Vor 75 Jahren gab es nördlich der Römerstadt fast nur Felder, heute wohnen dort in der Nordweststadt 17000 Menschen. FOTO: Born
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Vor 75 Jahren gab es nördlich der Römerstadt fast nur Felder, heute wohnen dort in der Nordweststadt 17000 Menschen.

Stadtteilgeschichte

Als der Blick auf den Taunus noch frei war

  • Judith Dietermann
    VonJudith Dietermann
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Seit 75 Jahren gibt es die FNP - viel hat sich seitdem verändert. Deshalb drehen wir die Uhren zurück und werfen einen Blick in die Vergangenheit. Wie sah es 1946 in den Stadtteilen aus und wie an selber Stelle 2021? Heute die Nordweststadt.

"Hach, was für ein schöner Blick. Bis in den Taunus kann ich sehen", mag der ein oder andere Bewohner im obersten Geschoss des langgestreckten Gebäudes in der Römerstadt 163 vor 75 Jahren gedacht haben. Ein Blick, der den heute dort lebenden Menschen verwehrt bleibt. Was sie stattdessen sehen, ist die Nordweststadt. Die Trabantenstadt, die zwischen 1962 und 1968 zwischen Römerstadt, Praunheim, Heddernheim und Niederursel gebaut wurde.

Auf den Feldern, die unser Foto aus der Zeit vor der Nordweststadt zeigt. Und auf dem sich auch Menschen, die in der nahen Umgebung aufgewachsen sind, zunächst orientieren müssen. Vergleichsweise leicht zu erkennen ist dabei die Straße "In der Römerstadt" im Vordergrund. Etwas weiter links sieht man derweil nach oben hin verlaufend die Straße "Am alten Schloß in Praunheim", etwas weiter rechts die Oberfeldstraße, wo in den 1920er Jahren die ersten Häuser entstanden sind. "Damals lagen sie wie eine Insel im Meer der sie umgebenden Felder und Wiesen - von jeher das Oberfeld genannt", sagt Helga Born, die dort aufwuchs.

Heute ist die Insel umschlossen von der Ernst-Reuter-Schule im Norden, dem Praunheimer Weg im Westen und der Bernadottestraße im Süden. Folgen des Baus der Nordweststadt, der Trabantenstadt, die die Wohnungsnot in Frankfurt beheben sollte. Stadtbaurat Ernst Kampffmeyer und sein Mitarbeiter entwarfen bereits Mitte der 1950er-Jahre eine Siedlung auf den Feldern. Für 25 000 Menschen. "Nordweststadt" war dabei übrigens nur ein Arbeitstitel, eigentlich sollte sie nach der römischen Siedlung Nida benannt werden. Doch dieser Vorschlag setzte sich nicht durch.

1959 wurde ein bundesweiter Wettbewerb ausgeschrieben, die Architekten Walter Schwagenscheidt und Tassilo Sittmann erhielten als Drittplatzierte den Zuschlag. Die Gebäude - zumeist Wohnhochhäuser mit Drei-Zimmer-Wohnungen und 600 Einfamilienhäuser - sollten im Karree auf der grünen Wiese und zur Sonne ausgerichtet gruppiert und Autos auf schleifenartigen Sammelstraßen in die Siedlung geführt werden. Fußgänger sollten sie über die noch heute typischen Brücken überqueren können.

Die Bauarbeiten begannen im Juli 1961, erste Mieter zogen im Herbst 1962 ein. Das Nordwestzentrum und der U-Bahn-Anschluss folgten im Oktober 1968. 17000 Menschen leben heute in der "Nordi" und haben aus den obersten Etagen das, was Römerstadt-Bewohner längst vermissen: einen wunderbaren Blick gen Taunus. judith dietermann

Die Serie

Morgen sehen sie auf der Ost-Seite Eckenheim. Alle bisher erschienenen Folgen finden Sie gebündelt auf www.fnp.de/stadtteilgeschichte

Was für ein Unterschied: Vor 75 Jahren gab es nördlich der Römerstadt fast nur Felder, heute wohnen dort in der Nordweststadt 17000 Menschen.

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