Im Zweiten Weltkrieg wurde die Gaststätte "Zum Goldenen Löwen" vollständig zerstört. FOTO: Kroneisen
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Im Zweiten Weltkrieg wurde die Gaststätte "Zum Goldenen Löwen" vollständig zerstört.

Frankfurter Stadtteilgeschichte

Als der Goldene Löwe in Schutt und Asche lag

  • Judith Dietermann
    VonJudith Dietermann
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Seit 75 Jahren gibt es die FNP - viel hat sich seitdem verändert. Deshalb drehen wir die Uhren zurück und werfen einen Blick in die Vergangenheit. Wie sah es 1946 in den Stadtteilen aus und wie an selber Stelle 2021? Heute Rödelheim.

An die Gaststätte "Zum Goldenen Löwen" in Alt-Rödelheim, sagt Armin Kroneisen, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins, habe er nur wenige Erinnerungen. Zu jung sei er gewesen, sagt der heute 85-Jährige. An die Zerstörung der Gaststätte sowie an die Aufschrift "Volk ans Gewehr", die an den Zaun des Grundstücks gehängt wurde hingegen könne er sich noch erinnern. "Es kam mir schon als Neunjähriger angesichts der Zerstörung in Rödelheim unverständlich vor. Junge Buben ab 16 Jahren und alte Männer wurden damit zum Volkssturm aufgerufen. Was sollten die da noch ausrichten", fragt Kroneisen sich bis heute. Noch makaberer wirkte der Aufruf nach Ende des Krieges, als der Löwe wie viele andere Gebäude in Frankfurt in Schutt und Asche lag. Seit seiner Eröffnung, wann diese genau war ließ sich nicht herausfinden, war der Löwe ein Familienbetrieb der Familie Steuernagel, damals wie heute waren die Kastanien charakteristisch für das Plateau vor der Gaststätte. Stets galt für die Besitzer der Leitspruch: "Der schönste Platz ist immer an der Theke!". Wobei der letzte Inhaber, Georg Steuernagel, als Wirt seinen angestammten Platz eher dahinter hatte. Während das Reich seiner Frau die Küche war. Nach der Zerstörung, erinnert sich Kroneisen, zog die Gastwirtsfamilie für einige Jahre in die Lorscher Straße in das Haus "Zum Taunus" um. "Mein ältester Onkel Wilhelm Kroneisen war dort jeden Sonntag zum Skatspielen", sagt er.

Einige Jahre später begann die Familie Steuernagel mit dem Wiederaufbau des Löwen. Wobei dies nicht ganz richtig ist, die Trümmer wurden abgerissen, sie wichen einem Neubau. "Beide haben nach der totalen Zerstörung ihres früheren Besitzes, dem symbolischen Wappentier Rödelheims wieder auf die Beine geholfen und eine Gaststätte geschaffen, die sich in ihrer Art in unserem Stadtteil sehen lassen kann", schrieb eine Zeitung damals.

1959 allerdings zogen sich die Steuernagels zurück und übergaben den Löwen an einen Pächter. Bis heute ist die Gaststätte "Zum Goldenen Löwen" ein fester Bestandteil Alt-Rödelheims. Kroatische, italienische und deutsche Gerichte stehen auf der Speisekarte, der Gastraum strahlt Urigkeit aus und im Biergarten streicht der Wind durch die hohen Kastanienbäume. Ein bisschen so wie früher. jdi

Die Serie

Morgen blicken wir im Westen auf den Stadtteil Nied. Alle bisher erschienenen Folgen finden Sie gebündelt auf www.fnp.de/stadtteilgeschichte

Erst Mitte der 1950er Jahre wurde das Lokal wieder aufgebaut.

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