jahre lang im Gefängnis. Der Verteidiger eines der anderen Angeklagten verlangte, das Verfahren gegen seinen Mandanten einzustellen. Der Grund: Der Mann sei bereits mehrfach von anderen Gerichten vom Vorwurf des Betruges mit manipulierten Konten freigesprochen worden. „Diese Taten stehen in engem Zusammenhang mit den hier zu verhandelnden Straftaten“, sagte Rechtsanwalt Ulrich Baumann. Deshalb müsse von einem sogenannten Strafklageverbrauch ausgegangen werden. Niemand dürfe nämlich wegen derselben Tat zweimal belangt werden, zitierte der Anwalt das Grundgesetz. An elf Verhandlungstagen wird sich die von Richter Urs Böcher geleitete Strafkammer voraussichtlich bis Mitte März mit den Betrügereien zu befassen haben. Möglich ist aber auch eine „Verständigung“ und eine damit verbundene Abkürzung des Prozesses.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare