+
Wer im Moment den Zapfhahn bedient, schaut meist ungläubig auf die Tankuhr und den aufgeführten Preis. Obwohl die Rohölpreise niedrig sind, kosten Benzin und Diesel so viel wie schon lange nicht mehr. Begründet wird das mit hohen Transportkosten.

Autoverkehr in Frankfurt

Alles stöhnt über die hohen Spritpreise

  • schließen

Autofahrer stöhnen und verdrehen an der Zapfsäule die Augen: Super kostet durchweg 1,60 Euro pro Liter, Diesel 1,50 Euro. Seit Monaten geht das so, und ein Ende ist derzeit nicht absehbar.

Die Spritpreise sind so hoch wie seit Jahren nicht. Begründet wird das mit dem niedrigen Wasserstand im Rhein, der verhindert, dass Tankschiffe voll beladen werden können. Um die große Nachfrage decken zu können und Benzin und Diesel von den Ölraffinerien in Norddeutschland schnell in den Süden bringen zu können, wird auf die Straße ausgewichen. Doch so viele Tanklastwagen, wie benötigt würden, gibt es gar nicht. Die hohen Spritpreise sind eine Folge der gestiegenen Transportkosten und wirken sich besonders im Süden Deutschlands aus, auch an den Main-Städten Frankfurt, Aschaffenburg und Würzburg.

„Am meisten ärgert mich ja immer noch, dass die Steuern aufs Benzin so unglaublich hoch sind“, sagt ein Familienvater (44) aus Friedberg. Mit seiner Frau verlädt er gerade eingekaufte Lebensmittel, die Heckklappe des BMW-Kombi steht weit auf. „Wir sind auf das Auto angewiesen, ich fahre jeden Tag zur Arbeit. Auf dem Land geht es eben nicht mit der S-Bahn oder so.“ Seinen Namen will er nicht nennen, aber seinen Ärger gerne loswerden. „Uns greift jeder in die Tasche! Am meisten, wie gesagt, der Staat.“

Auch Unternehmen leiden. Frank Benner, Inhaber der Firma „Basalttaxi“ in der Basaltstraße, sagt: „Ich halte die Luft an und bete, dass es bald wieder regnet.“ Dann steigt auch der Rhein-Pegel wieder. Denn für sein Unternehmen – er ist mit zwölf Dieselfahrzeugen und zwei Elektroautos auf der Straße – bedeuten die hohen Preise Mehrkosten von 3000 Euro im Monat. „Wenn es günstig ist, tanken wir für 1,45 Euro pro Liter, wir haben aber auch schon 1,60 Euro bezahlt“, betont Brenner. Es sei eine Zusatzbelastung, die jedes Taxi-Unternehmen aus eigenen Reserven stemmen müsse. Denn die Fahrpreise erhöhen, das gehe nicht.

Hans Peter Kratz der Vorsitzende der Taxi-Vereinigung Frankfurt, stimmt zu. Aber: „Die drohende Erhöhung des Mindestlohns quält uns noch mehr. Die Spritpreise steigen und sinken immer mal, es ist auch nicht das erste Mal, dass der Liter Diesel 1,50 Euro kostet“, sagt er. Immerhin, auf zwölf bis 15 Prozent beziffert Kratz den Anteil der Spritkosten an den Ausgaben eines Taxi-Unternehmens. Steige der Spritpreis um 25 Prozent, könne die knappe Gewinnmarge aufgezehrt sein.

Fahrstunden werden teurer

Die Preiserhöhungen an der Zapfsäule weitergeben, das zumindest kann Ulrike Eichhorn, die eine Fahrschule im Bahnhofsviertel betreibt. „Wir nehmen jetzt 40 Euro pro Stunde, aber im Januar muss ich wohl auf 42 Euro erhöhen“, sagte sie. Die vergangene Preiserhöhung sei eineinhalb Jahre her. „Es geht einfach nicht mehr. Drei Fahrlehrer fahren je elf Stunden am Tag. Das sind Bezinkosten von 1500 Euro im Monat.“

So leiden viele auch in Frankfurt unter dem hohen Spritpreis. Wie lange es noch weitergeht, wann die Flusspegel wieder steigen, die Transportkosten sinken, ist gegenwärtig nicht abzusehen.

