Im Jahr 1946 bot sich die Kreuzung Siegener Straße / Alt-Sossenheim komplett autofrei. FOTO: Archiv Klaus Moos
+
Im Jahr 1946 bot sich die Kreuzung Siegener Straße / Alt-Sossenheim komplett autofrei.

Frankfurter Stadtteilgeschichte

Als das Dorf von Siedlungen umzingelt wurde

  • Holger Vonhof
    VonHolger Vonhof
    schließen

Seit 75 Jahren gibt es die FNP - viel hat sich seitdem verändert. Wie sah es 1946 in den Stadtteilen aus und wie an selber Stelle 2021? Heute geht's nach Sossenheim.

Vor 75 Jahren bot sich die Einmündung der Siegener Straße in die Straße Alt-Sossenheim dem Fotografen frei von Verkehr. Will man heute an gleicher Stelle keine Autos auf dem Bild haben, muss man einen extrem günstigen Moment abwarten: Sossenheim, das frühere Straßendorf, leidet unter dem Verkehr, der sich tagtäglich durch Kurmainzer Straße, Alt-Sossenheim, Siegener Straße und Westerbachstraße wälzt.

Zum einen wurden in den Jahren nach dem ersten Foto rund um den alten Dorfkern große Siedlungen aus dem Boden gestampft: Im Westen die Henri-Dunant-Siedlung, nordwestlich vom Ortskern die Robert-Dißmann-Siedlung, an die sich östlich die Carl-Sonnenschein-Siedlung anschließt sowie die wiederum südlich von dieser gelegene Otto-Brenner-Siedlung. Zum anderen schuf man dann in den vergangenen zwei Jahrzehnten zwischen Sossenheim, Rödelheim und Eschborn ein Gewerbegebiet, für dessen Verkehrsaufkommen die Straßen nicht ausreichen. Dazu kommt, dass Sossenheim sich im Würgegriff der Autobahnen A 66, A 5 und A 648 befindet. Diese Autobahnen gehören zu den Hauptverkehrsachsen des Rhein-Main-Gebiets, sind chronisch überlastet und sehr stauanfällig. Steht der Verkehr auf der A 66, versuchen viele, über die Sossenheimer Stadtteil-Straßen schneller voranzukommen. Auch im Osten des Stadtteils, am Gewerbegebiet Wilhelm-Fay-Straße, kommt es immer wieder in Stoßzeiten zu massiven Verkehrsbehinderungen. Das hätte sich der Fotograf des linken Bildes 1946 sicher nicht vorstellen können: Damals fuhr kaum ein Auto.

1951 wurde östlich des Sossenheimer Bahnhofs die Großmolkerei Moha samt mehrgleisigem Rangierbahnhof eröffnet. Dort wurden Kesselwagen befüllt, die aus der ganzen Republik nach Sossenheim transportiert wurden, denn die Moha war als einzige bundesdeutsche Molkerei im Auftrag der US-Armee bundesweit tätig. 1985 kam das Aus für die Moha; acht Jahre später wurde auf dem Gelände eine weitere Großsiedlung aus dem Boden gestampft, der Westpark.

Mit ihm erreichte der Stadtteil Sossenheim erstmals mehr als 15 000 Einwohner, heute sind es mehr als 16 000. Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg hatte Sossenheim nur etwa rund 7000 Einwohner - einschließlich der Flüchtlinge und Vertriebenen, die aus den Ostgebieten hinzugekommen waren und vor allem in den Siedlungen eine neue Heimat fanden. hv

Die Serie

Morgen blicken wir auf der Ost-Seite zum Frankfurter Berg. Alle bisher erschienen Folgen finden Sie gebündelt auf www.fnp.de/stadtteilgeschichte

Auch heute ist links im Hintergrund die evangelische Kirche zu sehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare