Frankfurter Stadtteilgeschishte

Als der Frankfurter Berg als Vorzeigesiedlung galt

  • Friedrich Reinhardt
    VonFriedrich Reinhardt
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Seit 75 Jahren gibt es die FNP - viel hat sich seitdem verändert. Deshalb drehen wir die Uhren zurück und werfen einen Blick in die Vergangenheit. Wie sah es damals in den Stadtteilen aus und wie an selber Stelle 2021? Heute blicken wir auf den Frankfurter Berg.

Eigentlich alles, was man für ein genussvolles, ungesundes Leben braucht: "Hessen Toto - Coca Cola - Tabakwaren - Spirituosen - Süßware" steht auf dem Werbeschild des kleinen Kiosks im Weißdornweg 3. Und wer schon da ist, kann gleich seine dreckige Wäsche abgeben. Perfekt. Heute gibt es hier nur Tabak aus dem Automaten, ohne kurzen Schnack mit dem Verkäufer.

Dabei hat das Gemeinschaftliche seit jeher auf dem Frankfurter Berg eine Heimat. 1937 wurde im nahe gelegenen Hagebuttenweg 10 das erste bezugsfertige Musterhaus zur Beschau geöffnet. Es soll "eine Völkerwanderung" ausgelöst haben, heißt es in der Festschrift "50 Jahre Siedlergemeinschaft Am Frankfurter Berg", weil so viele das Haus begutachten wollten. Die künftigen Bewohner konnten aus drei Häusertypen wählen, die zwischen 9230 und 9890 Reichsmark kosteten. 310 Häuser entstanden so in kurzer Zeit. Nach dem Krieg wuchs die Siedlung um die Bizonale Siedlung mit weiteren 340 Häusern. Dazu gehörte auch der Weißdornweg mit seinem Kiosk .

Die Siedlergemeinschaft "Am Frankfurter Berg" hatte in den 70er und 80er Jahren Vorbildcharakter. 1979 stand sie im Bundeswettbewerb "Die beste Kleinsiedlung" des Deutschen Siedlerbundes (heute Verband Wohneigentum). Zur schönsten Siedlung Hessens war sie da schon gewählt worden. Zu den Kriterien Prüfkommission aus Berlin gehörte "auch die Schönheit und die Harmonie der Siedlung in ihrer Gesamtheit", wie diese Zeitung am 30. August 1979 schrieb. Im Protokoll der Kommission hieß es: "Die Siedler haben ihre Häuser und Nebengebäude gut gepflegt" und "insgesamt ist die besondere Leistung hervorzuheben, eine solche Siedlung im Verdichtungsraum Frankfurt in Takt zu halten." Letztlich erhielt die Siedlergemeinschaft die Bronzeplakette.

Die Hochhäuser an der Julius-Brecht-Straße standen damals schon. Ab 1966 hat sie die Gewobag errichtet. Zwar kann man die Idylle im Holunder-, Weißdorn- oder Wickenweg noch jeder erleben. Der Ruf des seit 1996 eigenständigen Stadtteil ist jedoch noch ein anderer. Der Begriff "Sozialer Brennpunkt" haftet noch in vielen Köpfen. Dabei haben Vereine, Gemeinden, die Stadt und die Jugendhilfe mit harter Arbeit viel geleistet. "Brennpunkt" ist heute das falsch Etikett. msr

Die Serie

Morgen schauen wir auf der Nordwesten-Seite nach Rödelheim.

Alle bisher erschienen Folgen finden Sie gebündelt auf www.fnp.de/stadtteilgeschichte

Huete gibt es unter der selben Adresse nur noch Tabak am Automaten

Rubriklistenbild: © Friedrich Reinhardt

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