Oliver Reidegeld, Sprecher beim Allgemeinen Deutschen Automobil-Club (ADAC) rät Kraftfahrern, spritsparend zu fahren: „Kalte Motoren brauchen besonders viel Sprit. Deswegen sollte man Kurzstrecken meiden.“ Vorausschauendes Fahren und frühes Schalten ist ein weiterer Rat. „Und das Fahrzeug sollte so leicht wie möglich sein, also den Kofferraum leeren“, empfiehlt Reidegeld und: „Die Reifen prall aufpumpen – ruhig 0,1 bis 0,2 Bar mehr, als der Hersteller angibt – und um den Luftwiderstand zu senken Anbauteile wie den Dachgepäcktrager abbauen.“ Der ADAC schätzt, dass die Spritpreise noch eine Weile hoch bleiben – wenngleich, so vermutet Reidegeld, durchaus „Mitnahmeffekte“ seitens der Konzerne zu beobachten seien.

Dem ließe sich entgegentreten, wenn man beim günstigsten Anbieter tanke. „Es gibt zahlreiche Apps, unter anderem die des ADAC“, so der Club-Sprecher Reidegeld. „Wir bekommen die Daten von der Marktbeobachtungsstelle beim Bundeskartellamt, sie sind sehr zeitnah.“ Denn die Anbieter seien verpflichtet, jede Preisänderung an diese Beobachtungsstelle zu melden. Auch die Tageszeit, zu der getankt werde, könne entscheidend sein. Mehrmals täglich ändern sich bei den Tankstellen die Preise, zentral geregelt von den jeweiligen Konzernen. „In den meisten Fällen sind die Preise zwischen 15 und 17 Uhr und dann wieder von 19 bis 22 Uhr besonders günstig“, sagt Reidegeld.

80 Cent pro Liter

Doch natürlich sind nicht nur Autofahrer betroffen, auch viele Eigenheimbesitzer, die Heizöl benötigen. „Viele haben im Sommer nicht getankt“, so Reidegeld, „weil die Preise da auch schon hoch waren.“ Doch die erhoffte Preissenkung blieb aus, im Gegenteil. Derzeit kostet ein Liter Heizöl in Frankfurt rund 80 Cent bei Abnahme von 3000 Litern.

Das sagen Autofahrer dazu


Aufs Auto angewiesen

Agi Moretti (46), Sekretärin aus Frankfurt: „Ich bin leider auf das Auto angewiesen. Für den Weg zur Arbeit, danach bin ich Taxi Mama. Die hohen Spritpreise schmerzen schon sehr.

Ich tanke nicht immer voll. Wenn es teuer ist, tanke ich nur, wenn ich muss, zuletzt für 30 Euro. Da hat es 1,70 Euro pro Liter gekostet. Wenn ich jetzt irgendwo vorbeifahre, wo es nur 1,50 kostet, halte ich an und tanke voll.“

 

Auf Gas umgestiegen

Achim Trovato (57) ist Testfahrer, ist aber auch privat viel mit dem Auto unterwegs. „15 000 Kilometer fahre ich jährlich. Aber zu Jahresbeginn habe ich in meinen 17 Jahre alten Omega ein Flüssiggas-System einbauen lassen. Das hat 2000 Euro gekostet. Aber seitdem bin ich extrem günstig dabei. 500 Kilometer kosten mich nur noch 28 Euro, ein Liter Flüssiggas ist einen Euro billiger als ein Liter Benzin.“

 

Kein Vielfahrer

Helmut Exner (61) stöhnt über die hohen Spritpreise. „Ich wohne in Bornheim, und erledige das meiste zu Fuß oder mit dem Rad. Ich brauche das Auto eigentlich nur zum Einkaufen, wenn ich große Besorgungen machen muss.

So gesehen tanke ich einmal im Monat, fahre vielleicht 7000 Kilometer im Jahr. Für mich ist es zwar ärgerlich, aber verschmerzbar, die hohen Spritpreise derzeit zu zahlen.“

 

Fuß vom Gas nehmen

Raimons Briška (45) aus Frankfurt macht zurzeit eine Umschulung. „Ich brauche das Auto sowohl beruflich, als auch für die Familie. Die Spritpreise tun in meiner Situation richtig weh. Immerhin fahre ich täglich 70 Kilometer.

Ich fahre langsamer als sonst, tanke nur noch voll, wenn es günstig ist und sehe generell zu, dass ich erst nach 21 Uhr an die Zapfsäule fahre. Denn dann ist es günstiger.“

 

Eine Unverschämtheit

Burak Aykin (35) aus Wiesbaden ärgert sich total über die Spritpreise. „Es ist eine Unverschämtheit. Ich habe gerade über WhatsApp erfahren, dass für den heutigen Montag ein bundesweiter Streik angekündigt ist.

So wie in Frankreich. Die Autofahrer sollen demnach an diesem Tag an keine Tankstelle fahren. Das finde ich interessant, und wenn möglich, werde ich mich beteiligen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare